GEMA Yacast Monitoring

Die GEMA und die Gerechtigkeit

Eine junge Strophe im alten Lied. Die GEMA hat bei ihrem Projekt des “Diskotheken-Monitorings” einen neuen Partner. Aber noch immer die gleichen Probleme.

 

Es gibt in deutschen Landen einige Gesellschaften, die sich allgemeiner Anfeindung ausgesetzt sehen. Zum Beispiel die GEMA, die gern mal mit der GEZ verwechselt wird. Egal, weil “die kassieren beide für nix!”. Was natürlich Quatsch ist. Ein Vorurteil, welches durch Halbwissen gespeist wird. Und durch die Praxis der GEMA-Vermutung. Die besagt: alle Musik, die öffentlich aufgeführt wird, zählt zum GEMA-Repertoire. Dafür ist eine Gebühr zu entrichten. Punkt. Ein Fall von Beweislastumkehr, bei erschwerten Bedingungen der Nachweisführung.

Im Gegensatz zum Radio ist es Clubs oder Diskotheken nicht vergönnt eine Playlist für die titelgenaue Abrechnungen einzureichen. Folglich landen Gelder in einem Topf, die bei der Ausschüttung nicht die eigentlichen Urheber erreichen. Laut vorherrschender Meinung bekommt diese dann Dieter Bohlen. Trifft nicht zu, aber den Kern der Sache: den Verteilschlüssel der GEMA.

Ende 2013 gründete die GEMA mit der LiveKom eine Arbeitsgruppe. Das Ziel war bzw. ist “eine möglichst effiziente Identifikation und Tantiemenabrechnung der in Diskotheken und Clubs wiedergegebenen Musikwerke.” Also eine Verfeinerung des Diskotheken-Monitorings und irgendwie das Bestreben die Sache besser / gerechter zu gestalten.

In der Praxis werden seit wenigsten 2011(?) von den bei der GEMA erfassten 5000 Tanzbetrieben (jährlich?) 120 zufällig ausgewählt. In denen wird dann das Musikprogramm für eine Stunde pro Woche mitgeschnitten und anschließend ausgewertet. Partner war bisher Media Control,  Anfang 2015 übernimmt YACAST (laut Pressemitteilung “eine französische Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft, die auf die Untersuchung von Musikprogrammen in Medien (Radio, TV, Web, Diskotheken) spezialisiert ist“) die Auswertung des Monitorings. Die GEMA verweist auf positive Erfahrungen in Frankreich und der Schweiz, wobei im Zuge einer Anfrage beim Schweizer  Nationalrat dem YACAST-System eine Trefferqoute von 90% attestiert wurde.

Mir stellen sich einige Fragen. Um Manipulationen vorzubeugen, gibt die GEMA nicht bekannt, in welchen Tanzbetrieben mitgeschnitten wird. Es sind also irgendwo 120 geheime Geräte angeklemmt, die irgendwann Daten aufzeichnen und die irgendwie zur Auswertung bereitstellen. Transparenz geht anders. Ich kenne viele Clubs – aber keinen, in dem ein Monitoring stattfindet. Vermutlich verkehre ich in den “falschen Kreisen”, was allerdings der statistischen Grundgesamtheit unzuträglich wäre.

Nehmen wir mal an, die Grundlage der Datenerfassung ist ohne besondere Gewichtung auf alle Betriebe mit regelmäßigem Programm verteilt. Also Undergroundclub und Großraumdisko ebenso wie Dorfsaal und die Hotelbar. Schafft YACAST wirklich eine Trefferquote von 90%? So umfangreich kann keine Datenbank sein. “Verfremdungen” durch Mixkunst, Pitch oder Mashups lasse ich mal aussen vor. Wenn ich in einem Club mal Soundhound oder Shazam anwerfe, ist das Resultat ernüchternd. Wenn also YACAST über eine Killer-Datenbank verfügt, wieso kennt man deren App (Muzicenter) nicht? Ich notiere mir als Vorhaben einen Vergleich zwischen den Apps zur Musikidentifizierung.

Die GEMA-Alternative C3S hängt noch in den Startlöchern. In nächster Zeit wird sich am Monopol der GEMA nichts ändern. In Berlin wird derzeit an einem Monitoringsystem, speziell für Clubs, geschraubt. GTI arbeitet auf Basis des Bestandes des britischen Musikportals Juno(download). Zudem sollen Labels die Möglichkeit haben die GTI-Datenbank direkt zu füttern. Auch hier liegt die Trefferquote in aktuellen Tests bei magischen 90%. Ein interessantes Projekt. Um durchzubrechen, bräuchte es einen Deal mit der GEMA. Die verweigert bisher Playlisten … was ja eigentlich die simpelste Form eines Nachweises wäre. Nicht zuletzt gibt es noch die Bestrebungen von PIONEER. Mit KUVO will man netzwerken und Daten sammeln. Was zumindest im digitalen Bereich vollautomatisch zu realisieren wäre.

Auf lange Sicht werden die Datenbanken größer und die Algorhithmen der Erkennung besser.  Die GEMA muss sich mit den Clubs einigen und den schwellenden Streit um Tarife und Abrechnungen beilegen. Nicht zuletzt muss derjenige Geld für sein Werk erhalten, der es geschaffen hat. Auch da existieren bereits Modele, denen bei aller Globalisierung nationale Einschränkungen gegenüberstehen. Zu glauben, die GEMA wäre an einer absolut (!) gerechten Aufteilung interessiert, ist in etwa so, wie der Rügenwalder Mühle abzunehmen, beim vegetarischen Schinkenspicker gehe es um Reduzierung des Fleischkonsums.

Wie Rügenwalder reagiert auch die GEMA. Auf Kritik, auf technische Entwicklungen, auf geänderte Ausgangsbedingungen. Ein alte Dame braucht aber Zeit. Leider mindert das Alter die Flexibilität. Und an Unkompliziertheit mangelt es einem Verein, der oft als staatliche Behörde wahrgenommen wird, naturgemäß.

Ein gangbarer Weg beim konkreten Problem wäre Top40 Läden über YACAST und “Underground Clubs” über GTI zu monitorisieren. Die Läden dazwischen, auf freiwilliger Basis, mit eingereichter Playlist. Da hätten wir zumindest im “Deejay-Bereich” ein wenig mehr Gerechtigkeit. Oder zumindest das Gefühl dieser. Aber los geht es am Fundament: solange Deejays ihre Tracks bei Youtube rippen, brauchen wir nicht über das Dach eines Hauses reden.

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