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Test: Behringer NOX202 2-Kanal Mixer – Kann ein Einsteiger-Mixer den Scratch-Nerd-Härtetest bestehen?Review: Behringer NOX202 2-channel mixer – scratch-nerd-approved?

Kann ein Einsteiger-Mixer den Scratch-Nerd-Härtetest bestehen?

Features laut Hersteller:

  • Kontaktfreier 45-mm VCA Crossfader mit einstellbarer Spannung und Überblendcharakteristik für lange Nutzungsdauer
  • Beat-synchronisierbare Effektsektion mit 2 Parameter-Reglern, zuweisbar auf Mic, 1, 2 oder Master
  • Integriertes USB-Audiointerface für Aufnahme und Wiedergabe von digitalen Musikdateien. Für PC oder Mac – Kein Setup oder Treiber erforderlich
  • Beeindruckender 3-Band EQ mit Full Kill-Filtern und 6-stelliger Lautstärkeanzeige mit Peak-Hold Funktion pro Kanal
  • Erstklassige Phono- und XENYX Mikrofonvorverstärker für eine hervorragende Auflösung und den  ultimativen Punch
  • 2 Line-Eingänge mit USB-Eingang, 2 Phono/Line plus 1 Mikrofoneingang
  • VCA-gesteuerte Fader für höchste Zuverlässigkeit und rauschfreie Performance
  • Durchdachte Kopfhörer, Monitoring -und Vorhörsektion
  • Umfangreiche Master und Record Outputs
  • Integriertes “Planet Earth” Netzteil für maximale Flexibilität (100 – 240 V~), keinerlei  Einstreuungen, exzellentes Impulsverhalten und extrem niedriger Energieverbrauch
  • Hochwertige Bauteile und eine extrem robuste Konstruktion garantieren eine lange Lebensdauer
Behringer NOX202 Mixer

Behringer NOX202 Mixer

Ausgepackt

Der Nox 202 ist sehr kompakt gehalten und auch etwas niedriger als ein Technics-Plattenspieler. Es handelt sich dabei aber nur um wenige Millimeter, was ansich nicht weiter stört. Mit im Karton finden sich noch ein Kaltgerätestecker und ein USB-Kabel.

Zu guter Letzt liegt noch eine Schnellstartanleitung bei, die den Schnellstart leider etwas erschwert. Diese kann zwar mit 10 Sprachen punkten, ist aber nicht nach diesen gegliedert. So finden sich zwischen den deutschen Abschnitten immer mehrere Seiten Abstand und man muss anfangs ein wenig suchen. Besonders auf den mehrsprachigen Seiten sieht man schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die Schnellstart-Anleitung erfüllt ihren Zweck letztendlich, ein ausführlicheres, einsprachiges Handbuch zum Download auf der Herstellerseite wäre aber wünschenswert. Denn einige weiterführende Features des Mixers bleiben leider ohne Erklärung und sind nur durch Ausprobieren zu verstehen (Funktionsweise des USB-Interface, dB Werte der LED-Kette, Funktionsweise des Record-Out, Einstellung des CF-Widerstands).

Erster Eindruck

Mit der Nox-Reihe hat Behringer seinen DJ-Mixern eine Rundum-Erneuerung verpasst, die sich auch optisch sehen lassen kann. Das Design ist aufgeräumt und übersichtlich, die meisten Features erklären sich direkt von selbst. Je nach Funktionsweise haben auch die Potis andere Kappen. Um die Kanäle gibt es noch ein paar leichte optische Akzente und die FX-Sektion setzt sich ebenfalls optisch nochmals ab. Dank des internen Netzteils gibt sich der Nox mit jedem normalen Kaltgerätestecker zufrieden. An Eingangsmöglichketen bietet der Nox 202 2 Kanäle mit jeweils 2 Line-Eingängen (Chinch). Pro Kanal lässt sich einer davon auf „Phono“ umschalten, Erdungsschrauben sind selbstverständlich auch dabei. Sound gibt der Mixer dann entweder über symmetrische 6,3mm Klinke oder über Chinch aus, die Ausgänge lassen sich leider nicht unabhängig regeln. Außerdem finden sich noch der USB-Anschluß, sowie ein Record-Out mit konstanter Lautstärke. Auf der Vorderseite befinden sich dann noch 6,3mm Klinkenanschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon, letzterer ist zusätzlich symmetrisch.

Behringer NOX202 Anschlüsse

Behringer NOX202 Anschlüsse

In Benutzung

Der kleine Nox 202 unterscheidet sich in den Grundfunktionen nicht großartig von anderen 2-Kanälern. Jeder Kanal bietet Gainregler und einen 3-Band Kill-EQ der bis zu 6dB verstärkt. Die Anordnung der Potis ist hierbei horizontal, ähnlich den Mixern der Ecler HAK-Reihe. Per Kippschalter lässt sich einstellen welche Audioquelle der jeweilige Kanal empfängt. Zusätzlich bietet jeder Kanal noch 3 Killbuttons die sehr gut reagieren und bei Aktivierung sichtbar aufleuchten. Der Mic-Channel lässt sich in der Lautstärke sowie in den Höhen und Bässen regeln und per Knopfdruck muten. Behringer hat hier jedoch den Gain Poti unter den EQs angebracht, statt wie sonst üblich darüber. Auch wenn sich der Gainpoti farblich abhebt, kann es so durchaus mal passieren, dass man aus Gewohnheit den EQ-Poti für die Höhen greift. Die Potis ansich sind allesamt gummiert und laufen sauber. Bei den 3 Gain-Potis und dem EQ des Mic-Channel wurden kleinere Kappen verwendet, die einerseits Platz für benachbarte Regleraktionen schaffen, andererseits dadurch nicht ganz so griffig wie die EQ-Kappen sind.

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Zur Darstellung des Pegels finden sich drei sechsstellige LED-Ketten die eine grobe Einschätzung des Signals ermöglichen, nicht mehr, nicht weniger. Obwohl mit einem Peak-Hold geworben wird, fällt der Pegel bei Verringerung des Signals direkt wieder ab. Die äußeren Beiden geben den Pegel der Kanäle wieder, die Mittlere zeigt je nach Einstellung des Cue-Mode-Schalters das entsprechende Signal. Dies zwar unabhängig vom Cue-Volume Regler, aber unter Berücksichtigung des Cross- und Monitorfaders. Behringer hat erstaunlich viele Features im kompakten Gehäuse des Nox 202 untergebracht und sich sehr bemüht, die Reglerabstände trotzdem angenehm zu halten. Nutzern die viel Freiraum gewohnt sind, sei an dieser Stelle empfohlen das Gerät nach Möglichkeit anzutesten.

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Der Klang des Mixers ist der Preisklasse entsprechend. Ungeachtet der Werbeversprechen („Awesome 3-Band EQ“, „Premium Xenyx-Preamps for superior detail and ultimate punch“) empfinde ich den Sound als leicht höhenlastig und es fehlt ein wenig Wärme. Für den Heimgebrauch und auch kleinere Partys hat er aber auf jeden Fall genug Power. Wer die Meter nicht konstant im oberen roten Bereich hält, braucht sich auch um Übersteuerungen keine Sorgen machen. Im Test auffällig, aber im Alltag sehr wahrscheinlich kein Problem, war das „Channel-Leaking“ des Nox 202. Bei Benutzung einer Phonoquelle lässt sich schon bei 50% Gain und 50% Master Volume (Nichts im roten Bereich) das Signal des parallelen Line-Kanals leicht durchhören.

FX-Unit

Die zentral platzierte Effekteinheit bietet 12 DSP-Effekte, die mit einer Auflösung von 24bit berechnet werden. Zuweisen lässt sie sich entweder einem der beiden Kanäle, dem Mic-Channel oder dem Master Out. Im letzteren Fall ist die Zuweisung Post-Fader, bei den Kanälen leider nur Pre-Fader. Scratching mit Delay ist also nicht möglich. Effekte und Signalquelle wählt man mit 2 gerasterten Drehreglern aus die man zum Bestätigen nochmals drücken muss. Aus Versehen verstellt man da also so leicht nichts. Der Frequency-Regler reguliert den Effekt und der Intensity-Fader steuert das Verhältnis zwischen Effekt- und Originalsignal. Über den großen TAP Button kann man bei den Tempoabhängigen Effekten die BPM eintappen und bekommt automatisch optisches Feedback. Insgesamt klingt die Effekteinheit für diese Preisklasse ordentlich, bietet die gängigsten DJ-Effekte und macht dank der einfachen Bedienung jede Menge Spaß.

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Monitorsektion

Die Monitorsektion bietet alles was das Herz begehrt. Man kann entweder die einzelnen Kanäle mit Hilfe des Mini-Crossfaders vorhören, oder den Master-Out. Besonders Erwähnenswert ist außerdem der FX-Cue, der es ermöglicht die Effekteinheit vorzuhören. Dies ist jedoch nur möglich, solange die Effekteinheit nicht bereits aktiviert ist.

Fader

Wir erinnern uns kurz an das alte Skratchworx-Mantra: “Ein Battlemixer ist nur so gut wie seine Fader!“.

Der Preisklasse entsprechend finden sich bei den Channels festverbaute Kohlebahnfader wieder. Eindruck schindet der Nox 202 aber beim Crossfader. Behringer wirbt mit einem optischen Fader der Marke Infinium (Rodec Skratchbox, Mackie D.2/D.4) was die Erwartungen schon mal ziemlich hochschraubt. Der Crossfader ist sehr leichtgängig und dank eines Lochs in der Gehäuseplatte lässt sich der Widerstand verstellen. Dazu bewegt man den Fader ganz nach links und zieht die Kappe ab. Zum Vorschein kommt eine Schraube, die an der Unterseite einen kleinen Magneten hat. Je näher dieser der Faderbahn kommt, desto schwerer lässt sich der Fader bewegen und umgekehrt. Weiterhin bietet der Nox 202 einen Reverse-Schalter sowie eine (leider etwas fummelige) Kurveneinstellung. Die Cutin des Infinium-Faders ist von Haus aus ordentlich und beträgt ca. 1mm. (Cutin, oder auch Dead-Zone, nennt man den Bereich am Faderrand in dem noch keine Signalübertragung stattfindet.)

Für mich ist ein Fader aber nicht nur von außen interessant, sondern auch von innen, also wurde der Nox 202 kurzerhand aufgeschraubt.

ACHTUNG! Das Öffnen des Mixers sowie alle hier beschriebenen Modifikationen geschehen auf eigene Gefahr, für Schäden oder Garantieverlust seid ihr selbst verantwortlich!!!

Nachdem man die äußeren 8 Schrauben der Gehäuseplatte gelöst hat, kann man den Mixer vorsichtig aufheben, 2 weitere Schrauben lösen den Crossfader. Der Infinium-Fader hat an der Unterseite des Schlittens eine durchsichtige Plastikplatte mit Markierungen (es sind insgesamt 128 Abstufungen) die optisch ausgelesen werden. Die Faderbahnen liegen direkt frei. Wer also weiß was er tut, kann den Fader problemlos reinigen und warten. Um dem Crossfader die maximale Leichtgängigkeit zu verleihen, lässt sich nun auch die Magnetschraube komplett entnehmen.

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Weiterhin finden sich am Fadergestell 2 Schrauben, die auf den ersten Blick keinerlei Funktion erfüllen. Wenn man diese Schrauben jedoch reindreht kommen sie auf der Innenseite des Gestells raus und vergrößern den Abstand des Faderschlittens zum Rand. Der Infinium-Fader bietet somit sogar eine (inoffizielle) Möglichkeit die Cutin einzustellen! So weit, so gut. Doch leider bot der Fader nicht nur Grund zur Freude.

Zuallererst bietet der Crossfaderbereich durchaus Gelegenheit irgendwo mit den Fingern hängenzubleiben. Das wird einerseits durch die relativ scharfen Kanten des Faderschlitzes und des Gehäuses möglich, außerdem durch den geringen Abstand zum unteren Gehäuserand. DJs, die sich generell mit ihrer Faderhand beim Scratchen nah am Faceplate befinden, sollten die Schrauben im Crossfaderbereich und die Öffnung für den CF-Widerstand im Auge behalten. Vorsicht sollte man ebenfalls bei der Magnetschraube walten lassen. Hat man diese einmal locker gedreht, dreht sie sich durch die Bewegungen des Faders von selbst weiter hoch und schleift irgendwann von innen am Gehäuse.

Eine weitere Auffälligkeit des Crossfaders war der sehr weiche Klang der Cuts. Trotz theoretisch idealer Einstellung, scheint der Fader beim Anschlag nicht direkt 100% zu liefern. Turntablists, die mit ihrer Technik an einen scharfen Crossfader gewohnt sind sollten, wie bei jedem Mixerkauf, erst austesten, ob das Faderverhalten den eigenen Vorlieben entspricht.

USB-Interface

Das USB-Interface hat 2 Ein- und Ausgänge und löst mit 16Bit und bis zu 48KHz auf. Unter Windows 8 war kein Treiber nötig, für den Niedriglatenzeinsatz funktionierte Asio4All.

Der USB-Eingang lässt sich dem 1. Kanal zuordnen und somit ist es möglich Audio vom PC ohne zusätzliches Interface an den Mixer zu übertragen. Scratching-Begeisterte können so z.B. Beats zum Üben direkt über den Mixer einspielen. Leider ist das PC-Signal fest an den ersten Kanal gebunden. Wer also normalerweise auf dem linken Kanal scratcht, muss dann den Plattenspieler an Kanal 2 anschließen und den Crossfader umkehren. Über den USB-Ausgang lässt sich das Rec-Out-Signal Aufnehmen. Mixtapes und Freestyle-Scratches steht also nichts im Wege. Ein DVS-Einsatz ist mit der Soundkarte nicht möglich, das wäre in Anbetracht der Preisklasse aber auch wahrlich zuviel verlangt. Als besonderes Schmankerl erhalten alle, die Ihr Gerät bei Behringer registrieren, eine kostenlose Lizenz für die neue Sequencer-Software Tracktion 4 (Wert 60$) die unter Windows, Mac und neuerdings auch Linux läuft. Mehr Infos, sowie ausführliche Tutorials finden sich auf der offiziellen Homepage:

http://www.behringer.com/EN/tracktion/index.aspx

http://www.tracktion.com/

Fazit

Einsteiger, an die der Mixer auch primär gerichtet ist, finden im Nox 202 ein ordentliches Rundumpaket, das viel Raum zum Experimentieren bietet. Dass so viele Features für kleines Geld auch mit einigen wenigen Kompromissen einher gehen, ist nur logisch und sollte nicht als Ausschlusskriterium gesehen werden. Der Infinium-Crossfader bietet viele Einstellmöglichkeiten und ist technisch zu einer sehr langen Lebensdauer fähig.  Wer lieber mixt profitiert von der Effektsektion und dem Kill-EQ. Das USB-Interface zur einfachen Aufnahme eigener Mixe ist ein klasse Feature und wird durch die kostenlose Tracktion 4 Lizenz abgerundet. Erfahreneren Turntablists, die den Nox als Backup- oder Sessionmixer ins Auge fassen, können ebenfalls durchaus ihre Freude an dem Gerät haben, sofern das Crossfaderverhalten den eigenen Geschmack trifft.

Pro/Contra

+ symmetrischer Master-Out

+ Kill-EQ

+ Einfache und gut funktionierende Effekteinheit

+ Sinnvoller FX-Cue

+ Langlebiger Infinium-Crossfader mit vielen Einstellmöglichkeiten

+ Plug&Play Aufnahme über das USB-Interface

+ Kostenlose Tracktion 4 Lizenz

0 Channel-Leaking (Auffällig, aber in der Realität kein Problem)

0 Crossfaderverhalten ist Geschmackssache

– Unzureichende Dokumentation

– Relativ scharfe Gehäusekanten

– Ausgänge nicht getrennt regelbar

– USB-In fest an Kanal 1 gekoppelt

Durch die Preiserhöhung auf 179€ ist mittlerweile der Abstand zur Konkurrenz geschrumpft, sodass sich z.B. im DJ-Tech DIF-1S (169€) oder dem Pioneer DJM-250 (199€) interessante Alternativen finden.

Preis: 149-179 Euro

Zur Herstellerseite

Hier geht es zum Test von AMAZONA.DE

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