Pioneer XDJ-1000 test

Review – PIONEER XDJ 1000

CDs sind Neunziger. Der neue “Multi Player” von PIONEER kommt ohne aus. Dafür hat er andere Stärken. Dieses Review erklärt welche das sind.

 

Mit dem XDJ-1000 hebt PIONEER eine neue Serie von Geräten aus der Taufe. Es geht weg von der CD und – zumindest teilweise – auch weg vom Computer.  2015 wird vernetzt, Daten kommen vom Stick und natürlich darf ein Display nicht fehlen.

Pioneer XDJ 1000 review

Erster Eindruck -> Der XDJ-1000 ist ein Leichtgewicht. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass er 3,3kg wiegen soll. Das mag am Gehäuse aus Kunststoff oder auch an einer gewissen Zerbrechlichkeit liegen, welche das große Display vermittelt. Dieses dominiert mit seiner Diagonale von sieben Zoll ein gutes Drittel der Oberfläche des Gerätes. Der verbleibende Teil wird von einem 203mm Joghweel eingenommen, baugleich mit dem des Flaggschiffs CDJ-2000NXS. Die restlichen Bedienelemente sind in Anzahl und Anordung sehr überschaubar.

Jogwheel und Details

Rechterhand des Jogwheels haben wir einen 100mm Pitchfader, eine Umschaltung für die Pitchbereich (+- 6/10/16%/Wide=100%). Dazu kommt der Button zur Aktivierung eines Master Tempos, die Einstellung der Nutzungsart (CDJ/Vinyl) und ein Regler für die kombinierte Touch/Release-Empfindlichkeit des Wheels.  Linkerseits finden sich Start/Pause/Cue sowie die Track Search-Buttons. Weiterhin, mit REV, ein Taster zur Änderung der “Abspielrichtung” und drei Buttons die Loopfunktion betreffend.

XDJ 1000 Display

Das wars an physischen Elementen, weitere Performancefeatures laufen über ein touchfähiges Display, welches links von einem USB-Steckplatz und rechts von einem griffigen Pushencoder gerahmt wird.

xdj-1000 anschlüsse

Auf der Rückseite des Gerätes gibt es einen USB-Typ B Anschluss für einen Rechner, eine Netzwerkbuchse sowie Audio Out, als Cinchpaar. Die Spannungsversorgung kommt über einen Eurostecker, ein 3,5″ CONTROL-Eingang wartet auf eventuelle Verwendung mit dem Faderstart eines Mixers und ein Kensigton Lock Slot ist auch vorhanden.

Vorbereitung-> Mehr denn je ist die Software REKORDBOX wichtiger Bestandteil des Konzepts. Was sich beim CDJ-2000 oder Aero bereits andeutete. Erhältlich für WIN, MAC, iOS und Android dient diese der Vorbereitung von Tracks, die anschließend auf kompatiblen Endgerät abgespielt werden. Im Ursprung basiert Rekordbox auf Cross von MIXVIBES. PIONEER umschreibt das Programm als “iTunes für DJs“, was es ganz gut trifft. Ein mächtiges Tool zum Managment und zur Vorbereitung von Musik, speziell für den DJ-Einsatz. Darüber hinaus kann Musik aus Rekordbox aber auch über USB, LAN oder WiFi auf den XDJ-1000 “gestreamt” werden. Man könnte den XDJ-1000 daher durchaus als eine Art “Netzwerkplayer” sehen.

rekordbox und kuvo

Um Rekordbox zu nutzen, ist es notwendig ein Konto einzurichten. PIONEER verbindet das (im doppelten Wortsinn) mit seinem Netzwerk KUVO. Ist die Hürde genommen, können erste Tracks über die klar strukturierte Oberfläche von Rekordbox importiert werden. Unter den auszuwählenden Sprachversionen ist auch deutsch, was für manchen Zeitgenossen ein nicht unwesentliches Kriterium ist.

rekordbox browser

Importierte Titel werden analysiert und mit kleiner Waveform, Cover und weiteren vorhandenen Informationen in einem Browser angezeigt. Anschließend lassen sich Playlisten erstellen, Trackinfos bearbeiten oder Songs per Vergabe eines “Sternsystems” bewerten. Über die zoombare Waveformdarstellung eines ausgewählten Songs, in einem Player, kann man komfortabel Cue-Punkte und Loops setzen. Ähnlich wie MIXED IN KEY kann Rekordbox zudem die Tonart eines Titels analysieren. Rekordbox verfügt über eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten und Features, deren Details an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden. Um es kurz zu machen: Rekordbox ist mehr als nur eine simple Managementsoftware. Es ist die Grundlage für eine optimale Performance an der Hardware.

rekordbox xdj 1000 usb sync

Praxis – > Der XDJ-1000 spielt MP3, WAV, AAC und AIFF Dateien. Ich übertrage via “Sync Manager” testweise eine kleine Auswahl von acht MP3 auf einen einfachen 32GB USB-Stick, für den ich auch eine “Hintergrundfarbe” wählen kann.  Ebenso ist es möglich individuelle Voreinstellungen zu exportieren, welche dann am XDJ-1000 geladen werden. In der gewählten farblichen Codierung blinkt der USB-Port des XDJ-1000, nachdem der Stick damit verbunden wurde. PIONEER lobpreist dieses Feature, mir wird der Zugewinn nicht sofort klar.

Display -> Das farbige LCD Touch-Display konfrontiert den User mit einer Vielzahl von Informationen und Möglichkeiten auf kleinem Raum. Die 7″ lassen sich in etwa 15cm Breite und eine Höhe von 8,5cm übersetzen. Ein Platz, den PIONEER in Fortführung bereits existenter Modele (Display / Buttons beim CDJ-2000NXS) nutzt, um über “Touch” die drei Sektionen “Browse, Play, Perform” zugänglich zu machen.

xdj-1000 display

Browse / Play -> Für die Keywortsuche steht eine virtuelle QWERTY-Tastatur zur Verfügung. Es kann aber auch nach verschiedenen Kriterien (Artist, Titel, Key, etc – persönlich fehlt mir die Option BPM) durch den Inhalt einer Datenquelle gebrowst (gibts das Verb?) werden. Dazu nutzt man den erwähnten Pushencoder, rechts vom Display, denn die Touchfunktion scheint in dem Fall nicht vorgesehen. Im unteren Bereich des Display wird eine Waveform des geladenen Tracks dargestellt. Mit der Funktion “Needle Search” läßt sich hier, durch Berührung, zu einer beliebigen Stelle im Track springen. Im Zentrum des Displays visualisiert ein zoombarer Ausschnitt der Waveform den Bereich um die aktuelle Position im Titel. Ganz so, wie man es von TRAKTOR und Co kennt. Weiterhin werden Informationen zum aktiven Track, zur Laufzeit, zum Tempo, der Tonhöhe und so weiter angezeigt. Auch die Auto Loop Funktion ist hier “auszuklappen”. Spielt man mit mehreren (vernetzten) XDJ-1000 wird über ein Phasemeter deren Synchronität ermittelt. Natürlich – und auch das ist von einer Software übernommen – lassen sich vernetzte Player SYNCen.

xdj-1000 perform

Perform -> In diesem Modus werden auf dem Display Buttons zur Steuerung der neuen Funktionen “Quantize Beat Jump” und “Loop Move” eingeblendet.  Über die kann ein Beat oder ein Loop, während der Wiedergabe, nach vorn oder hinten “verschoben” werden. Auch die Cue-Punkte werden in diesem Modus angewählt.  In der Praxis braucht es einige Zeit um sich einzugewöhnen. Ist das einmal geschafft, arbeitet es sich ganz annehmbar über das Display. Wer schon einmal mit DJ-Software konfrontiert wurde, wird einige Features (Slip Mode, Quantize, Loops, Cues) und die farbige Anzeige der Waveform wiedererkennen. Im Prinzip hat PIONEER genau das versucht umzusetzen: eine DJ-Software im Gehäuse eines Players.

Jogwheel

Bedienung -> Das große Jogwheel, mit seinem Mitteldisplay wurde vom CDJ-2000NXS übernommen. Leider bleiben die Möglichkeiten der getrennten Feinjustierung (konkret: Adjust / Touch / Release) dem 2000er vorbehalten. Trotzdem darf man von einem Standard sprechen. Das trifft auch auf den Pitchfader und die Transportsektion zu. Hier gilt: Kennste einen, kennste alle.

Vernetzung -> An dieser Stelle denkt PIONEER in die Zukunft. Der XDJ-1000 kann über die Option LINK in ein Netzwerk aus passenden Geräten eingebunden werden. Das geht von der Zusammenarbeit mehrerer Player / Computer / Mobil Devices bis zur Idee auch drahtlos Musik abzugreifen. Wir halten fest: Neben Musikfiles werden auch Playlisten, Loops, Cues und individuelle Einstellungen übertragen. Das ist direkt (Stick am XDJ) möglich, über USB-Kabel (iPhone auf dem Rekordbox läuft) oder über einen Netzwerk- bzw. WLan-Router. Das iPad wird seltsamerweise nicht per USB-Plug unterstützt. iPhone und iPod – laut Manual – hingegen schon. Um ein iPad einzubinden, wäre über das WiFi eines Routers zu gehen. Auch Rekordbox auf einen Rechner mit dem XDJ anzusteuern ist nur über den Umweg des Routers möglich. Schade, weil mangels Router ein tiefergehender Test ausbleiben muss..

Beispiel Connection

Wie im echten Leben werden beim Livebetrieb des XDJ-1000 jede Menge Daten (History etc) aufgezeichnet. Diese stehen zur nachträglichen Auswertung und Verwendung bereit. Finale soll damit wohl das firmeneigene DJ-Netzwerk KUVO gefüttert werden.

Serato DJ Ready ab 1.7.3

MIDI und Serato DJ -> Über USB mit einem Rechner verbunden fungiert der XDJ-1000 als MIDI-Controller für kompatible Software. Im Fall von SERATO DJ funktioniert das ab Version 1.7.3 plug`n play über HID. Beachten sollte man, dass genügend USB-Ports frei sind. Denn neben den Playern will auch das (leider parallel notwendige) SL-Interface angeschlossen sein. Darüber wird auch der Sound ausgegeben. Elementare Funktionen – Browsen, Song laden, Cue-Punkte, Loops (aber ohne das erwähnte Loop Jump) – können über den XDJ gesteuert werden. Eine detailierte Waveform oder Trackinfos werden nicht abgebildet, die Tracklist aus SERATO DJ wird hingegen auf dem Display angezeigt.

Fazit -> Mit diesem Media-Player ist PIONEER auf dem richtigen Weg. Aber lange nicht am Ziel. Verzicht auf das CD-Laufwerk:  nachvollziehbar. Netzwerkeinbindung / Rekordbox: zukunftsweisend und ausbaufähig. Besonders der Zugriff auf eine zentrale Musikbibliothek erinnert an Zeiten, als alle DJs den Plattenbestand einer Diskothek nutzten. Fragt sich, ob man damit GEMA spart. Dann wären Clubs die Zielgruppe. Zumindest bis der erste DJ mit CDs anrückt.

Was ist noch zu werten? MIDI / HID: Bonus. Touch statt Haptik: Streitfall. An dem Punkt scheiden sich die Geister. Die einen freuen sich über viele Optionen auf kleinem Raum und eine gewisse Flexibilität bei Updates, die anderen brauchen “echte Buttons” und haptisches Feedback.  Persönlich hätte ich Cue- und Co auch lieber “in echt” – was dann bei einem XDJ-2000 denkbare wäre. Der könnte auch einen digitalen Ausgang und ähnliches mitbringen. Womit ich zu Wunschvorstellungen komme.DisplayfrageHirnfasching -> Wozu bitteschön benötigt man bei der Kopplung von zwei oder mehr XDJ-1000 eigentlich zwei oder mehr Displays? Wäre es nicht cleverer ein gemeinsames Display am Mixer zu integrieren und die vernetzten Player – mit paar mehr haptischen Elementen – nur zur Steuerung zu nutzen? Im Mixer sind dann – wie bereits üblich – Effekte verbaut, das Display steuert diese X/Y-mässig. A la Kaoss-Pad. Der Mixer hat natürlich neben USB auch einen Slot für SD und SSD sowie ein Audiointerface, welches mit dem DVS-Feature von TRAKTOR und SERATO ohne “Donglezwang” kompatibel ist. USB-Port braucht man nur einen, weil der Mixer einen Hub verbaut hat. Zusätzlich kann Musik über integriertes WiFi gestreamt werden … und es gibt ein nachrüstbares Modul mit CD-Slot für alle, die nicht von diesem Medium lassen können. Schlussendlich erhalten User, die den  XDJ-1000 “solo” nutzen wollen ein Display, welches aufgesteckt wird.  Modular is King! Alles zusammen kostet nicht mehr als dreiunddrölfzig Mark. Womit ich meinen Denkfehler gefunden habe.

Okay Okay … lassen wir das. Spass Ende. Mit dem kommenden XDJ-RX zeigt PIONEER wohin deren Evolutionsidee geht. Stand Alone, zentrales Display, Mixer mit Effekten. Macht in meinen Augen mehr Sinn, als ein XDJ-1000 – für das Geld. Aktuell sind nämlich 989 Euro zu berappen.

Schauen statt lesen -> mein Video zum XDJ-1000

PIONEER XDJ-1000 bei THOMANN
Produktseite beim Hersteller (deutsch)

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