Stems Native Instruments Audio Format Multitrack

STEMS – Multitrack Audio Format

NATIVE INSTRUMENTS stellt mit STEMS ein neues Dateiformat vor, welches von der Idee her nicht wirklich neu ist. Aber es könnte in dem Fall tatsächlich ein Meilenstein im digitalen DJing werden.

 

Die letzten Controller von NATIVE INSTRUMENTS – der Kontrol S8 und der jüngst angeteaserte D2 – verzichten auf Jogwheels. Dafür versucht der Hersteller weiterhin die Remixdecks der Traktor-Software – für deren Steuerung anfänglich der Kontrol F1 konzipiert war – zu etablieren. Bisher scheint der Erfolg nicht durchschlagend. Trotz der Remixsets, spielfertige Loop- und Samplesammlungen, mit denen NATIVE dem geneigten DJ viel Vorbereitungsmühen abnimmt. Mit STEMS geht NI einen Schritt zurück, gleichzeitig könnte es der entscheidende Schritt nach vorn sein. Vielleicht, wenn die Strategie aufgeht.

Was ist STEMS? -> Ein offenes Multitrack Audio Format, welches einen Track in vier Einzelspuren enthält. Also zum Beispiel Drums, Bass, Melodien und Gesang – jeweils extra. Damit können DJs diese separaten Spuren mischen oder klanglich bearbeiten. Eine gute Basis für “Live-Remixing”. Im Gegensatz zu den Remix Sets sind die vier Einzelspuren zeitlich feststehend arrangiert. Zu den vier “Einzelspuren”  kommt als fünftes File das “Original” des Tracks. Dadurch kann ein STEMS File auch herkömmlich abgespielt werden, sofern die Software oder der Player mit MP4 klarkommt.

Wie geht das technisch? -> Der Artist / Producer extrahiert aus seiner Produktion vier (ungemasterte?) Einzelspuren und packt die, plus das Master, mit dem kostenlosen “Creator Tool” als STEMS-Files zusammen. Grundlage sind AIFF oder WAV Files, diese werden in AAC / MP4 encodiert. Die Dateigröße liegt (abhängig von der Länge) bei “viermal MP3” also etwa 60-90 MB. So zeigt es das Video / Wissensstand aktuell. Der DJ kauft das STEMS-File bei Beatport, Junodownload und Co und kann diese in seiner Soft- bzw. Hardware nutzen. Die muss “STEMS” unterstützen. Der erste Controller für das neue Format dürfte der “KONTROL D2” sein.

Und? -> Nun sind vier Spuren nicht wirklich viel. In der analogen Welt gab es das bereits vor mehr als fünfzig Jahren.* Mit MT9 oder Mogg Files existieren bereits ähnliche Projekte. Wo liegt der Vorteil des neuen Formats? Die Antwort ist: in der Software. Erstmal ist das natürlich Traktor Pro 2. Wie das Video von DJTECHTOOLS zeigt, wird ein STEMS-File im (Stem)-Deck abgespielt. Die einzelnen Spuren sind (“DAW-like”) sichtbar, farblich codiert und über einen Controller zu steuern.

Traktor Stem Deck

Anzunehmen, dass  andere bald Soft- und Hardwarehersteller nachziehen. NI hat das Format sicher auch aus diesem Grund offen gehalten. Außerdem soll ein kostenloser STEMS-Creator für mehr verfügbare Files und somit für mehr Attraktivität des Konzepts sorgen. Nicht zuletzt wäre ein solches Format – sofern erfolgreich – in etwa dass, was einmal Final Scratch war. Eine wichtige Wegmarke in der Evolution des Auflegens.

Was an Fragen derzeit offen ist: Wird es STEMS auch unkomprimiert und – irgendwann – mit mehr als vier Spuren geben. Wird die Summe der Einzelspuren klanglich und umfänglich identisch sein, mit dem “Mastertrack”?. Oder kann der Producer festlegen, dass es z.B. wenige ausgewählte Sounds als STEM-Spur gibt? Wird man die STEMS-Spuren “extrahieren” und in einer DAW, wie Ableton Live, nutzen können?

Stem Logo

Was wohl Ableton zum Logo sagt?

Was spricht dagegen? Ich persönlich finde: nichts. Ich bin allerdings vor Jahren mit einer fast identischen Idee zur Popkom gereist, um da Labels für ein solches Format zu gewinnen. Fanden die auch dufte, weil ein STEMS-File läßt sich teurer verkaufen, als ein MP3. Einwände kamen von den Artists. Ganz Künstler, verspürten die keine Muse, dass irgendein Honk ihr Werk nach seinem Gusto neu bearbeitet oder abmischt. So könnte es noch immer sein. Ich hoffe allerdings auf einen Durchbruch. Als Freestyle-Mashup DJ wären STEMS genau mein Ding. Nun heißt es bis Juni 2015 warten. Oder bis zur Musikmesse. Wenn alle “STEMS” sagen, sind die Weichen gestellt.

* Nebenbei -> Timeline der Audio-Formate

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