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DIE SERATOS – A Family Thing

Seratos – Sopranos – Mafia – Familie. Zu letzterem soll uns die Herleitung bringen: Die SERATO Familie, die mit SL2 und SL4 kürzlich Zuwachs bekam. Ein Überblick.

 

 

SL1 oder SL4, SL2 oder SL3, Sixty Eight oder TTM57, ITCH oder The Bridge? Oder doch VideoSL? Genügend Abkürzungen, die einen Einsteiger verwirren können. Und alle haben mit SERATO zu tun. SALECTION zieht in bester Ulrich “Akte” Meyer Tradition die investigativen Gummistiefel an und steigt zur Aufklärung dahin, wo alles anfing.

Urschleim:
SERATO, wie viele ihr Digitales Vinylsystem (kurz DVS) nennen, ist eigentlich eine Softwarefirma aus Neuseeland, die korrekt SERATO AUDIO RESEARCH heißt.  Etwa um 2004 brachte diese SCRATCH LIVE (SSL) auf den Markt, eine DJ-Software, mit der man – einfach gesagt – mittels Timecodevinyl seine MP3s wie “echte Platten” nutzen konnte. Damit hatte der damals im düsteren DVS-Wald lebende Platzhirsch FINAL SCRATCH (FS) einen ernstzunehmenden Konkurrenten. SERATO kooperierte nämlich mit RANE, einer gut beleumundeten, amerikanischen Hardwarefirma. Von der kam die zwingend notwendige Soundkarte, auch bekannt als SL-Box.  Bald begannen die ersten User auf die Stabilität und die geringen Systemansprüche von SSL zu schwören. Da hatte FS so seine Schwierigkeiten. Aber nicht nur da, sondern auch bei der Umstellung von FS1 auf FS2 (Lieferbarkeit, Firewiretrouble) und letztlich auch bei der Kooperation. Denn FS war ein Deal zwischen NATIVE INSTRUMENTS (Software) und STANTON (Hardware). Kurz gesagt: SSL war nun die Nummer Eins im DVS-Wald und NATIVE sollte noch eine Weile brauchen, bis sie mit einem TRAKTOR zurück in den Forst rollten.

SERATO SCRATCH LIVE – SL1
Wenn man so will SSL1. Ein Einzelkind, der Erstgeborene. Hatte damals schlicht noch keine Nummer. Zwei Decks stehen in der Software zur Verfügung. Ein Interface mit 16bit/44,1kHz und USB1.1, was  seinerzeit durchaus uptodate war. Man konnte ein Mikrofon anschließen und eventuell verwendetes “Analogvinyl”, also reguläre Platten,  wurde mit zusätzlichen Cinchkabeln, über THRU,  zum Mixer geleitet.  Für die SL1-Box gibt es ASIO-Treiber um die Soundkarte in einer anderen Software, unter Windows,  zu nutzen. Mit Core Audio, also MAC, geht das aktuell nicht. Die SL1 Box wird nicht mehr hergestellt, aber supportet. Womit wir bei einem Zwischenthema wären:

Philosophie
Die Software ist bei SERATO (im Prinzip) kostenlos. Man zahlt für die Hardware. Diese funktioniert wie ein Dongle und entscheidet über den Funktionsumfang, also ob man ein, zwei, drei oder vier Decks nutzen kann. Die grundlegenden Features und “Plugins”, wie den Sample Player SP6 oder die Effekte, hat man immer. Ohne angeschlossene Hardware steht ein Deck, für die Vorbereitung von Playlisten, Loops oder Cuepunkten,  zur Verfügung. Das läuft dann über die interne Soundkarte des Rechners und bietet weder Timecodesteuerung, noch Effekte.

SERATO SCRATCH LIVE – SL2
Lange Zeit war SL2 ein Mythos, da nach SL1 gleich SL3 folgte. Erst zur diesjährigen Musikmesse schloss SERATO die Lücke. Wie bei der SL1 Box, an dessen Stelle es tritt, gibt es auch hier zwei Decks in der Software. Die SL2 Box ist aber deutlich kompakter und technisch, mit 24bit/48kHz und USB2.0, zeitgemäßer, der Sound hörbar besser. Den Mikrofonanschluss gibt es nicht mehr und analoges Signal wird nicht mehr über zusätzliche Kabel, sondern über einen Softwarebypass durchgeschliffen. Die SL2-Box ist ASIO- und Core Audio fähig. Der Preis des Paketes von Software und Hardware, inklusive zweier Timecodevinyl und zweier Timecode CD liegt gegenwärtig bei 499 Euro.

SERATO SCRATCH LIVE – SL3
Zeitlich gesehen folgte SL3 auf SL1. Das dürfte so um 2009 gewesen sein. Verbessert wurde die Soundqualität (24bit / 48kHz) und USB auf 2.0. Wie bei der SL2 wird analoges Signal über die Software durchgeschliffen, es gibt also keine THRU-Anschlüsse, wie sie die SL1-Box (und nur die) hat. Dafür gibt es je einen zusätzlichen AUX Ein- bzw. Ausgang. Darüber könnte man den SP6 (Sampleplayer) rausschicken, einen Mix aufnehmen oder einen dritten Plattenspieler / CD-Player einbinden. Mit der SL3 Box kann man nämlich, so man will, drei Decks in der Software nutzen. ASIO und Core Audio Treiber: positiv. Preis inklusive je zweier Timecodevinyl und -CD, sowie einer Tasche für die Soundkarte: 749 Euro.

SERATO SCRATCH LIVE – SL4
Diese Version kam Anfang dieses Jahres, nach SL3 und knapp vor SL2, was das alles etwas verwirrend macht.  Das hervorstechende Merkmal: zwei USB-Ports. Es können also zwei Rechner darauf zugreifen. Zwar nicht zeitgleich aber nacheinander / abwechselnd, was ein B2B Set oder einen stressfreien DJ-Wechsel ermöglicht. Vier Phonopreamps warten auf vier Plattenspieler, womit man in der Software auch bis zu vier Decks steuern kann. Leider kann man nicht mit zwei Plattenspielern vier Decks steuern. Zusätzlich zu den vier Ein- und Ausgängen gibt es noch einen fünften (AUX) Ein- und Ausgang für SP6, Recording oder Live Feed, eine Funktion bei der man ein eingehendes Signal mit Timecode steuern kann. Technische Werte: 24bit, Samplerate wählbar zwischen 48kHz und 96kHz, USB 2.0, ASIO und Core Audio Treiber. Preis: 899 Euro.

Sonstige Software
THE BRIDGE
Eine Kooperation zwischen SERATO und ABLETON und eine Verbindung zwischen SSL und Live (ab Version 8).  BRIDGE ist für die (legalen) Besitzer beider Programme kostenlos. In SSL wird die Sessionansicht von Live dargestellt. Deren Inhalt kann so über ein Deck in SSL, also mit Timecode, gesteuert und synchronisiert werden. Ebenso kann man sein DJ Set in Ableton aufzeichnen. Diese Funktion nennt sich MIXTAPE. Mehr zu diesem Thema findet ihr hier und hier.

VIDEO SLEin Plugin für SSL, mit dem man Videos mit Timecode steuern kann. Effekte und Übergänge gibt es in der Software, gesteuert wird über MIDI. Kostet 249 Euro, eine Demoversion (mit Wasserzeichen) ist verfügbar.

ITCH
Im Prinzip die Controller Version von SCRATCH LIVE. In Zukunft, so zeigte ein Blick auf die kommende Version ITCH2, verschwinden wohl die Hauptunterschiede zwischen beiden Programmen bzw. Ansätzen. Während man bei SCRACH LIVE durch Timecode steuert, erfolgt das bei ITCH über spezielle Hardware. Dabei ist ITCH nicht für jeden MIDI-Controller offen, sondern nur für ausgesuchte. Eine Übersicht gibt es hier.  Da ITCH, anders als z.B. TRAKTOR über keinen Softwaremixer verfügt, wird über die Hardware gemischt.  Je nach verwendetem Controller gibt es ein Zwei- oder Vierdecks Layout in der Software. ITCH 2.0 (dann u.a. mit Sampleplayer) ist für das dritte Quartal 2011 angekündigt.

Sonstige Hardware:
SIXTY EIGHT
RANES aktuelles Mixerflaggschiff.  Für knapp 2700 Euro können sich, wie bei der SL4-Box, zwei DJs anschließen, genauer: ihre Rechner, mit SSL Software, anschließen. In der Software können bis zu vier Decks genutzt werden. Es gibt sechs interne Effekte, MIDI-Steuerelemente für die Software, zwei Mikroeingänge, wovon einer eine zuschaltbare Phantomspeisung mitbringt, 32bit mit 44,1kHz bzw. 48kHz Samplerate, digitale S/PDIF Eingänge und noch etliche Features mehr, die einen hochwertigen Mixer ausmachen. Wer das schon erwähnte MIXTAPE in BRIDGE mit dem SIXTY EIGHT nutzt, findet nach dem Recording, in ABLETONS Arrangementansicht, alle Fader- und Potibewegungen als änderbare Automation vor. Fazit: ziemlich teuer und optisch keine Augenweide, technisch ganz weit vorn.

TTM57SL
RANES legendärer Zweikanalmixer mit integrierter SL-Hardware. Da er seine Wurzeln in den Zeiten der SL1-Box hat, ist auch deren Technik drin verbaut.  Also 16bit / 44,1kHz.  Eine Mischung aus wettkampftauglichem Battlemixer , mit kontaktlosen, magnetischen Fadern sowie zwei Onboard Effekten und Steuereinheit für diverse Softwarefunktionen.   In SCRATCH LIVE stehen damit zwei Decks zur Verfügung. Preis: 1385 Euro.

Zum Abschluss noch ein kleines Video, für die Lesefaulen.


Zu sehen gibt es den Lieferumfang von SL2 und SL4, sowie die gröbsten Unterschiede zwischen beiden Versionen.  Die ganzen genannten, tollen Sachen  gibt es natürlich auch beim Musikhaus Thomann zu kaufen. Und nicht nur das, dort gibt es auch Beratung. Im guten, altem Sinn, jenseits vom Marketingwort.

 

 

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