Pioneer PLX-1000

Test: Pioneer PLX-1000 – Turntable

Was wurde, als der erste Prototyp des Pioneer PLX-1000 auf der Musikmesse 2014 gezeigt wurde, nicht alles behauptet und vermutet. USB sollte der designierte 1210er-Nachfolger haben und ein integriertes Serato-Interface sowieso. Auf Facebook und Co wurden wildeste Spekulationen angestellt und zuweilen war von ominösen Kumpels die Rede, die den Pioneer-Turntable schon zuhause stehen hätten und ihn für schlecht befänden. Man kennt das ja. Mehr als an der Zeit, ein für allemal mit dem nutzlosen Konjunktiv aufzuräumen und zu schauen, was der PLX-1000 wirklich drauf hat.

Pioneer PLX-1000

Pioneer PLX-1000

 

Sein oder nicht sein?

Der erste Blick auf den PLX-1000 sorgt für Ernüchterung. Pioneer haben sich bei der Gestaltung doch recht nah an das gewohnte Design und die Funktionalität des 1210ers gehalten. Ein/Aus-Schalter, Start/Stop-Taste und Geschwindigkeits-Wahltasten befinden sich links unten, eine Mulde für den Puck links oben. Der Tonarm sitzt erwartungsgemäß in der rechten oberen Ecke mit dem Pitchfader inklusive Pitch-Reset-Knopf darunter. Beinahe konservativ, möchte man behaupten, wirkt der Turntable. Und zwar im positiven Sinn. Schließlich soll hier kein verspieltes, hoch kompliziertes Spielzeug für Technik-Nerds, sondern ein neuer Clubstandard etabliert werden. Ein intuitiver Schallplattenspieler für Technics-Nerds sozusagen. Und so liest sich auch der Funktionsumfang wie der des guten, alten 1210ers. Höhenverstellbarer, S-förmiger Tonarm mit Anti-Skating, Direktantrieb mit 33 1/3 und 45 RPM und ein wählbarer Pitch von +-8% und +- 16%.

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Mit der dritten Pitch-Option von +-50% kommt das erste Feature ins Spiel, das wirklich merklich vom Technics abweicht. Pioneer wagt mit diesem Extrem-Pitch einen cleveren Brückenschlag zwischen Club-DJ und Turntablism. Diesen wird die Battle-Szene sicher zu schätzen wissen, während die Riege der, in erster Linie beatmatchenden, DJ’s sich nicht groß daran stören wird.

Tradition trifft Moderne

Beleuchtete Start/Stop-Taste

Beleuchtete Start/Stop-Taste

Einmal angeschlossen, fallen die nächsten konzeptionellen Verbesserungen ins Auge: Die Anschlusskabel sind abnehmbar und die Buchsen sinnvoll und sicher in einer Vertiefung auf der Rückseite des Geräts angebracht. Der Motor des PLX-1000 startet merklich straffer und kommt, laut offizieller Angaben, in 0,3 Sekunden bei 33 1/3 Umdrehungen an. Zum Vergleich: Der 1210er benötigt dafür 0,7 Sekunden. Die Antriebsstärke von 4,5kg / cm (Technics: 1,5kg / cm) fällt angenehmer Weise nur beim Starten, nicht jedoch beim Mixen auf. Selbst im direkten 1:1 Vergleich von PLX-1000 und 1210MK2 entspricht der Pioneer dem gewohnten Handling des Technics. Wären da nicht die blauen LEDs und die Pioneer-typisch runde Start-Taste – man könnte die Turntables im Eifer des Gefechts glatt verwechseln. Auch optisch wirkt der Pioneer wie ein Technics nach einem gelungenen Facelifting. Mit der zeitgemäß schwarzen, gebürsteten Oberfläche und den blauen LEDs fügt sich der Plattenspieler stimmig ins Gesamtbild des Pioneer-Sortiments ein.

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Die offensichtlichen Unterschiede mögen eher minimaler Natur sein, jedoch ein genauerer Blick fördert zahlreiche Verbesserungen beziehungsweise Anpassungen an heutige Ansprüche zu Tage. Das vergleichsweise hohe Gewicht von 13,1kg (Technics: 11kg) sei hier ebenso erwähnt, wie die 9mm dicke Lage Dämmstoff im Inneren des PLX-1000 und die großen, gut gedämmten Standfüße. Springende Nadeln und Rückkopplungen aufgrund von Vibrationen dürften so merklich reduziert, wenn nicht sogar weitestgehend eliminiert werden. Das Gehäuse besteht auf der Oberseite aus druckgegossenem Zink beziehungsweise 9mm starkem Resin im unteren Bereich und wirkt sehr solide. Klanglich wiederum sind keine signifikanten Unterschiede zwischen PLX-1000 und 1210er erkenn- beziehungsweise hörbar. Wenngleich die vergoldeten Cinch-Buchsen und der Gummitubus im Tonarm für eine besonders hohe Klangqualität sorgen sollen. Aber es darf natürlich nicht vergessen werden, dass das Gerät unter DJ- und nicht unter High-End Gesichtspunkten getestet wurde. Beim Dustcover haben Pioneer Funktionalität walten lassen. Die hübsche, aber störende Wölbung des Technics-Deckels fehlt, sodass Controller und Co problemlos positioniert werden können. Irgendwie niedlich ist die traditionell nutzlose Gummimatte, die auch beim PLX-1000 zum Lieferumfang gehört. Glücklicherweise liegt auch eine Slipmat bei.

PLX-1000 Anschlüsse

PLX-1000 Anschlüsse

Fazit

Man darf ruhig zweigeteilter Meinung sein, was den PLX-1000 angeht. Mit Sicherheit haben Pioneer einen mehr als würdigen und technisch deutlich verbesserten Nachfolger des Technics 1210ers entwickelt. Die gute Dämmung gegen Vibrationen ist eine Reaktion auf die heutzutage extrem druckvollen Soundsysteme in den Clubs und ist ohne Einschränkungen zu begrüßen. Die abnehmbaren Kabel sind, wenngleich nicht in der Technics-Welt, selbstverständlich. Allerdings wären intuitiv austauschbare Pitchfader und Beleuchtung wünschenswert gewesen. Aber vielleicht sind diese auch schlichtweg weniger anfällig als beim 1210er. Das Handling des Pioneers ist erstaunlich nah am Technics, so dass mit Sicherheit zu erwarten ist, dass der PLX-1000 nach und nach die 1210er ablösen wird, ohne die Vinyl-Fraktion damit vor den Kopf zu stoßen.

PLX-1000 Tonarm Base

PLX-1000 Tonarm Base

Wer auf ein grundlegend neues Konzept gehofft hatte, wird ein wenig enttäuscht sein. Digitale Ausgänge, einstellbare Anlauf- und Auslaufzeiten und ähnliche Spielereien sucht man beim PLX-1000 vergebens. Dieses und mehr findet man z.B. bei Kandidaten wie den Reloop RP-7000 oder dem Stanton ST.150. Mit dem +-50% Pitch sind Pioneer dennoch einen Schritt auf die Turntablism-Szene zugegangen. Einige Dinge werden sich sicher erst durch Langzeittests im Club ergeben, aber der erste Eindruck, den der PLX-1000 hinterlässt ist schlichtweg überzeugend. Nicht spektakulär, aber überzeugend. Oder wie DJ Q-Bert es im Vorstellungsvideo völlig passend ausdrückt: “When I touched the Pioneer turntables I was like: ok  – I feel at home“.

In diesem Sinn: Der König ist tot – lang lebe der König!

Plus

  •  Gewohntes Handling und Design
  • Pitch mit wahlweise +- 8, 16 oder 50%
  • Starker Motor
  • Sehr kurze Anlaufzeit
  • Abnehmbare Kabel
  • Geschützt positionierte Buchsen
  • Cinch-Buchsen vergoldet
  • Sehr gute Vibrationsdämpfung

Minus

  • Kaum neue Features
  • Nadelbeleuchtung und Pitchfader nicht einfach auszuwechseln
  • Etwas höhere Anschaffungskosten im Vergleich zur Konkurrenz

Preis: 699,- Euro

Lieferzeit: sofort

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Alternativen:

Stanton ST.150

Reloop RP-7000

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Neueste Beiträge des Autors:

  • dj joeless

    Ich denke die Leute werden auf jeden Fall den PLX kaufen, weil Pioneer drauf steht – Ob das ding jetzt gut ist oder nur halbwegs in Ordnung.