Das Flagschiff und der Vorgänger

ALLEN & HEATH XONE:23 – Review

Vor einiger Zeit belebte ALLEN & HEATH die XONE-Serie mit einem frischen Gerät, dem XONE:23. Wir nehmen den 2×2-Kanalmixer unter die Lupe .

 

Unter der Flagge “XONE” segeln beim englischen Hersteller ALLEN & HEATH neben Controllern, einer Patchbay und einem Kopfhörer hauptsächlich Mixer. Das seit vielen Jahren und äußerst erfolgreich. Besonders der XONE:92 erfreut sich bei bekannten DJs großer Beliebtheit, was dazu führt, dass er so ziemlich die einzige Alternative zu den in Clubs allgegenwärtigen PIONEER-Mixern ist. Ein Bolide mit ausgezeichneten Referenzen.Das Flagschiff und der VorgängerNach unten wurde die Reihe der XONE-Mixer bisher vom XONE:22 abgeschlossen. Ein, im wahrsten Wortsinn, aufgeräumter 2-Kanäler. Ausgestattet mit einer Lite-Version des VCF-Filters seiner großen Brüder, war der “Zweiundzwanziger” aufgrund seines attraktiven Preises gute Wahl für Einsteiger mit begrenztem Budget. Nun tritt also der XONE:23 die Nachfolge im Einstiegssegment an, äußere Änderungen sind unübersehbar. Das Layout des “Dreiundzwanzig” präsentiert sich noch immer übersichtlich. Auch die Verarbeitungsqualität ist gewohnt wertig. Auffällig ist die geänderte Oberfläche, nun mit seitlichen Aussparungen. Geschmackssache, mir persönlich sagt die neue “Schmetterlingsform” zu. Der regelbare Mikrofonanschluss ist von der Front nach oben gewandert, die Bedienung des Cue-Mixes und die Filtersektion haben die Position getauscht. Bei genauer Betrachtung ist kaum noch ein Element am alten Platz. Erstaunlich, denn trotzdem ist der Bezug zum Vorgänger unverkennbar.

Der XONE:23 kommt als analoger 2×2-Kanal Mixer mit einem interessanten Konzept der Erweiterung an Zuspielmöglichkeiten. Wie die meisten 2-Kanalmixer verfügt der XONE:23 über vier Paar Cincheingänge (2xPhono/2xLine), allerdings wurden die sonst üblichen Wahlschalter für die Eingangsquelle durch vier Gainregler ersetzt. Das Prinzip nennt ALLEN & HEATH Dual-Input – zwei Signale laufen gleichzeitig auf einem Kanalzug. Sicher kein Killerfeature, aber ein nützliches, wenn mal wieder ein Eingang fehlt.

Mein erster Gedanke: In konsequenter Umsetzung wären die Phonoinputs noch auf Lineverwendung umschaltbar. Und siehe, das wurde vom Hersteller bedacht. Zwar gibt es keine direkte Umschaltmöglichkeit, dafür eine indirekte. Mit einem kleinen Umbau (Lötarbeiten im Inneren des Gerätes!) kann der RIAA Phono-Eingang in einen Line-Eingang geändert oder das Level des Line-In angehoben werden. Das erfordert einiges handwerkliche Geschick, aber immerhin: Es gibt die Möglichkeit.

Jeder der beiden Kanäle kann also doppelt beschickt werden. Die weitere Reglung erfolgt dann für beide Eingangssignale auf einem Kanal. Logisch, sonst wäre es kein 2×2- sondern ein 4-Kanal Mixer. Zur Klangreglung steht ein 3-Band EQ mit griffigen, etwas breiteren Caps, Rasterung in Mittelstellung und “Total Kill” zur Verfügung. Das  jeweilige  Frequenzband wird vollständig isoliert. Alle EQ-Regler gegen den Uhrzeiger bedeutet folglich Stille. Was einigen DJs sehr wichtig ist. Unter dem EQ befinden sich die Tasten für die Aktivierung des Filters und (bei einem 2-Kanalmixer eigentlich selten zu finden) des Vorhörens. Wie alle weiteren Bedienelemente dieser Art sind die Buttons gummiert und leuchten, wenn die entsprechende Funktion in Nutzung ist. Abgeschlossen wird jeder Kanalzug von einem straff gehenden Fader mit 60mm Länge. Leichtgängiger ist der Crossfader, was natürlich gewollt ist. Die Faderkurve läßt sich zwischen smoothen Überblenden und aggresiverem Cut umschalten. Bei Bedarf kann der Fader getauscht werden. Stichwort: “Innofader-kompatibel”.

Paralell zu den Kanal-Reglern wurden linksseitig der Anschluss für das Mikrofon (XLR) und die dazugehörige Klangreglung (Level, 2-Band EQ) untergebracht. Dem stehen auf der rechten Seite der Master- und der Monitorregler sowie die Kopfhörerlautstärke und Cue/Mix gegenüber. Durch die Konzentration an Drehelementen kann es für dicke Finger eng werden. Zudem wären, um Verwechslungen vorzubeugen, andersfarbige oder -förmige Caps sinnvoll. Für mich eine Gelegenheit die beliebten Chroma Caps zu testen. Ergebnis unbefriedigend: Im Prinzip passen die, jedoch ist der Abstand zum Gehäuse etwas zu weit und auch sonst fügen sich die großen Chroma Caps nicht harmonisch ins Gesamtbild ein. Also bleibt alles wie es ist, kein wirkliches Problem.

Zurück zum Mixer. Jeweils neun LED-Segmente zur Kontrolle von Ausgangs- bzw. Gainlevel (letzteres wird angezeigt, wenn der Cue am Kanal aktiv ist) befinden sich nicht mehr direkt an den Kanalfadern (wie beim XONE:22), sondern oben, in der Mitte des Gerätes. Die klassische Position sozusagen. Die Filtersektion, bestehend aus der Zuschaltung für HPF / LPF sowie den Resonance- und Frequenzregler, liegt im unteren Drittel der Oberfläche, über dem Crossfader.

Frontseitig verfügt der XONE:23 über einen Kopfhöreranschluss. Genauer sind es zwei, da einmal als 6,3mm und einmal als 3,5mm Klinke ausgeführt. Nicht ungewöhnlich, aber in Kombination mit der Einbauoption (zumindest werte ich die Bohrungen im Faceplate so) ein dezenter Fauxpax. Oder will der Hersteller wirklich etablierten Battlemixern Konkurrenz machen? Auf der Rückseite befinden sich die Cinchanschlüsse für die Eingangsquellen (2xPhono/2xLine), ein Monitorausgang (separat regelbar) und ein Record Out. Weiterhin gibt es einen “FX-LOOP” genannten Aux-Weg mit Send/Return Buchsen. Symmetrische XLR-Ausgänge (+28dB max), der Anschluss für ein externes Netzteil, eine erfreulich große Erdungsschraube und der schon erwähnte Mikrofonkanal machen die Anschlussmöglichkeiten rund. Für einen Einsteigermixer ist der XONE:23 sehr gut ausgestattet.

Filter
Der XONE:23 bringt für ALLEN&HEATH Mixer typische analoge “Voltage Controlled Filter” mit. Die Filtersektion wurden neu überarbeitet und klingt, ebenfalls typisch, sehr gut. Über Wahlbuttons wird ein Low-Pass- oder ein High-Pass-Filter für einen oder für beide Kanäle aktiviert. Per Drehregler wird die Wirkfrequenz des Filters zwischen 20Hz und 20kHz angewählt. Die Resonanz läßt sich anschließend von “Mild” bis “Wild” ändern. Insgesamt eine schöne Spielwiese für Freunde des gefilterten Klanges.

Send-Return
Nach den vier Gainreglern und der Möglichkeit den Input umzulöten ist der Effektweg die dritte unorthodoxe, aber nützliche, Sache am XONE:23. Über die schon erwähnten Buchsen an der Rückseite können externe Geräte (z.B. ein Kaoss Pad) eingschliffen werden. Per “EXT-ON” Button wird der Effektweg aktiviert, leider gibt es keine weiteren Regelmöglichkeiten. Um das Signal eines Kanals extern zu bearbeiten muss die Filterfunktion an diesem Kanal scharfgeschalten sein. Das liefert Potential für kreative Spielereien, allerdings sollte man immer auch die Filtereinstellungen im Auge behalten. Eine Trennung von Filtersektion und Send-Return wäre schöner. Noch schöner wäre ein komplett regelbarer Send-Return. Anbetracht des Verkaufspreises ist die Limitierung jedoch nachvollziehbar.

Klang
Wie immer ist die Wahrnehmung von Sound abhängig von mehreren Faktoren. Unter anderem von der “subjektiven Rezeption” und von der Signalkette. Der XONE:23 ist ein Teil in dieser Kette und bei der angepeilten Zielgruppe vermutlich ein sehr starkes Teil. Einfacher gesagt: der XONE:23 klingt sehr gut und druckvoll.

Lieferumfang
Mitgeliefert wird das externe Netzteil nebst dafür vorgesehenem Kaltgerätekabel. Bei kleinen Geräten wird häufig auf ein eingebautes Netzteil verzichtet, nach mancher Meinung werden dadurch sogar Störquellen im Gerät eliminiert. Weiterhin liegt ein Manual bei und diverse Infoblätter. Ein Hinweis sei hier explizit erwähnt: Beim XLR Anschluss nur symmetrische Kabel nutzen, bei unsymmetrischen Steckern unbedingt die Belegung der Pins beachten!

Maße
Breite 24cm Tiefe 30cm Höhe 9cm (11,5cm mit Faderhöhe)
Gewicht 2,7kg

Fazit
Der XONE:23 bietet für weniger als 300 Euro viele Anschlussmöglichkeiten und nützliche Features bei stabiler Verarbeitung. Der Klang ist klar und druckvoll. Ein, zwei der Funktionen sind nicht ganz so komfortabel zu bedienen, das als Minuspunkt zu werten würde aber dem Ansinnen nicht gerecht werden. Eher sind der Send-Return und die Umlötmöglichkeit der Inputs als Zugabe, zu einem grundsoliden Mixer für Einsteiger, zu sehen. Und genau dieser Zielgruppe sei das Teil hier ohne große Abstriche empfohlen.

PS: Der XONE:23 ist auch mit eingebauter Soundkarte erhältlich, ein Review dazu findet ihr hier.

Preis 349 Euro – bei THOMANN kaufen
Produktseite beim Hersteller (englisch)

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