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NI TRAKTOR KONTROL F1 – Review

Das nächste Stück Hardware aus dem Hause NI steht nun seit wenigen Tagen in den Regalen. In diesem Review wollen wir euch den Controller kurz vorstellen.

Vorwort in eigener Sache
Das folgende Review dient vornehmlich dem Gerät selbst und weniger der Remix Deck Funktion bzw. den neuen Features von Traktor 2.5. Dazu wird es in Kürze ein weiteres, ausführliches Review bei uns im Blog geben!

Native Instruments selbst betitelt den TKF1 als “Addon-Controller” für Traktor (Scratch) Pro 2, der vornehmlich zum Steuern der Remix Decks gedacht ist. Da es sich jedoch auch um einen MIDI-fähigen Controller handelt, lässt sich der F1 mit jeder beliebigen anderen Software ein, solange diese MIDI-fähig ist. Die Kommunikation mit Traktor Pro 2 hingegen findet über das bereits von X1 & S4/2 bekannte NHL-Protokoll statt. Neu ist, dass man in Traktor wahlweise auf den MIDI-Modus oder aber auf eine individuelle User-Map im NHL-Modus switchen kann, die ab Werk mit den Funktionen belegt ist, wie sie auf dem beiligenden Overlay abgedruckt sind.

Das Chassis wurde 1:1 vom Kontrol X1 übernommen und liefert daher identische Abmaße in Höhe, Breite und Tiefe. Ergo: auch der F1 passt in den Traktor Kontrol Bag. Mit 730gr gegenüber 691gr beim X1 ist er auch nur unwesentlich schwerer.
Neben dem Controller selbst finden sich ein USB-Kabel, ein Overlay zur Trackdecksteuerung von Traktor, Sticker sowie ein Sicherheitshinweisheft und eine Karte mit Hard- & Software-Serial für Traktor Pro 2.5. Letztere ersetzt vollständig das ehemals beigelegte Installationsmedium, kurz DVD genannt. Treiber und Software samt ihrer Handbücher müssen also zwingend heruntergeladen werden, sofern sich auf dem Rechner nicht schon eine aktuelle Installation von Traktor befindet. Bei dieser sollte im Installationsprozess allerdings optimalerweise der F1-Treiber mit ausgewählt worden sein. Wer keinen Internetanschluss zur Hand hat, guckt also erst mal in die Röhre. Allerdings sollte man inzwischen von einer nahezu flächendeckenden Verfügbarkeit an Internetanschlüssen ausgehen können. Und wer mit einer DJ-Software arbeitet, der sollte auch schon weit genug im digitalen Zeitalter angekommen sein. Von daher empfinde ich das Fehlen einer DVD nicht als Nachteil, sondern eher als fortschrittlich weil Resourcen-schonend!

Auf dem Gerät sind vier Drehregler, 4 Fader, ein Endlos-Pushencoder mit Zweizeichen-Display und insgesamt 28 illuminierte Buttons angeordnet. Bei letzteren entfallen 16 auf die 4×4 Matrix und einer auf die integrierte Shift-Funktion, mit der sämtliche Bedienelemente ein zweites Mal belegt werden können. Im MIDI-Modus kann das Display die Werte 0 – 127 numerisch darstellen und die Buttons der 4×4 Matrix leuchten in einer von insgesamt 16 verschiedenen Farben bzw. auch in zwei unterschiedlichen, da sich sowohl für gedrückten als auch ungedrückten Zustand unterschiedliche Farben definieren lassen. Die übrigen Knöpfe sind orange bzw. weiß (SHIFT) oder blau (BROWSE) gehalten.
Bezüglich der Verarbeitung gliedert sich der Kontrol F1 nahtlos in die Reihe der anderen NI Controller ein: robust wirkendes Kunststoffgehäuse, gummierte & geriffelte Drehreglerkappen und Buttons mit spür- & hörbarem Druckpunkt. Alles in allem also gewohnte NI-typische Qualität, die sich in der Vergangenheit schon zigfach bewährte.

Kontrol F1 & Traktor 2.5
Dies ist ohne Zweifel die Königsdisziplin, da der F1 eigentlich genau dafür gemacht wurde – besser gesagt für das neue Feature genannt REMIX DECKS. Bisweilen ist es auch die einzig verfügbare Hardware, mit der sich die Remix Deck Funktionen uneingeschränkt nutzen lassen. Nicht zwingend, weil andere Gerätschaften dafür nicht geeignet wären, sondern schlicht und einfach deswegen, weil es nicht für alle Remix Deck Funktionen entsprechende MIDI-Kommandos gibt. So ist jedenfalls der aktuelle Stand der Dinge bei Traktor Version 2.5, wobei NI über kommende Updates diese Commands auch über MIDI zugänglich machen will. Wer sich auf diesen Moment jetzt schon freuen sollte, dem sei gesagt: viel Spaß beim Mappen, und vor allem viel viel Zeit! Wer sich mal ein wenig mit F1 & Remix Decks beschäftigt, erkennt sehr schnell, welch komplexer Zuweisungsapparat dahinter stecken muss. Das Wiedergeben der einzelnen Clip-Farben ist dabei wohl eher noch die einfachste Übung. Vielmehr sind unzählige “versteckte” Funktionen eingebunden, die man teilweise erst nach Lesen des Manuals entdeckt und versteht.
Pro F1 lässt sich jeweils ein Remix Deck zeitgleich bedienen. Es besteht aber die Möglichkeit, durch die auf Remix Deck gestellten Decks von Traktor zu switchen, weshalb man nicht zwingend mehrere F1 benötigt, um mehrere Remix Decks nutzen zu können. Das Mapping geschieht Plug&Play, wie man es eben von Soft- & Hardware aus gleichem Hause erwarten kann. Anhand der Beschriftung und vor allem der LEDs bildet der Controller sehr gut den aktuellen Status verschiedenster Settings ab, und nach ein wenig Try&Error findet man sich ganz gut zurecht, auch ohne dauernd auf den Monitor blicken zu müssen.
Das Thema Remix Decks bzw. Traktor 2.5 werden wir aber noch mal gesondert behandeln, da es wirklich sehr komplex ist und auch bei mir noch ein wenig Einarbeitung bedarf, um darüber referieren zu können.

Kontrol F1 & beliebige MIDI-fähige Software
Da der TKF1 wie schon erwähnt auch MIDI-Daten sendet (und empfängt), lässt er sich natürlich auch mit jeder beliebigen anderen Software einsetzen. Hier kann vor allem der Controller Editor punkten, mit dem sich so gut wie alle MIDI-Parameter anpassen und als eigene Templates abspeichern & verwalten lassen. Somit steht einer “Zweckentfremdung” nichts im Weg. Dass die großen Buttons der 4×4 Matrix nicht anschlagdynamisch reagieren, wurde bereits im Vorfeld von mehreren Seiten kritisiert. Hier muss man aber auch die andere Seite der Münze betrachten: nämlich die des Herstellers. Und dieser hat den F1 in erster Linie zum Steuern der Remix Decks konzipiert, und dort ist Anschlagdynamik nicht erforderlich. Jede weitere Nutzung (eben mit anderen Tools) ist wie gesagt “Zweckentfremdung” – und nur weil es geht, muss es ja nicht gleich in vollstem Funktionsumfang gehen. Zum Antriggern von Cuepunkten oder Starten von Clips beispielsweise ist Velocity nicht erforderlich, und wer “drummen” will, der muss eben zu einem Drumpad greifen.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der F1 auch außerhalb von Traktor eine gute Figur macht und es dem Anwender obliegt, wo & wie er ihn einsetzt. Allerdings würde ich dabei wohl eher auf einen Xone:K2 zurückgreifen, da dieser bei (fast) gleichem Preis zwar keine Remix Decks steuern kann (zumindest NOCH nicht), dafür mit anderer Software durch eine Mehrzahl von Bedienelementen & den diversen Layer-Modi effektiver erscheint.

tkf1_4aFazit
Die Verarbeitung der Hardware weiß zu überzeugen, der Lieferumfang ist ausreichend und der Preis ist – bezogen auf den Hauptverwendungszweck – angemessen. NI preist den Traktor Kontrol F1 als Addon-Controller für Traktor zur vollwertigen Steuerung der Remix Decks an, und genau DAS tut er! Bisweilen auch als einziger Controller weit und breit. Von daher ist er aktuell ziemlich konkurrenzlos und wer mit den Traktordecks remixen möchte, dem bleibt so gesehen nichts anderes übrig, als sich den F1 zuzulegen. Wer ihn dagegen vorwiegend mit anderen Tools nutzen möchte, findet ausreichend Alternativen wie z.B. den bereits erwähnten Xone:K2.
Das Remix Deck Feature ist jedenfalls eine kreative Bereicherung mit massig Potential, und der F1 das ideale Werzeug dafür. NI hat diese Kombination sehr gut, sehr logisch und sehr ergonomisch durchdacht, der Workflow erschließt sich schon nach kurzer Einarbeitung. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht, denn auf dem Karton ist folgender Hinweis zu lesen:
“MASCHINE-Mixdowns direkt mit dem TRAKTOR KONTROL F1 remixen** (**Dieses Feature ist demnächst verfügbar)”.
Interessant… Ob wir damals (02.08.2011) vielleicht doch schon recht hatten:
“…bekräftigt es ein wenig unsere Vermutung, dass Maschine sich mittel- bis langfristig zur zentralen Host-Plattform aller verfügbaren NI-Produkte entwickelt. Sollten wir damit richtig liegen, so wird dann auch Traktor irgendwann in Maschine integriert werden können, das Audio-Routing findet virtuell statt und man kann jedes Traktor-Deck mit Tracks, Samples oder Maschine-Pattern belegen, VST-Effekte über den Maschine-Host nutzen, Live-Instrumente einbinden, alles über eine gemeinsame Clock synchen und und und… Wie gesagt, nur eine Vermutung! Aber die Zeichen deuten stark in diese Richtung.” ?! 😉

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