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Neuer Kopfhörer – NOCS 900 LIVE

Ein neuer Kopfhörer, der auch und gerade für DJs interessant sein dürfte, kommt aus Schweden. Ladies & Gentlemen, der NOCS900. Wer DJ-Kopfhörer sagt, sagt auch gern SENNHEISER HD25. Der ewige Standard, an dem sich alles messen lassen muss und dem nur selten ein Newcomer das Wasser reichen kann. Zuletzt gelang dies der dänischen Firma AIAIAI mit ihrem TMA1. Durch eine gute Mischung aus Innovation, Qualität und Promotion konnte sich Kopenhagens Feinster auf Anhieb gut platzieren. Dann nahmen allerdings manche Käufer die Aussage mit dem “unzerbrechlichen Kopfhörerbügel” zu wörtlich und machten den Test. Was nicht gut ausging und der jungen Marke – zumindest gefühlt – einen kleinen Dämpfer versetzte. Aber halt, hier soll es ja um den NOCS900 gehen.

Die Schweden, die in den 900LIVE zwei Jahre Entwicklungsarbeit investierten, orientieren sich in der Grundkonstruktion an HD25 und TMA1, was zuerst ein schlicht-schönes Design mit kleinen Ohrmuscheln meint. Wie die vorab genannten verzichtet auch NOCS auf Gelenke, die bei anderen Bauweisen gern mal der sprichwörtliche Knackpunkt sind. Die Muscheln des NOCS sitzen, fixiert von dem Auge schmeichelnden Schrauben aus gebürstetem Aluminium, auf einem Bügel aus beschichtetem Edelstahl und lassen sich dabei stufenlos der Kopfgröße des Nutzers anpassen. Der Hauptteil des Bügels ist mit einer Art Gummierung versehen, eine Polsterung im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Im Test sitzt der 900LIVE wie angegossen, auch nach längerer Tragezeit ist kein unangenehmer Druck zu spüren. Das Kabel ist einseitig, rechts, geführt. Hier zeigt sich ein erster Trumpf gegenüber dem von mir geschätzten HD25: das 1,4m lange Kabel ist zu 3/4 gerade und im letzten 1/4 spiralförmig gehalten. Eine sinnvolle Kombination, da man so Reserven hat, wenn der Kabelweg mal länger wird. Reine Spiralkabel wiederum tendieren nach längerer Nutzung gern mal zu dem, was Wissenschaftler, so sie dazu forschen würden, Kabelcellulite nennen dürften. An bzw. in der Muschel ist das Kabel mit einem Miniklinkestecker fixiert, mixerseitig haben wir einen gewinkelten Miniklinkestecke mit Adapter auf 6,3mm. Im Lieferumfang liegen zudem zwei 1,2m Flachbandkabel für Applegeräte (inkl. 3-Knopf Fernbedienung mit Mikrofon) und Android- bzw. Windowsgeräte (inkl. 1-Knopf Fernbedienung mit Mikrofon) bei.
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Kommen wir zum Sound: Laut Hersteller setzen die speziell entwickelten, titanbeschichteten 40mm Treiber des geschlossenen Kopfhörers einen “neuen Standard für alles Hörbare”. Jesus mein, da fragt sich wer hört. Der allgemeine, vom Durchschnittsohr wahrgenommene, Bereich ist mit 20Hz-20kHz vollständig abgedeckt. Die Impedanz liegt bei 32 Ohm (bei 1 kHz), der Schalldruckpegel bei 110dB. Zum Vergleich: der TMA 1 hat abgesehen vom Pegel (103db) identische Werte, beim HD25 (in der Basic Edition) sind 16Hz – 22kHz, 70 Ohm und 120dB angegeben. Alles nur Zahlen Baby, in der Praxis klingt der NOCS 900LIVE – nach meiner subjektiven Wahrnehmung – ausgewogen und genügend laut um sich auch im Clubbetrieb gegen PA und Monitore durchzusetzen. Ich bin dabei übrigens der Typ, der (als DJ) den Kopfhörer nur auf einem Ohr trägt, die andere Seite klemmt hinterm Ohr. So kann ich auch ganz gut ohne irgendwelche, durch Gelenke wegklappbare, Muscheln leben. Und darum liebe ich meinen ultraleichten HD25.

Praxis: Im direkten Vergleich mit meinem Sennheiser HD25-1-II hat der NOCS die Nase vorn. Ziemlich klar sogar und das im Wortsinn. Zumindest an meinem Macbook. Volle Bässe, mehr Fülle, mehr Details. Das hätte ich so nicht erwartet. Dagegen nimmt sich der HD glatt flach aus. Nach einem Wechsel des wiedergegebenen Materials von elektronischem Sound zu “handgemachter Musik” (R.I.P. Paco de Lucia) finde ich den Unterschied schon gar nicht mehr so wesentlich. Da gefällt mir auch was ich unterm HD25 höre. Unentschieden. Natürlich, und das kann man nicht oft genug sagen, tauchen wir hier massiv ins Subjektive. Mein Empfinden, mein Hörvermögen, mein Geschmack – markant ist nur: der NOCS hat mehr Bass. Ein Punkt der (und auch das ist wieder bei jedem anders) unter Clubbedingungen Rille ist. Weil da ist der Bass im Raum: vom Monitor, von der Clubanlage. Aber auch hier schlägt sich der 900LIVE trefflich. Im direkten Vergleich mit dem HD25, an einem vorverstärktem Kopfhörerausgang, ist Sennheisers Kandidat einges “lauter”, die Mitten sind präsenter und der Bass liegt deutlich unter dem des NOCS. Im Gewicht ist der 900LIVE wiederum einiges schwerer als mein gewohnter Kopfhörer, was letztlich auch der Punkt wäre, bei dem ich nicht tauschen würde. Ich bin mit meinem HD25 so zufrieden, dass ich keinen Grund sehe knapp 250 Euro (die als UVP für den NOCS900LIVE aufgerufen sind) zum Händler zu tragen. Hätte ich noch keinen Kopfhörer, hätte ich ein Problem, denn die Entscheidung ist nicht leicht und der 900LIVE ist ein potenter neuer Anwärter in der Spitzengruppe ernstzunehmender DJ-Kopfhörer. Respekt nach Stockholm dafür, aber auch die Frage wie wohl die Kombination aus Sommerkleidchen und robustem Holzfällerhemd aussehe? Ich zumindest finde – bei aller Begeisterung für den 900LIVE – die gewollte Kombination aus clubtauglischem DJ-Kopfhörer und gleichzeitiger Lifestyle iPhone Abhöre … sagen wirs ruhig … in gewissem Sinne an der Seriösität kratzend. Klar funktioniert es, aber die Wiedergabe am Phone-Out eines Mixers ist was anderes, als an dem durch EU-Norm reglementierten Ausgang eines iPhones. Auf einer von beiden Seiten muss man Abstriche machen, will man beide Seiten zufrieden zu stellen. Dieses Ziel wurde erreicht, aber aus Marketingsicht bleiben Fragezeichen. Mich würde ein nur auf den DJ-Bereich fokussierender Kopfhörer mehr beeindrucken, als einer, der auch auf dem Rückweg vom Gig in der Strassenbahn noch Einsatz finden soll. Ich gelte jedoch ohnehin als kritisch. Bilden Sie ein Satz aus Haar und Suppe. In diesem Sinne ein Fazit: falls Ihr einen Kopfhörer sucht, zieht den NOCS900LIVE in die engere Wahl. Es lohnt sich!

Preis 249 Euro / B-Ware beim Musikhaus Thomann für 199 Euro
Produktseite beim Hersteller

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