Reloop Neon Controller Review

RELOOP NEON

Ein kleiner USB-Controller, beworben mit “One Mighty Box”. Und tatsächlich ist RELOOP mit dem Teil ein ordentlicher Coup gelungen. Wir stellen den NEON vor.

 

Gerade mal 22x12cm misst der neue Controller von RELOOP, der für den Einsatz mit SERATO DJ entwickelt wurde. Damit ist er nicht wesentlich größer als ein Phablet, was die Apparate sind, welche sich trendbewusste Zeitgenossen als Telefon ans Ohr halten. Der NEON ist somit kompakt und bietet dennoch eine Vielzahl an Funktionen, um SERATO DJ – als Ergänzung zu einem DVS oder einen Controller – zu steuern. Äußerlich ist der Eindruck überzeugend. Kunststoffgehäuse, kaum potentiell störanfällige Teile, alles sitzt fest an seinem Platz. Das trifft auch auf das Gerät selbst zu, vier Gummipads an der Unterseite vermeiden jegliches Rutschen.

Reloop Neon Draufsicht

Kernstück des, 129 Euro teuren, “Performance Pad Controllers” sind acht Drumpads. Mit 3x3cm bieten die ausreichend Trefferfläche. Anschlagdynamisch und mit Aftertouch sind die gummierten Pads bestens für das Triggern von Samples oder Cue-Punkten gerüstet. Eine farbige Hintergrundbeleuchtung und zusätzliche kleine LEDs helfen bei der Orientierung, denn insgesamt können acht verschiedene Modi genutzt werden. Und das auf bis zu  vier Decks in SERATO DJ. Wobei sich, bei Bedarf, sogar zwei NEON miteinander verlinken lassen.

Reloop Neon AnschlussDie Drumpads werden seitlich von acht Auswahltasten flankiert. Darüber ist eine Zeile aus den Wahlbuttons für die Modi untergebracht, rechts und links abgeschlossen durch je einen Push-Encoder. Die symmetrische Anordnung schmeichelt dem Auge, der NEON wirkt auf den ersten Blick sehr übersichtlich. Die Spannungsversorgung erfolgt über (Mini)-USB, ein Netzteil ist nicht erforderlich.

Wie erwähnt ist der NEON auf SERATO DJ abgestimmt. So lassen sich über die Pads der softwareeigene SP6-Sampler steuern, die Slicer-Funktion, natürlich auch Loops, Cue-Punkte und die – seit Version 1.7 aktuellen – Flips. Noch ist der NEON (meines Wissens) der einzige Controllerr, welcher eine unmittelbare Steuerung dieses Features bietet.

Trax Encoder

Die meisten Bedienelemente sind doppelt belegt. So dient zum Beispiel der linke Encoder zum Browsen in der Library der Software, aber auch als Lautstärkeregler für Samples. Was uns zum ersten Modus führt: SAMPLER. SERATO DJ bringt eine eigenen Sampleplayer, den SP6, mit. Dort geladene Dateien lassen sich über die Pads des NEON angetriggern. Ob diese als One Shot, Toggle, Hold oder im Loop wiedergegeben werden, ist über die Hardware wählbar. Kleine LEDs, an jedem Pad, geben den eingestellten Status wieder. Über die von 1 bis 4 durchnummerierten Tasten auf der linken Seite können in diesem Mode vier Samplebänke angewählt werden.

Reloop Neon Sampler

Über zweimaliges Drücken der Sampler-Taste gelangt man in einen zweiten Modus: PAD FX. Damit lassen sich, durch die Velocity der Tasten, bis zu sechs Effekte steuern. Das kann ein Multi-Effekt sein oder die einzelnen Paramteter eines Single-Effekts. Besonders bei rhythmisch betonten Effekten ist diese “Ein-Finger-Steuerung” sinnvoll und RELOOP sammelt für das unerwartete Feature einen Pluspunkt.

Reloop Neon Performance Mode

Über den zweiten Button der “Performance-Leiste” gelangt man zu SLICER bzw. LOOPED SLICER. In der Software wird daraufhin ein im Deck befindlicher Songausschnitt in einzelne “Scheiben” zerlegt, diese können über die Pads angetriggert werden. Nehmen wir als vereinfachtes Beispiel einen Drumloop. Zerlegt wären das dann Bassdrum, HiHat, Snare und ein Becken .. die über die Pads in einem neuen Rhythmus gespielt werden könnten. Ein ähnliches Ergebnis ist auch über die Cue-Punkte realisierbar, was Button drei auf der “Leiste” wäre: HOT CUE. Diese Funktion bietet jeder einfache CD-Player. Beim NEON werden allerdings die in der Software gesetzten Cues auch in einer individuell einstellbaren Hintergrundfarbe angezeigt. Nun muss man sich, wie bei dem Kinderinstrument Triola, nur noch die Reihenfolge der Farben merken und hat darüber beste Ausgangsbedingungen für kreatives Toneplay.Serato Flip Schema

In der über Shift erreichbaren Ebene gelangt man zum Modus: FLIP. Dieser ist auch eine Art zweiter Ebene in Sachen Cue-Punkte. Vereinfacht gesagt lassen sich mit diesem Expansion Pack (kostet 29 Dollar) Cue-Punkt Aktionen aufnehmen, speichern und wieder abrufen. So sind Edits möglich, ohne die eigentliche Datei anzugreifen. Alle notwenidigen Informationen werden in den Metadaten des Files gespeichert. Auch dazu ein simples Beispiel. Angenommen man möchte von der ersten Strophe eines Songs gleich zum Refrain, nach der dritten Strophe springen, um diesen Track zu verkürzen. So setzt man einen Flip von einem Cue-Punkt vor Refrain zu einem zweiten Cue-Punkt vor der dritten Strophe. Einmal gespeichert springt SERATO DJ beim Erreichen des ersten Cue-Punktes automatsich an den zweiten und somit zur dritten Strophe. Klingt komplizierter als es in der Praxis ist und es ist vor allem ein Hammerfeature! Mit dem NEON ist ein Flip mit wenigen Tastendrücken aufgenommen und gespeichert.

Loop Encoder

Die vierte und letzte Taste der Performance-Modi aktiviert HOT LOOP bzw. in zweiter Ebene MANUAL LOOP. Damit lassen sich Loops speichern oder wiederaufrufen,  bzw. manuell kontrollieren. Für AUTO LOOP bzw. LOOP ROLL wird der rechte Push-Encoder genutzt.

Fazit: “One Mighty Box” sagt der Hersteller und ich würde mich dem anschließen. Beachtlich wieviele Steuermöglichkeiten durch die Kombination nur weniger Pads und Tasten möglich sind. RELOOP und SERATO haben ganze Arbeit geleistet. Selbst die Effektsteuerung ist grob abgedeckt. Die Stärke des NEON liegt aber eindeutig im “Triggern”. Wer exzessiv Samples, Cues oder Loops nutzt, der findet hier sein Tool. Besonders ans Herz gelegt sei auch die Beschäftigung mit dem FLIP-Expansion Pack. Das ist zwar hauptsächlich ein “Software-Ding”, läßt sich aber durch die Hardware super nutzen.

Persönlich bin ich durch viele Ebenen leicht zu verwirren, in dem Fall hielt sich das jedoch in Grenzen. Meistens ist über die Hintergrundbeleuchtung geklärt, wo man sich gerade befindet. Mitunter muss man allerdings aufmerksam verfolgen, welche Funktion durch welche Tastenkombination aktiviert wurde. Das liegt jedoch ebenso in der Natur der Sache, wie der Umstand, dass Flips nur bei laufendem Deck möglich sind.

Letztlich habe ich anstelle von Kritik Zukunftswünsche. An RELOOP: kleine LEDs für die direkte Anzeige des aktiven Ausgangs des SP6 (den hatte ich mehrfach unbewusst verstellt) und an SERATO: Flips recorden, ohne dass der Track laufen muss (wobei ich vermute, dass das schwierig wird). Zudem würde ich es als vorteilhaft empfinden, wenn man die Panels (SP6, Flip, FX) mit einem Button an der Hardware ausklappen könnte. Nur so, für einen schnellen Kontrollblick zwischendurch.

Spielt der NEON nur mit SERAO zusammen? Nein. Der Controller kann auch mit anderer Software genutzt werden. Für TRAKTOR bietet der Hersteller ein Preset zum Download an, Virtual DJ funktioniert plug`n play. Zudem ist mit dem MODULAR STAND (39 Euro) ein passender Ständer für den NEON erhältlich.

Alternative, mit mehr Reglern: PIONEER DDJ SP1 (349 Euro)

NEON für 139 Euro Angebot bei THOMANN
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