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8 Alternativen zu SOUNDCLOUD

SOUNDCLOUD klettert im monetären Schätzwert nach oben, was nicht ohne Folgen bleibt. Denn auch die Zahl derer, die dem Dienst den Rücken kehren nimmt zu. Zumindest in meinem Umfeld. Doch wohin zieht die Karawane? Eine Odysee und acht potentiell SOUNDCLOUD Alternativen.

 

Tom war mein Freund. Mein erster virtueller Freund. Das hatten die sich clever ausgedacht. Wer sich anmeldete, dem wurde Tom zugeteilt. So hatte jeder wenigstens einen Freund im sozialen Netzwerk. MYSPACE hieß der “Place To Be”, der vor zehn Jahren ähnlich präsent war, wie FACEBOOK heute. Aber – der Fokus lag auf Musik. Man konnte Songs online stellen und Kontakte knüpfen. Was in meinem Fall – als DJ und Homeproducer – tatsächlich funktionierte. Ich bekam Kontakte zu einer Bookingagentur und fand eine Menge Gleichgesinnter, mit ähnlichem Geschmack. Irgendwie ergaben sich sogar Remixaufträge und Releases auf Vinyl. Ein Hoch auf Tom, ein Hoch auf MYSPACE.

Dann kam der Robert. Robert Murdoch, dessen News Corporation MYSPACE für 580 Millionen kaufte. Im Gegensatz zu Tom, der auf unbekannte Künstler setzte, wollte Robert Mainstream und Multimedia. Um es kurz zu halten: die Strategie ging nicht auf. MYSPACE war nicht mehr mein Space. Schade um die knapp 1000 Follower, die ich gesammelt hatte. Dafür traf ich meine DJ-Freunde fortan bei SOUNDCLOUD.

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Das Berliner Startup hatte genau das passende Pflaster für die Wunde, die MYSPACE hinterlassen hatte. Das Model: direkter Austausch zwischen Musikern inklusive Downloadoption. Auch längere Mixe konnte man online stellen. Ideal für DJs. Ideal für Producer. Ideal für Musikfreunde. Ein Hoch auf SOUNDCLOUD.

Nun lebt ein Netzwerk von Beteiligung. Wird diese höher, steigt die Aufmerksamkeit. Was für den Erfolg essentiell ist. Bald folgen der Aufmerksamkeit Investoren, die ein Spekulationsobjekt sehen und schon ziehen professionelle Contentanbieter nach, denen gerade aufgeht, dass das klassische Radio wegbricht. Und plötzlich merken sogar Rechteinhaber, dass man sich bisher gar nicht so richtig ums Recht gekümmert hat. Was zutreffend ist. In der zurückliegenden Zeit hat SOUNDCLOUD unauthorisierte Remixe oder Mashups, sowie DJ-Mixe ohne offizielle Freigabe (in Deutschland bekanntlich ein fast unmögliches Unterfangen) geduldet. Ich behaupte: das war Teil der Erfolgsformel. Nun haben die Berliner ein Problem. Aber sie haben auch eine Strategie.  “Radio der Zukunft“.

Laut einem Interview mit Mitgründer Eric Wahlforss will SOUNDCLOUD ein “digitales Musikökosystem” schaffen und alle involvierten Parteien (Produzenten, Hörer, Kuratierende) einbinden. Wahlforss: “Bei SoundCloud können Interpreten und Musikproduzierende mit ihrer eigenen Identität vertreten sein und Inhalte selbst hochladen, während bei SPOTIFY alles über Distributeure läuft.” Das klingt nahezu genial. Nur fragt sich, wie ein von jederman kuratiertes Radioprogramm klingen mag, welches renditebedingt möglichst viele Hörer erreichen soll? Die Umsetzung dürfte schwierig werden, zudem rechtliche Aspekte (Copyright Restriktionen) schon heute zu Maßnahmen führen, die erfolgreichen Content abziehen.

Die Diskussion um ein RECHT AUF REMIX gliedern wir mal aus. Neben den, als nachteilig wahrgenommenen Änderungen im Design, sind es vor allem die Restriktionen, welche die Frage nach Ausweichmöglichkeiten aufwerfen. Und Alternativen bieten sich zuhauf. Im unmittelbaren Vergleich zu SOUNDCLOUD gibt es für und wider. Das eigentliche Problem ist jedoch das erwähnte, mit dem Netzwerk und der Beteiligung. Bis ich andernorts wieder 1000 Follower habe, zieht die Karawane weiter. Vielleicht ist das auch die Maßeinheit, in der ein spezieller Dienst in ein reglementiertes Angebot kippt. Also, wohin nun, falls …?

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HEARTHIS (www.hearthis.at) -> Trotz der Domainendung AT kommt HEARTHIS aus Deutschland. Eine Audioplattform, die jetzt das sein könnte, was SOUNDCLOUD nach MYSPACE war – der Gewinner.
Bei den Features und im Handling orientiert sich der Newcomer hart an SOUNDCLOUD. Es gibt sogar die Möglichkeit Tracks von SC zu importieren. Auch optisch ein gewohntes Bild: Waveformdarstellung des Files inklusive Artwork. Darunter die Möglichkeiten zu liken, zu sharen, zu kommentieren oder hinzuzufügen des Tracks zu einem individuellem Set bzw. einer Playlist. Natürlich fehlt eine Downloadoption nicht. Mit SOUNDFLAKE gibt es einen iOS-Client für HEARTHIS, für Android gar eine eigene App. Interessant ist die Funktion “Map” … eine musikalische Suche nach Geistesbrüdern – per Karte. So finden sich beispielsweise für Dresden und im laufenden Jahr dreizehn(!) verknüpfte Mixe zu Technoevents. Diese Datenbank dürfte  muss wachsen, wenn  damit HEARTHIS durchschlagenden Erfolg hat.  Aktuell scheinen die Userzahlen noch übersichtlich. In einem Schnellcheck unter “Popular Music” bringt es kaum ein Kandidat auf Plays im vierstelligen Bereich.

Anmerkung: Bei HEARTHIS ist es möglich ein Set oder Track zu verkaufen. Das funktioniert unkompliziert und der frei wählbare Betrag fließt direkt auf ein angegebenes Paypalkonto. Als Gebühr streicht HEARTHIS jeden zehnten Verkauf selbst ein. Klingt fair. Details dazu ->

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Fazit: Potential ist reichlich vorhanden. Der Basic Account ist kostenlos, Premium Accounts gibt es für 1 bzw. 2 Euro im Monat. Großer Pluspunkt für die “Get Paid Option”. Sollte HEARTHIS die Rolle von SOUNDCLOUD einnehmen, steht allerdings zu befürchten, dass die weitere Entwicklung zwangsläufig zurück an den Ausgangspunkt dieses Beitrags führt.

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MIXCLOUD (www.mixcloud.com) -> Wie der Name nahe legt, geht es um Mixe, Radiosendungen oder Podcasts. Schon seit einigen Jahren bietet MIXCLOUD einen Gegenentwurf zu SOUNDCLOUD. Der große Unterschied: Konzentration auf DJ-Mixe und Radioshows, statt auf einzelne Tracks. Es gibt (aus rechtlichen Gründen) keine Downloadoption. Über eine, zum Mix erstellte, Tracklist (übrigens kompatibel mit den Playlists von SERATO und TRAKTOR) erfolgt eine Vergütung der Künstler, ähnlich wie bei einem Internetradio. Der britische Webdienst hat einen Lizenzdeal mit der RPS For Music. Die wiederum hat unlängst ein Joint Venture mit der GEMA gestartet, woraus folgt, dass MIXCLOUD in Deutschland legal ist.  Für mobile User stehen Apps für iOS und Android zur Verfügung.

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Fazit: MIXCLOUD ist bereits ein etablierter Musikdienst und ersetzt bei mir das Radio. Der Basic Account (mit unbegrenztem Upload) ist kostenlos, allerdings auch mit Adds zugekleistert. Was beim hören nicht stört. Werbefreiheit kostet 60 Euro im Jahr. Für einen Pro-Account mit Statistiken und individuellem Layout wären 99 Euro im Jahr zu berappen. Wer vorrangig Mixe mit der Welt teilen möchte, der ist hier richtig.

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BANDCAMP (www.bandcamp.com) -> Bisher fest in der Hand von Indie-Bands, scheint sich die amerikanische Promotion-Plattform auch bei Producern steigender Beliebheit zu erfreuen. So stolpere ich hier in letzter Zeit verstärkt über Releases, welche bei den üblichen Stores, wie Junodownload oder Beatport, erst verzögert auftauchen. Nachvollziehbar – geht doch bei BANDCAMP der größte Anteil am Erlös direkt an den Artist. Anders als bei SOUNDCLOUD bietet das Model bei BC jetzt schon die Möglichkeit mit seiner Musik Einkünfte zu generieren. Auf einer individuellen Microseite kann man Tracks zum Download (oder als physische Edition) anbieten. Der Download kann kostenfrei sein, gegen eine feste Bezahlung erfolgen oder auch gegen eine, durch den Käufer selbst bestimmte Summe. Die Gratisdownloads sind begrenzt, man kann allerdings das Kontingent gegen eine geringe Gebühr aufstocken. So man einen Track verkauft, streicht BC 10-15% der Einnahmen ein. Der Fokus liegt nicht bei DJ-Mixen, sondern bei einzelnen Tracks oder Alben.

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Fazit: Absolut zu empfehlen, wenn man eigene Produktionen promoten und vermarkten möchte. Ebenfalls eine gute Wahl, um seinen Lieblingsartist oder ein favorisiertes Label über Käufe zu supporten. Für DJ-Mixe oder Mashups und als Netzwerk nicht bzw. nur begrenzt geeignet. So gibt es z.B. keine Möglichkeit des Feedbacks. Etwas nervig ist die Bezahlung als Käufer. Fünf Tracks von fünf Artists = fünf Zahlungen per Paypal. Wird wohl Abrechnungsgründe haben, ist trotzdem unkomfortabel.

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BLEND.IO (www.blend.io) -> “.io” ist die Top-Level Domain des Britischen Territoriums im Indischen Ozean. Chagos Archipel, Diego Garcia, MH370. Verschwörungstheoretiker werden die geographische Lage nun präzise einordnen können. BLEND.IO kommen trotz der Domainendung allerdings aus New York City und definieren sich als Netzwerk für Musikschaffende. Und das meinen die ernst! Auf den ersten Blick scheint es ein ähnliches Prinzip wie SOUNDCLOUD, doch geht es bei BLEND.IO um den Austausch. So kann man übers Internet an einem gemeinsamen musikalischem Projekt arbeiten. Dazu werden Remix-Stems oder ganze DAW-Projekte bereitgestellt und eine Diskussion über die wechselseitige Weiterentwicklung des Tracks geführt. Funktioniert in Theorie und Praxis – was auch bekannte Namen wie Moby oder Erasure nutzen. BLEND.IO ist kostenfrei.

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Fazit: Sympathische Idee. Nicht unmittelbar mit SOUNDCLOUD vergleichbar, aber ein Netzwerk für Kreative und Spezialisten. Für die Promotion von einem DJ-Mix oder zum Schnorren von Downloads die falsche Adresse.

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MIX.DJ  (www.mix.dj) -> Untertitel: “The Global DJ-Network“. Laut Angaben bei FACEBOOK hat die Community 2 Millionen User. Bei TWITTER offeriert man 500MB Platz für den Upload. Auf der Website wird wiederum mit 500.000 Fans, 50.000 registrierten DJs und 1GB kostenlosem Hosting Space geworben. Was sich letztlich als zutreffend erweist. Hochladen darf man 1000MB Mixe, Tracks und Videos. Im Gegensatz zu SOUNDCLOUD und Co gibt es keine Waveformdarstellung des Files, man kann aber dennoch liken, kommentieren, teilen und auch voten. Ein Download kann für alle oder für befreundete User bereitgestellt werden. MIX.DJ ist werbefinanziert kostenfrei. Für 30 Euro im Jahr bekommt man unlimitierten Upload und wird von eingeblendeten Adds verschont.

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Fazit: Wirkt etwas … sagen wir mal: halbseriös. Nur über Umwege recherchiere ich Frankreich als Herkunftsort. Die Nutzerangaben korrelieren nicht so recht mit den angezeigten Plays. Und unter Services bietet man, neben anderen Leistungen, für 300 Euro ein “Glass Master” an. Auf dem schützt man seine Tracks angeblich für die nächsten 1000 Jahre. Das erinnert an diesen Saatguttresor auf Spitzbergen. 🙂

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HOUSE-MIXES (house-mixes.com) -> Eine werbefinanzierte Community, welche das Ansinnen schon in ihrem Namen trägt. In Grundzügen könnte MIXCLOUD Pate gestanden haben. Allerdings gibt es in diesem Fall auch die Möglichkeit des Downloads, den es bei MC aus rechtlichen Gründen nicht gibt. Auf ein Profil lassen sich kostenfrei Tracks bis 50MB und Mixe bis 500MB schaufeln. Gefordertes Format ist MP3 und die Grenze liegt bei fünf Uploads pro Tag. Auch bei HOUSE-MIXES kommen populäre Mixe oder Tracks nur auf wenige Interaktionen, obwohl die Seite angeblich eine halbe Million User hat. Bemerkenswertes Feature: Es gibt thematische Mix-Competitions .

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Fazit: So man House mixt ist es bestimmt nicht nachteilig das Ergebnis bei HOUSE-MIXES zu hosten. Kostet nichts … ausser Werbung.

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HULKSHARE (www.hulkshare.com) -> Internet Radio trifft Musik Promotion. Eigenaussage: “fastes growing social network of artists and musiclovers“. Optisch nicht unähnlich zu SOUNDCLOUD. Das “share” im Namen läßt einen Hosting Provider vermuten. Und irgendwie hätte ich HULKSHARE auch eher bei MEGAUPLOAD oder RAPIDSHARE verortet, als bei SOUNDCLOUD.  Der Service an sich ist legal und kostenlos. Die Klärung eventueller Rechtefragen überläßt HULKSHARE – nicht unüblich – dem, der den Content erstellt.

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Fazit: Kostenloser und unlimitierter Upload von Audio und Video mit Waveformdarstellung und Downloadoption. Nervige Werbevideos und Popups. Steile These: SOUNDHULK würde irgendwie unbedenklicher klingen als HULKSHARE.

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THE FUTURE FM (thefuture.fm) -> Eine Musikplattform (früher Dubset.com) die schon im Ansatz zwischen DJ und Hörer unterscheidet. Der Schwerpunkt liegt auf DJ-Mixen. Hörer können nach Genre oder Stimmung(!) auswählen. Für das iPhone gibt es bereits eine App, Android soll folgen. DJ haben nicht nur unbegrenzten Platz für den Upload, sie werden – als Inhaltslieferer – sogar finaziell beteiligt. Dieses Model könnte tatsächlich Zukunft haben, da will ja auch SOUNDCLOUD hin. Noch verzeichnen aber selbst die Mixe von Afrojack, Tiesto oder Steve Aoki nur geringe Hörerzahlen. FUTURE.FM ist kostenlos, allerdings mit Werbung. Für 7 Dollar im Monat gibt es einen werbefreien Premium Service. Ähnlich wie bei MIXCLOUD ist kein Download möglich.

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Fazit: Hat was. Das Prinzip passt gut in die Zeit des Umbruchs vom Radio zum Streaming.  Die New Yorker verfolgen auch das Ansinnen des “digitales Musikökosystem”. Was im Unterschied zu SOUNDCLOUD (noch) fehlt sind Millionen von Nutzern.

Rèsumè: Es sind zwei Trends erkennbar. Die eine setzen auf unveränderte Modele in (von Deutschland aus gesehen) tolerierten rechtlichen Grauzonen. Die anderen streben Rechtssicherheit an. Das klingt irgendwie unsexy, im Zusammenhang mit Musik und Kreativität. Aber es sind – was man gern verdrängt – einfach mal Geschäftsmodele. Wie Bandcamp, Mixcloud oder The Future.Fm möchte und muss auch Soundcloud – gewissermaßen durch den Erfolg gezwungen – auf die sichere Seite. Nach meinem Eindruck scheint SC aber nur die Musikindustrie als Partner zu sehen, dabei hat diese zum bisherigen Erfolg lediglich indirekt beigetragen. Eine ausführliche Betrachtung dazu ist hiermit versprochen. Als Lösungsansatz gefällt mit das Prinzip von The Future Fm. Da könnte sich SOUNDCLOUD ruhig inspirieren lassen.

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