Traktor Kontrol S8 Review

Review – KONTROL S8

Vor Erscheinen hat er massiv Wellen geschlagen, aktuell ist es recht ruhig um ihn, den TRAKTOR KONTROL S8. Grund genug unseren alten Trekkerfuchs Floh mal der Frage nachspüren zu lassen, ob der S8 wirklich ein “Game Changer” ist. Im Folgenden seine Eindrücke und eine Einschätzung.

 

Gleich zu Beginn sei die Frage beantwortet, ob man beim Traktor Kontrol S8 die Jogwheels vermisst: nein – ich jedenfalls nicht! Dies liegt aber vor allem auch daran, dass ich seit nunmehr über 7 Jahren sehr vertraut bin mit autosynchroner Mehrdeck-Performance und sowohl mein Workflow als auch all mein Ausgangsmaterial (sprich: perfekt gegriddete Tracks) beste Voraussetzungen dafür liefern.
Der S8 soll vor allem diese Art des DJing auf das “nächste Level” hieven und dem Nutzer das Live-Remixing, Re-Arranging oder wie immer man die Zerstückelung & Neuzusammensetzung sowie Einbringung eigener Klangsequenzen nennen möchte, erleichtern. Dazu bediente Native Instruments sich aller ihrer bisher veröffentlichten (DJ-)Module und packte sie mehr oder weniger fusioniert & kombiniert in ein gemeinsames Gehäuse.

Traktor Kontrol S8 Draufsicht

Auf die Aufzählung der schnöden Fakten & Features werde ich bewusst verzichten, da man all dies auch der Produktbeschreibung auf der Herstellerseite entnehmen kann Ich komme somit gleich zum praktischen Teil. Der Kontrol S8 ist in seiner Dimension in etwa vergleichbar mit einem Setup aus Vierkanalmixer samt zweier Traktor Kontrol X1 bzw. ähnlicher Controller, sowohl von der Breite als auch auch von der Tiefe her. Dies hat zur Folge, dass Transport und benötigte Aufstellfläche eine noch größere Herausforderung darstellen, als es bisher ein S4 tat. Allerdings hat man mit dem S8 dann auch tatsächlich genau das soeben zum Größenvergleich genannte Setup auf dem Tisch stehen, also einen eigenständigen Vierkanalmixer samt zweier Deck-Controller sowie einer integrierten Soundkarte mit Timecodefunktionalität (Decksteuerung per DVS) für die hauseigene Software Traktor Scratch Pro 2, die bereits zum Lieferumfang gehört. Lediglich die Kontrollmedien für den Sratchbetrieb muss man noch nachträglich erwerben – was aber meiner Einschätzung nach die wenigsten S8-User tun werden, sofern sie diese nicht schon besitzen, da der geneigte Benutzer einer solchen (!) Konsole sein Augenmerk weder auf Scratcheinlagen, noch auf manuelles Beatmatchen legen dürfte.

Traktor Kontrol S8  DisplayNeben den fehlenden Jogwheels sind es wohl sicher die Displays, die einem als erstes ins Auge stechen. Derer gibt es zwei Stück, je eins für die beiden linken bzw. rechten Decks. Dort lassen sich im Betrieb mit Traktor – und zwar NUR damit! – alle möglichen Informationen der Decks ablesen. Da der S8 diese Infos scheinbar direkt vom Software-Kernel erhält bzw von dort ausliest, müssen beispielsweise die Zoomstufe der Waveform am Rechner und beim S8 nicht identisch sein. Auch die Darstellungsgröße der Decks in der Software hat keinen Einfluß auf die Abbildung beim S8.

Traktor Kontrol S8 WaveformEin kleiner Wehrmutstropfen ist, daß der S8 die Waveform nur einfarbig (blau) und nicht spektral anzeigt. An den technischen Voraussetzungen der Displays kann es nicht liegen, denn diese sind absolut multicolor-tauglich, was man z.B. beim Anzeigen eines Remix-Sets sehen kann. Somit könnte es eher an der doch nicht ungeringen Datenmenge und deren Verarbeitung liegen, dass dies (derzeit noch) nicht von Seiten des Herstellers umgesetzt wurde.

Ansonsten sind die Displays wirklich sehr gelungen. Sie lassen sich stets problemlos bezüglich Kontrast, Blickwinkel sowie Helligkeit ablesen und geben Feedback zu allen erdenklichen Eventualitäten. Man erkennt die Looplänge und gesetzte (de-)aktivierte Loops auf den Waveforms, Hotcues oder Slices (Freeze Mode), die aktuell gewählten Effekte samt Auswahlliste oder aber man nutzt sie zum Browsen durch die Kollektion. Letzteres geschieht samt Cover-Anzeige und auch mit der Option, die aktuelle Playliste zu switchen, welche dann wiederum für beide Displays bzw. Deck-Seiten auf dem S8 gleichermaßen gilt. Man kann also nicht auf unterschiedliche Crates zurückgreifen, wie sich das vielleicht manch einer wünschen würde. Da es diese Option jedoch auch noch nicht in der Software selbst gibt, sollte nach (eventuell kommender) Implementierung eines solchen  Features dieses sich auch mit direkt am S8 umsetzen und nutzen lassen.

Traktor Kontrol S8 Pads

Direkt unter den beiden Displays findet man dann auch schon die wohl zweitauffälligste Neuerung, nämlich die multikoloren Performance-Pads samt vier kurzen Linefadern und berührungsempfindlichen Endlosdrehreglern. A propos berührungsempfindliche Endlosdrehregler: derer gibt es beim S8 eine ganze Menge, unter anderem die bereits erwähnten, aber auch die Encoder der beiden Effekteinheiten oder die Browse-Knobs und die Regler für Looplängeneinstellung sind touchsensitive. Dies hat zur Folge, dass ein bloßes Berühren des Reglers genügt, damit das Display sofort entsprechende Informationen zum aktuell eingestellten Zustand der jeweiligen Funktion offenbart, die ansonsten im unberührten Zustand ausgeblendet sind.

Mit den Pads lassen sich nicht nur die Zellen der Remix-Decks steuern (und zwar wirklich alle; mit den “Zoom”-Tasten für die Waveform kann im Remixdeck zu den anderen Zellen geblättert werden, analog zum Encoder am Kontrol F1), sondern je nach aktiviertem “Performance-Modus” erfüllen sie auch diverse andere Funktionen, wie etwa Hotcue-Steuerung, Loopen, Beatjumps oder das Anspielen der einzelnen Slices im Freeze-Modus. Was mir dabei sehr gefallen hat, war die Tatsache, dass sich im Loop-Modus vier unterschiedliche Looplängen setzen und parallel dazu mit den vier übrigen Pads Beatjumps ausführen lassen. Die jeweiligen Längen wurden dabei entweder individuell vorab festgelegt oder sind abhängig von der aktuell eingestellten Länge über den Endlosencoder, mit dem man ansonsten die Loops setzt. Alles in allem machen die Pads eine wirklich gute Figur und ermöglichen ein schnelles, zielgerichtetes und vor allem auch ergonomisches Arbeiten mit den unterschiedlichen Funktionen “Hotcue”, “Loop”, “Freeze” oder “Remix”.

Die Schieberegler hingegen sind ausschließlich für die Lautstärkejustierung der jeweiligen Remixdeck-Slots vorgesehen. Heißt im Umkehrschluß: wenn man kein Deck im Remixdeck-Modus betreibt, haben die Regler keine Funktion (im Standard-Mapping) und nehmen eigentlich nur Platz weg.
Anders verhält es sich da schon mit den Drehreglern über den Fadern, direkt unterhalb der Displays. Denn diese sind multifunktional und steuern zusammen mit den darunterliegenden Buttons neben Pitch, FX Send und Filter der Remix-Slots auch die Effekteinheiten 3 und 4. Was nun genau damit gesteuert werden soll, lässt sich bequem über die Pfeiltasten neben den Displays einstellen und auf den Screens auch ablesen, da die Encoder wie schon erwähnt touchsensitive sind. Einziges Manko hierbei ist, dass man nicht wie über die beiden “echten” FX Units die Effekte via Display wechseln kann.
Als Teilfazit bleibt festzuhalten, dass diese Performance-Sektion großteils wirklich gut durchdacht und logisch aufgebaut ist und einen flüssigen Betrieb erlaubt, sofern man nicht rein zufällig zeitgleich auf dem anderen Deck dieser Controllerseite ebenfalls eine dieser Funktionen bedienen möchte oder muss, wie etwa simultanes Hotcues anspielen oder Beatjumpen.

Traktor Kontrol S8  Transport

Der Vollständigkeit halber seien noch die beiden Transport-Sektionen samt Deck-Wahlschalter und die Touchstripes erwähnt. Letztgenanntes dient zum Anschieben bzw. Abbremsen des Tracks oder per Shift auch zum schnellen Hin- und Herspringen innerhalb des Tracks, dessen Fortschritt dann über rot & blau leuchtende LEDs angezeigt wird. Weiterhin dienen diese LEDs auch als “Phase-Meter” und weisen auf Phasengleichheit (oder eben auch -versatz) des Decks bezogen auf das Master-Deck hin. Auch hier gilt selbige Einschränkung wie bei den Performance-Pads: die Funktionen gelten stets nur für ein Deck zur selben Zeit.

Traktor Kontrol S8  Mixer

Im Mittelsegment findet sich ein sehr aufgeräumter und übersichtlicher Mixerpart mit vier Kanalzügen, die neben einem Dreiband-EQ auch ein Filterpoti, einen dedizierten Gainregler und zwei Effektrouting-Tasten, sowie einen Button für den Audio-Thru bzw. Live-Input Modus besitzen. In Verwendung des S8 mit Traktor können Filter & Equalizer auf eine beliebige der zur Verfügung stehenden Varianten eingestellt werden. Nutzt man den S8 hingegen als eigenständigen Mixer ohne Software, muss man mit der Einstellung Z-ISO vorlieb nehmen, die auch beim Traktor Kontrol Z2 Verwendung findet. Das ist nicht weiter tragisch, aber eine Auswahlmöglichkeit auch im Standalone-Betrieb wäre hier in der Tat ein zusätzliches und äußerst positiv zu erwähnendes Gimmick gewesen. Übrigens sind die Bauteile von Line- und Crossfader schnell und einfach zu erreichen, da die komplette Faderplatte mittels Schrauben bequem von oben entnehmbar ist. Sollte sich also ein Regler mal verabschieden aufgrund Altersmüdigkeit oder Fremdsubstanz-Intrusion, ist ein Wechsel nicht zeitgleich mit dem Zerlegen der kompletten Konsole verbunden. Auch ist lobenswert hervorzuheben, daß die Produktdesigner endlich zur Vernunft gekommen sind und die glänzende, glasähnliche Gehäuseoberfläche ad acta gelegt haben, wie man sie von den Vorgängern S4, S2 oder auch Z1 kennt. Wer schon mal einen regelmäßig genutzten Traktor Kontrol S4 gesehen hat, wird verstehen, was gemeint ist und warum diese Änderung eine gute Entscheidung war.

Traktor Kontrol S8  Crossfader

Die Fader an sich bieten einen schönen Widerstand und laufen geschmeidig in ihrer Führungsbahn, ohne zu haken und ohne nennenswertes Spiel. Etwas leichtgängiger als die Linefader ist der Crossfader, dessen Überblendverhalten hardwareseitig über einen Drehregler justiert werden kann. Jedem Kanal steht eine eigene Aussteuerungsanzeige zur Verfügung, die sich neben den EQ-Potis befindet.
Neben dem Master-Out samt kurzer Dual-LED-Kette hat der S8 einen zusätzlichen, ebenfalls getrennt regelbaren Booth-Ausgang. Ein Feature, welches gerade beim original S4 oft vermisst  wurde.

Traktor Kontrol S8  Setup SoftwareDas Setup Kontrol S8 plus Traktor Pro 2 (getestet wurde mit v2.7.1) läuft erwartungsgemäß rund und bietet ein Plug’n’Play Erlebnis mit diversen Personalisierungsoptionen über die Software-Preferences. Am wohlsten und ergonomischsten fühlt es sich an, wenn man die Kombination 2 Track-Decks & 2 Remix-Decks wählt, denn hierfür scheint die Konsole zu 100 % gemacht zu sein. Alle Decks lassen sich dabei mit den wohl wenigsten Deckswitches annähernd vollumfänglich bedienen und auch die Displays bieten hierfür ausreichend Platz, um alle essentiellen Infos zeitgleich darstellen zu können. Mit der bereits schon erwähnten Prämisse einer entsprechenden Vorbereitung seiner Musiksammlung – Gridden & setzen wichtiger HotCues – wird man auch zu keiner Zeit ein Jogwheel vermissen und freut sich dagegen umso mehr über den freigewordenen und anderweitig nutzbaren Platz. Sobald man jedoch kein allzu großer Fan von Remixdecks ist und stattdessen lieber vier “echte” (vollwertige) Decks nutzt, sieht das mit der vollumfänglichen Bedienung, der Platzausnutzung und der Display-Darstellung schon ein bisschen anders aus. Hier sind die Schieberegler für die Remix-Slots einfach nur unnütz und die Displays zu klein, um wirklich adäquat beide Waveforms untereinander abbilden zu können.

Zu größten Teilen ist das Layout der Konsole quasi selbsterklärend und man gelangt per Try&Error fast immer ans gewünschte Ziel, jedoch bedarf es bei diversen Feinheiten den Blick ins Handbuch (welches zum Zeitpunkt des Tests nur in englischer Sprache verfügbar war) bzw. wenigstens auf den beiliegenden überdimensionalen “Flyer”, um auch die richtigen Schalter zu finden. Dies ist in erster Linie der gesamten Komplexität geschuldet, die so eine DJ-Software heutzutage mitbringt. Aber hat man den Dreh erstmal raus, erscheint die gesamte Bedienung und Steuerung in der Tat sehr durchdacht, logisch und ist eingängig und schnell erlernbar. Hier macht es sich ein weiteres Mal bezahlt, dass Gerät und Programm aus selbem Hause stammen – eine ähnliche Trumpfkarte spielen beispielsweise Apple oder Serato/Rane aus, die perfekte Out-of-the-Box Lösungen bieten.

Traktor Kontrol S8  Timecode DVSNatürlich habe ich auch einmal die Timecodefunktionalität angetestet muss sagen: läuft. Die vier analogen Eingänge am S8 (wahlweise CD/Line oder Phono) werden vom integrierten Audio-Interface allesamt separat abgegriffen und können somit allen 4 Decks frei zugeordnet werden. Ist dies geschehen und die Decksteuerung in Traktor von “Internal” auf “Scratch Control” umgestellt sowie ein entsprechendes Timecode-Medium in/auf den Player getan, kann es nach kurzer Kalibrierung auch schon losgehen. Die Scope- bzw. Platter-Anzeige der Software-Decks wird übrigens NICHT auf den S8 Displays dargestellt, was zwar durchaus verschmerzbar ist, aber kritischer betrachtet doch wenigstens die Mini-Anzeige für das eingehende Timecode-Signal wünschenswert gewesen wäre. Vielleicht bessert NI das noch nach, sofern es denn überhaupt gewünscht ist. Aber egal ob mit oder ohne Anzeige im Display, Scratch Control funktioniert mit dem S8 vollumfänglich und ohne Probleme.

Traktor Kontrol S8  Inputs

Wie wir im vorangegangenen Absatz erfahren haben, besitzt die Konsole vier analoge Eingänge, die sich mit wahlweise Plattenspieler oder CD-Player bzw. anderen line-fähigen Eingangsquellen bestücken lassen. Nun kann man diese externen Gerätschaften nicht nur dazu benutzen, ein Timecode-Signal an die Software zu senden, sondern sie können auch im Standalone-Betrieb völlig ohne Software zusammengemischt werden. Sobald man bei laufender Software auf den runden Button mit dem Traktor-Logo unterhalb der Gain-Regler drückt oder die Verbindung zur Software komplett kappt, reagieren die Regler im eigenständigen Betrieb und steuern direkt die ein- und ausgehenden Audiosignale. Selbst die bipolaren Filter lassen sich weiterhin nutzen, Crossfaderzuweisung und -kurve sowie getrennte Master- & Booth-Ausgänge oder Cue-Mix am Kopfhörer funktionieren ebenfalls auch ohne Software. Durch das geordnete und übersichtliche Layout finden sich selbst strikte Software-Verweigerer sehr schnell zurecht und dürften am S8 (im Standalone-Betrieb) keinerlei Nachteile oder Einschränkungen gegenüber einem Pioneer DJM oder A&H Xone verspüren.

Fazit: NI’s Traktor Kontrol S8 ist aktuell auf jeden Fall State of the art, was Traktor Pro angeht. Mehr geht derzeit nicht, jedenfalls nicht mit einem einzelnen Gerät. Der User eines S8 bekommt in der Tat die ultimative Allzweckwaffe in die Hand, sofern er sich auf die Strategie des Herstellers einlässt oder diese sich mit der eigenen deckt. Anders gesagt: will man seine Tracks nicht oder nicht immer entsprechend vorbereiten (gridden), will man die Remix-Decks eher weniger bis garnicht einsetzen oder möchte man sowieso viel lieber mit einer anderen Software arbeiten, dann sollte man sich das mit dem Kauf noch einmal gut überlegen. Ist man hingegen sowieso schon die ganze Zeit dabei, seine Tracks zu gridden und nutzt die Remixdecks schon fast häufiger als die Trackdecks, ja dann heißt es zuschlagen. Hierfür bietet der S8 nämlich wirklich die ideale Lösung und bringt mit den Displays sowie der Performance-Sektion zwei Neuerungen, die die Ergonomie und das kreative Arbeiten mit der Konsole spürbar fördern.

Der TRAKTOR KONTROL S8 kostet 1149 Euro

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