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Review LIVID BASE II

Der LIVID OHM war einst der schönste Controller, beim BASE II setzen die Texaner nicht nur auf optische Besonderheiten.
Livid Ohm WoodHandmade By Humans In Texas” hieß es dereinst auf einem handschriftlich unterzeichneten Zettel, der jedem LIVID OHM beilag. Die zugehörige Handarbeit konnte sich sehen lassen. Eine Padmatrix, diverse Fader und Regler sowie ein Crossfader wurden in einem stylischen Gehäuse aus Mahagoniholz zusammengeführt. Ich meine mich zu erinnern, dass man VJs ansprechen wollte. Macht Sinn visuell veranlagten Typen einen optischen Leckerbissen anzubieten. Über den Umweg ABLETON LIVE fand LIVID weitere Zielgruppen: DJs, Musiker und Liveperformer.  Der Slogan zum BASE II lautet nun “Rugged Design, Expressive Control“.Livid Base 2

Das von mir aus der Verpackung geschälte Testgerät erfreut das Auge durch reduziertes Design. Der BASE II, mit der Grundfläche einer Vinylschallplatte, könnte ein enger Verwandter des ABLETON Push sein. LIVID INSTRUMENTS verzichtet auf Encoder oder Fader und setzt dafür auf Touchstripes. Eine interessante Kombination: 32 anschlagdynamische Pads treffen auf acht “Kanäle” ohne bewegliche Teile. 100% steuerbar durch Berührung. Auch die Wahl des Einsatzfeldes obliegt dem Käufer zu 100% selbst, denn im Lieferumfang findet sich keine Vorgabe in Form einer Software. Hier dürfte auch ein Grund für das “bauhausmässige” Äußere zu finden sein: LIVID liefert eine Art “Blanko Controller”.

Livid Ergonomische Form

In der unteren Hälfte des 30mm flachen Korpus aus Aluminium (mit einer Softtouch-Oberfläche aus Kunststoff) sind acht Reihen zu je vier Pads angeordnet. Schnell den Taschenrechner befragt bleibt festzuhalten, dass 32 Pads ihrer Verwendung harren. Deren Größe beträgt 25mmx25mm, die Ecken angeschrägt. Alle Pads fühlen sich angenehm gummiert an und verfügen über Anschlagdynamik mit Aftertouch sowie eine mehrfarbige Hintergrundbeleuchtung. Seitlich der Padmatrix lassen sich, durch acht kleinere Buttons, verschiedene Funktionen anwählen. Die untere Kante des Gehäuses wurde abgerundet und bietet so beim Einsatz eine ergonomisch zuträgliche Auflage für den Handballen.

Livid Base Pads

In der oberen Hälfte werden die Pads mit acht touchsensitive Faderflächen und acht Touchbuttons zu einem nahezu klassischem Kanalzug ergänzt. Nur eben, dass es keine EQ-Regler oder sowas gibt. Der haptischen Einschränkung eines Touchfaders steht dessen fexible und mehrfach belegbare Nutzung gegenüber.  Vervollständigt wird der BASE II mit einem, ebenfalls touchsensitiven, “Masterfader” und einer kleinen Segmentanzeige.

Livid Base Anschluss

Der BASE II wird durch das beiliegende USB-Kabel mit dem Rechner verbunden. Um die Leuchtkraft der LEDs optimal auszunutzen ist ein Netzteil empfehlenswert. Der Anschluss dafür ist da, das Netzteil selbst kann optional zugekauft werden. Oder man nutzt ein Universalnetzteil mit den folgenden Spezifikationen: 9V / 2A / 18W / Stecker 5,5mm aussen / 2,1mm innen / Tip negativ.

Auf der Webseite des Herstellers werden ein Editor zum individuellen Tuning der Hardware und Presets sowie Anleitungen für die Integration in verschiedene Programme (Ableton Live, Bitwig, Reason, Traktor, FL-Studio etc.) bereitgestellt. Für die perfekte Zusammenarbeit empfiehlt sich der Download eines Remote Scripts von der LIVID-Seite. Kurze Videos begleiten Schritt für Schritt die Einrichtung der Software, was in der Praxis ein unkompliziertes Setup ermöglicht.

Ein weiteres Video erläutert die Voreinstellungen, unter welchen die Software (in meinem Fall ABLETON LIVE 9) mit dem BASE II zusammenarbeitet. Die Jungs bei LIVID haben einiges an Vorarbeit geleistet. Über vier der kleinen Buttons am rechten Rand der Hardware gelangt man in die Modi: Launch, Send, Device und User. Winzige LEDs, die hinter den Touchelementen liegen, ändern ihre Farbe entsprechend und das Display zeigt mit einem L, S, d oder u an in welchem Modus man sich gerade befindet. Die restlichen vier, der insgesamt acht Buttons zur Rechten dienen der Navigation. Zur Orientierung wird in der Clipansicht von LIVE ein Rahmen angezeigt, wie man ihn bereits in Kombination mit anderen Controllern kennt. Leider wird die Farbe der Clips nicht auf die Pad Hintergrundbeleuchtung übertragen. Hier sieht man nur ob ein Clip geladen ist (blau) oder ob dieser aktiv ist (grün).

Livid Base Zweitbelegung

Neben den Touchfadern kommt den Pads, mit ihrer Mehrfachbelegung, eine wichtige Rolle zu. Hält man zum Beispiel im “Launch-Mode” den Auswahlbuttons eben jenes Modi gedrückt, hat man über die Pads Zugriff auf Mute, Solo, Aufnahmebereitschaft und Stop des jeweilegen “Kanals”. Im Modus “Send” wandeln sich die Pads (bei einem MIDI-Clip / Device) in ein Keyboard oder die Bedienung eines Drumracks.  Woraufhin wiederum die kleinen Buttons (rechts) weitere Aufgaben, wie das Scharfschalten von Record, erfüllen. Ähnlich verhält es sich unter der Voreinstellung “Device”, hier kann man über die Pads bis tief in die jeweilgen Paramter hinabtauchen. Im Modus “User” schließlich kann man sich BASE II, über ABLETONs Midi-Learn, nach eigenen Vorstellungen belegen.

Livid Unterseite

Kleine Gummifüße sorgen für sicheren Stand

In der Praxis erschließt sich die Funktionsweise des BASE schnell. Das liegt vor allem daran, dass bereits bekannte Geräte wie das Launchpad, die APCs oder der Push ein ähnliches Konzept verfolgen. Die Touchfader sind eine Besonderheit, welche man aber “mögen muss”. Bei vielen Usern siegt Haptik über individuelle Funktionseinstellung. Unterm Strich ist BASE II eine vielseitig einsetzbare Fernsteuerung. Die Verbindung aus editierbarer Hardwarefunktion und mehrfach nutzbaren Modi schafft, zusammen mit den Möglichkeiten einer Software (Stichwort Makros) einen Fülle an Möglichkeiten. Eine Art Enigma, die man aber erstmal knacken muss. So das gelingt hat man ein Tool, welches sich individuell bis ins Detail anpassen lässt. Auch Anfänger kommen, dank der mitgelieferten Presets, schnell zu einem Ergebnis.

Nun stellen wir uns mal vor, ein Controller bedient nur eine Software. Auf der Hardware spiegelt sich jede Funktion in einert Beschriftung. Jeder Regler ist haptisch und auch nur wie in der Sofware vorgegeben zu nutzen. In Anlehnung an zwei Kinderspiele würde ich sagen “Memory Faktor 1”,  “Bäumchen wechsel dich Faktor 1”. Bedeutet: Man muss nicht weiter mitdenken, solange man das zugehörige Programm nutzt. Der BASE II würde von mir bei beiden Faktoren eine 9 von 10 bekommen. Fast das Maximum. In den Ansprüchen an die Beschäftigung mit der Hardware, aber auch in der Vielseitigkeit.

LIVID BASE II kostet 399 Euro und ist bei THOMANN erhältlich
Produktseite des Herstellers (englisch)

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