Vergleich MPX8 und LD8

AKAI MPX8 – Sample Player

Was ist das? Ein LPD8 mit Soundkarte? Nicht ganz. Von der Form kommt es dem nahe, in der Funktion geht es weiter.Vergessen wir das Stichwort Soundkarte aber gleich mal wieder, das war nur ein Denkimpuls beim ersten Anblick des MPX8. Zwar kann dieser Töne ausgeben, er lässt sich aber nicht in einer Software als Audio-Interface auswählen. Doch der Reihe nach.

Beim AKAI MPX8 handelt es sich um einen mobilen Sample Player mit acht Pads, der auf “Knopfdruck” Sounds vom internen Speicher oder einer SD-Card abspielt.  Im Prinzip das, wonach immer mal wieder DJs fragen, die ihr Set preiswert und computerfrei mit irgendwelchen Sirenen, Shouts, oder sonstigen Klangschnipseln bereichern wollen.  Die bisherigen Lösungen datierten aus früheren Jahren (z.B. Yamaha SU10 / Akai S20) und haben für die heutigen Ansprüche zu wenig Speicherkapazitäten, sind auf dem deutschen Gebrauchtmarkt selten (Boss Dr. Sample) oder mit Features (ü)be(r)laden (z.B. Roland SP555), das sich das letztlich im Preis und dem Sprichwort von Kanonen und Spatzen  widerspiegelt. Der MPX8 liegt zwischen alldem: ausreichend Features, ausreichend Speicher und moderne Bearbeitungsmöglichkeit per Editorsoftware. Das alles neu, für unter 100 Euro.
Vergleich MPX8 und LD8
Wie angesprochen liegen die Dimensionen des Gerätes, mit kompakten 30x10x3cm, etwas über denen eines LPD8 oder Korg Nano.  Wie diese sendet auch der MPX8  MIDI-Daten per USB an einen Rechner oder – Achtung Vintage Freunde! – per klassischen MIDI-Buchsen (was mittels beiliegender Adapter realisiert wird) an andere Geräte. Hauptsächlich aber soll der MPX8  Samples wiedergeben. Zu diesem Zweck verfügt er auch über einen Mainoutput als Klinkenpaar. Das gleiche Signal liegt zudem noch an einem Miniklinkeausgang an. Die Spannungsversorgung erfolgt über ein (USB)Netzteil.

Die acht Pads sind anschlagdynamisch (im MIDI-Gebrauch zudem drucksensitiv) und jeweils 2,5×2,5cm groß.  Der momentane Zustand wird über drei verschiedene Farben visualisiert (orange = “Sample geladen”, grün = Sample spielt, rot = Sample wird bearbeitet). Die Parameter (Name, Tune, Kit etc) werden in einem gut lesbaren Display dargestellt. Ein kleines Data-Wheel und vier Buttons ergänzen das schlicht gehaltene Layout und ermöglichen Steuerung und Anwahl der Parameter. Vorteilhaft – und damit ein Kritikpunkt vorab – wäre eine Pushmöglichkeit am Wheel, um die Auswahl zu bestätigen. So, wie es jetzt ist, werden schon beim scrollen Daten geladen, was durchaus unvorteilhaft sein kann.

Ab Werk kommt der MPX8 mit acht Kits im internen Speicher, hauptsächlich Drumsounds, aber auch einige Bass-Samples oder Effekte. Einzelne Samples (bzw. Pad-Reaktionen) können direkt über die Hardware angepasst werden (Tuning, Reverb, Trigger als Hold, Loop oder One Shot, Level, Panorama, MIDI-Note). Mitunter macht sich die beschränkte Abstufung von neun bzw. zehn Schritten bemerkbar. So sind z.B. bei Tune, von Null ausgehend, nur +4 und -4 Stufen möglich, womit sich die Originaltonhöhe  lediglich um vier Halbtöne ändern lässt.  Positiv gedacht: Mehr wäre mehr, aber auch das wenige ist schon mehr, als wenn es gar nicht möglich wär. Schließlich gibt es ja auch nur acht Pads zur (bis zu achtstimmigen) Wiedergabe.

Interessant wird es bei den eigenen Samples. Diese müssen in 16bit Stereo WAV (das Manual geht noch von der ersten Firmware und Mono aus) vorliegen. Medium für den Sampletransfer ist eine SD-Card. Auf dieser können maximal 512 Dateien gespeichert werden.  Bis hierhin ist die Größe der Samples bzw. Kits noch einerlei. Den MPX8 Pads können dann aber gleichzeitig nur maximal Samples von bis zu 30 MB zugewiesen werden.  Zudem ist zu beachten, dass die Samplegröße beim Laden in den MPX8 aufgerundet wird(also ein 2,1MB Sample von der Karte wird zum 3MB Sample).  Das bedeutet schlicht: wer plant ganze Songs oder längere Loops von der MPX8 abzufeuern, wird früh an Grenzen stoßen.

Hilfe bei der Vorbereitung von Sounds und Kits leistet ein für Mac und PC bereitgestellter Editor. Intuitiv hätte ich mir ein Drag`n Drop der Samples direkt auf die, im Slot der MPX8 befindlichen, und via USB mit dem Rechner verbundenen SD-Card gewünscht, was aber (bei mir) nicht funktioniert. Erst wenn die Karte im Reader meines Rechners steckt, wird sie als Datenträger erkannt und kann im Editor ausgewählt werden. Für diesen Vorgang stehen dann – warum immer – zwei Möglichkeiten (drag SD card here / select SD) zur Verfügung. Ein Drag`n Drop der Samples, direkt auf die grafisch dargestellten Pads ist aber weiterhin nicht möglich. Dabei wäre das sehr praktisch – noch praktischer wäre es, wenn dabei jegliches Ausgangsformat gleich ins benötige Format gewandelt würde. Vielleicht kommt das noch. Bisher bleibt nur der Weg die Samples, ganz nullachtfünfzehn, aus dem Quellordner auf die Karte zu kopieren.  Aber selbst dann finde ich keine Lösung die Samples von der Karte über den Editor den Pads zuzuordnen. Sollte das wirklich nur über direkt am MPX8 gehen und mit dem Softwaretool lassen sich nur Kits und Parameter editieren?  Denn diese lassen sich am Editor laden, bearbeiten und speichern. Fazit dazu: das Hilfsmittel Editor bleibt vorerst weit hinter meinen (zu großen?) Erwartungen zurück.

Vielleicht muss ich auch versuchen abstrakter zu denken. Das könnte ich gleich im nächsten Schritt nutzen, in dem ich die Karte mit den Samples wieder in den MPX8 stecke und dort als Location ebendiese anwähle. Dann verkündet das Display nämlich “WAV: <Empty>, was wohl englisch ist und soviel wie “ohne Inhalt” bedeutet. Fragezeichen, Verwirrung und Erstaunen, bis ich mal auf die Idee komme am Data-Rad zu drehen und siehe da, jetzt wird das nächstliegende Sample angezeigt. Vielleicht hab ich auch nur zuwenig Erfahrung im Umgang mit Zeilendisplays.

Zurück zur Hardware. In der Praxis spielen sich die Pads sehr gut und die Grundfunktionen des kompakten Gerätes sind einfach zu erfassen. Die Einbindung einer SD-Card ist zeitgemäß, aber – wie festgestellt – noch ausbaufähig. Das betrifft auch den Editor.  Stichworte: Cardreader und Drag`n Drop . Pluspunkt ist die MIDI-Funktionalität inklusive der mitgelieferten 5-Pol Adapter. Insgesamt das richtige Gerät für die computerlose Begleitung eines Live- oder DJ-Sets, wobei ich eine, hier nicht vorhandene (!), Tempoanpassung der Samples / Loops für essentiell halten würde.  Die Zielgruppe ist da, in den letzten Jahren gab es nicht wenige Fragen nach einem solchen Sample Player. Ich habe dann immer geantwortet “Im Prinzip suchst Du was aus den Neunzigern, was heute vom Computer ersetzt wird”. Ich hoffe, dass diese Klientel nun nicht bis 2033 braucht, um die Existenz des MPX8 wahrzunehmen. 🙂

Erhältlich ab sofort
Inklusive Netzteil, MIDI-Adapter, 300MB Loop Library, 60MB Drums & Perc Library
Preis UVP 99 Euro / STEET 89 Euro (z.B. beim Musikhaus Thomann)
Mehr Informationen bei AKAI

 

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