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NI TRAKTOR 2.5 REMIX DECKS – im Test

Das aktuell wohl meistdiskutierte Feature im Digitalkosmos ist die REMIX DECK Funktion in der neuesten Traktor Version 2.5, die mit dem Kontrol F1 sogar ihren eigenen, exklusiven Controller besitzt. Hier ist unser Review dazu.

Vor wenigen Tagen ging bereits unser Hardware-Test vom Traktor Kontrol F1 online, in dem wir schon angekündigt haben, dass die Reviews von Controller & Software gesplittet werden. So konnte ich mir nämlich noch ein wenig Zeit beschaffen, mich mit dem (mitunter sehr komplexen) Thema REMIX DECKS zu befassen. Los geht’s!

Philosophie
Hinter REMIX DECKS verbirgt sich ein Feature, um ein Deck in vier Spuren (Slots) aufzuteilen, die pro “Seite” (Page) jeweils 4 Samplezellen enthalten, was in der Summe 4 Spuren x 4 Zellen x 4 Pages, also 64 Samples macht. Das Ganze nennt sich dann REMIX SET und kann on-the-fly erstellt oder bereits fertig präpariert geladen werden und reagiert auf sämtliche Transportfunktionen genauso wie ein “normales” Track Deck. D.h., ein Remix Deck lässt sich Spielen/Pausieren, CUE oder CUP ansteuern, loopen oder auch scratchen und läuft – wenn gewünscht – autosynchron zur vorgegebenen Masterquelle.

Umsetzung
Nun, mit den bereits von Version 2.1.1 bekannten Sample Decks hat NI quasi schon angekündigt, wo die Reise hingeht. Die Remix Decks sind so gesehen das 4 x 4-fache der Sample Decks mit einigen neuen Einstellungsmöglichkeiten… Ach, was sag ich: mit einigen VIELEN (neuen) Möglichkeiten.

Jedem Slot können folgende Parameter individuell zuteil werden: Effektzuweisung, Keycorrection, Vorhören, Punch-Mode, Bipolarer Filter, Slotlautstärke & Sample-Mute. Beim Punchmodus wird der Fortschritt des aktuell spielenden Samples übernommen, wenn man dieses wechselt. Ist dieser deaktiviert, spielt das neue Sample hingegen immer von Beginn an. Der Rest der Funktionen sollte von den Begrifflichkeiten her eigentlich bekannt sein, daher können wir uns die Erklärungen hierzu wohl sparen.
Dem übergeordnet sind jedoch die Deckfunktionen. Heißt, um einen Slot vorhören zu können, muss nicht nur dieser, sondern auch die Deck-Vorhörfunktion aktiviert sein. Ist dem Deck keine Effekteinheit zugewiesen, so wird auch nix effektiert – obwohl im Slot der FX-Button aktiviert ist. Ich denke, durch diese beiden Beispiele ist die Intention dahinter klar zu erkennen.

Auch die einzelnen Samplezellen können teils sehr unterschiedliche Präferenzen einnehmen. Am auffälligsten sind sicherlich die unterschiedlichen Farben, mit denen sich eine Zelle darstellen lässt – was vor allem in Verwendung eines Kontrol F1 deutlich wird. Nicht sofort sichtbar sind folgende Optionen: Tonhöhenkorrektur (Key Pitch), Gainwert, BPM, Startpunkt (Offset), Sync, Typ (Oneshot oder Loop), Rückwärtslauf und Triggertyp (Gate oder Latch, also quasi Hold bzw. Toggle Play des Samples). Ach ja, neben der Farbe kann jedes Sample natürlich auch noch mit einem eigenen Namen versehen werden.
All diese Settings können im Rahmen des gesamten Remix Sets gespeichert werden, und zwar nondestruktiv gegenüber dem Quellmaterial. D.h., ein Sample kann in unterschiedlichen Remix Sets oder mehreren Zellen im gleichen Set verschiedene Namen, Farben & Zustände haben, also ob es ein Oneshot oder Loop sein, synchron zum Mastertempo oder gar rückwärts laufen soll. Als Audiomaterial wird bei den Samplezellen alles akzeptiert, was Traktor auch in den Track Decks verarbeiten kann, sogar unabhängig von der Größe bzw. Länge. Wie auch schon von der Sample Deck Option gewohnt lassen sich die Zellen mit live ge”capture”tem Stoff füllen. Hierfür kann ein entsprechendes Track Deck oder aber der Loop Recorder sowie die Länge ausgewählt werden und schon wartet das gewünschte Sample abspielbereit auf seinen Einsatz.

Im Modus Remix Deck bleiben alle typischen Deck-Funktionen erhalten. Wie schon erwähnt, lässt sich das Deck abspielen & pausieren, in seiner Geschwindigkeit einstellen (pitchen) oder auch scratchen, wahlweise per Timecode oder Jogwheel am Controller. Die Deck-Loopfunktion ist ebenfalls weiter vorhanden, ebenso wie die Möglichkeit, das gesamte Deck synchron zu einer Mastertempo-Quelle laufen zu lassen oder das Remix Deck selbst als Master zu definieren. Exklusiv für das Remix Deck gibt es die Quantize Option, mit der sich für das Deck eine Quantisierung aktivieren und deren Taktlänge einstellen lässt, auf diese die einzelnen Samples beim Antriggern reagieren.
Über das integrierte Mixermodul von Traktor können Gainwert, bipolarer Filter, Panning oder FX-Unit-Zuweisung sowohl im internen als auch im externen Mixermodus auch bei den Remix Decks verwendet werden. Dies gilt dann “global” für alle 4 Samplespuren gleichzeitig und man bearbeitet somit das Deck-Summensignal.

Handling

Jedes Remix Deck für sich arbeitet autark und kann auf unterschiedliche Weise bestückt werden. Entweder man platziert einzelne Samples der Reihenfolge nach in die Zellen, oder man lädt ein komplettes Remix Set auf einmal. Dritte Möglichkeit ist das schon erwähnte “Capturing” von anderen Decks. Alle oben genannten Optionen, egal ob für Zelle, Spur oder gesamtes Deck können on-the-fly geändert und auf Wunsch als (neues) Remix Set abgespeichert werden. Will man nun ein solches Set auf einen anderen Rechner kopieren, lässt es sich komplett (d.h. inkl. dem Audio-Quellmaterial) exportieren. Umgedreht bedeutet dies, dass sich auf diese Weise auch “fremde” Sets importieren lassen, wie z.B. die Demo Content Library, die NI zum Release von Traktor 2.5 zum Download bereit gestellt hat. Solche Dateien (.TRAK) werden uns in Zukunft wohl verstärkt begegnen, vermutlich nicht nur von NI selbst. Neben dem kompletten Track könnte man so auch die einzelnen Samples erwerben und den Track quasi live remixen anstelle ihn einfach nur abzuspielen.

Fazit
Das Ganze klingt kompliziert und ist in der Praxis auch wirklich nicht Ohne, wie der Volksmund sagt. Man sollte sich vorab auf jeden Fall mit den Features und vor allem mit den kreativen Möglichkeiten ein wenig auseinandersetzen, damit Remix Decks zur wertvollen Bereicherung beitragen und kein schwer verdauliches Sound-Gulasch erzeugen. Natürlich lassen sie sich genauso als simpler Sampleplayer gebrauchen, um hauptsächlich Oneshots abzuspielen. Hierfür bräuchte es dann eigentlich noch nicht mal einen F1, denn die Basisfunktionen der Remix Decks können auch auf jeden anderen, beliebigen Controller oder die Tastatur gemapped werden.  Dennoch macht es mit einem Kontrol F1 eigentlich erst so richtig Spass, da Hardware und Software einfach absolut perfekt aufeinander abgestimmt sind, die ganzen Funktionen sich damit sehr ergonomisch und intuitiv bedienen lassen und die visuellen Rückemldungen am F1 den Bildschirmblick oftmals obsolet machen. Offiziell ist dies auch der bisher einzige Controller, der eine vollständige Steuerung des neuen Features zulässt, wenngleich wenige Tage nach Veröffentlichung von Traktor 2.5 diverse Anlaufstellen im Internet erfolgreiche Workarounds bzw. Hacks für andere Controller vermeldeten. Wie gesagt, offiziell geht es bisher nur mit dem Traktor Kontrol F1 (und dies Plug&Play), da nicht für alle Remix Deck Funktionen entsprechende MIDI-Befehle verfügbar sind.
NI ist mit Remix Decks jedenfalls genau das gelungen, was im Vorfeld von Serato & Ableton versucht wurde. Nämlich das nahtlose Verschmelzen von DJ-Action mit Live-Remixing bzw. samplebasiertem Performen, quasi eine Mischung aus DJ-Set und Liveact. Obwohl man in Traktor nur fertiges und kein live generiertes Audiomaterial abspielen und (bisher noch) keine externen Effektplugins einsetzen kann – was wohl die beiden einzigen Mankos gegenüber The Bridge darstellt -, schafft die lückenlose Integration der Remix Decks samt vollständiger Steuermöglichkeiten aller erdenklichen Transportfunktionen genau das, was man sich von der Scratch Live & Ableton Live Kombination damals erhofft hat. Gespickt mit ein paar weiteren interessanten Features und einem durchaus intuitiven Workflow macht Traktor 2.5 samt Remix Decks einfach nur Spass, egal was und wieviel man davon nutzt. Allerdings sollte die eingesetzte Rechnerleistung entsprechend dimensioniert sein! Mein bisher genutzter Sony Vaio mit 2x2GHz Intel Pentium Dualcore, der unter 2.0.3 noch ohne Probleme 4 Decks samt Loops, Keycorrection & 4 aktive FX-Units störungsfrei verarbeitet hat, schafft unter 2.5 keine zwei Decks ohne Soundaussetzer. Allerdings tritt dieser Umstand schon seit Version 2.1.1 auf meinem Rechner auf und liegt wohl hauptsächlich an der neu implementierten Multicore-Unterstützung und dem damit verbundenen geänderten Ansprechen von CPU-Befehlssätzen, welche beim Pentium nicht mehr vorhanden zu sein scheinen. Die Gegenprobe auf einem Core 2 Duo Rechner (was NI übrigens als Systemvoraussetzung angibt) verlief dabei schon wesentlich flüssiger und absolut praxistauglich.
Sicherlich gibt es hier und da Anlass zur (leisen) Kritik, aber man muss sich ja stets ein wenig Luft nach oben lassen. Einfallen würde mir spontan zwei Punkte: das slotweise (De-)Aktivieren der Quantisierung, um innerhalb eines Remix Sets Oneshots freier spielen zu können und direktes (d.h. nicht über den Umweg Loop Recorder) Aufnehmen und ggf. Overdubben von Livematerial. Letztgenanntes würde aus dem Remix Deck dann eine Art Loopstation machen, womit sich so einiges anstellen ließe und gerade die Kombination DJ & Livemusiker (oder Beatboxer etc.) davon profitieren würde. Aber wie gesagt: eine Version 2.5.0 ist ja schließlich auch die Basis für eine Version 2.5.1 oder höher.

 

Auf der offiziellen Produktseite gibt es übrigens einige Tutorial- & Performance-Videos zu REMIX DECKS, sowie Traktor Pro 2 als Demoversion zum Download.

Von uns vorgestelltes DJ Equipment könnt Ihr hier günstig kaufen!

 

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