Bobby Hebb

Bobby Hebb “Sunny”

Einer der am häufigsten gecoverten Songs aller Zeiten, ein Lied, welches Samplegrundlagen für etliche Hits lieferte und nicht zuletzt einer meiner Alltime-Faves: Bobby Hebbs “Sunny”.

 

Die Coverversionen dieses Liedes füllen ganze Compilations, dabei sind die bekanntesten Titel noch nicht mal darunter. Viele Leute singen die Zeilen “Yesterday my life was filled with rain …“, nicht alle kennen die Geschichte dahinter. Also zurück in die 1960er Jahre.

Am 22.November 1963 wird John F. Kennedy in Dallas erschossen, einen Tag später stirbt Bobby Hebbs älterer Bruder Harold – mit dem er zusammen in Hebb’s Kitchen Cabinet Orchestra auf der Bühne stand, seit er drei Jahre alt war – bei einer Messerstecherei. Bobby Hebb verarbeitet beide Ereignisse in einem Lied, nach eigener Aussage “volltrunken”. Es gelingt ihm ein Geniestreich. Ein Song der melancholisch, entspannt und zuversichtlich zugleich ist. “Sunny”, als Gegenstück zu “Lousy”. „Alles, was ich wollte, war an glücklichere Zeiten zu denken“. Ein musikalisches Heilmittel.

Noch vor “Sunny” von Bobby Hebb (1966) gab es eine Veröffentlichung in Japan (Mieko Hirota) und eine Instrumentalversion des Vibraphonisiten Dave Pike.  Pikes indisch angehauchtes “Mathar” ist, nebenbei erwähnt, ein Pflichtstück, wenn man funky Rare Groove mag.

Viele coverten Bobby Hebb. Auch die ganz Großen: Cher, Frank Sinatra, James Brown. Den größten Erfolg, aus europäischer Sicht, fuhr aber Franz Reuther ein. Besser bekannt als Frank Farian. Der Mann hinter Milli Vanilli, La Bouch oder Boney M. Diese exotisch inszenierte Tanzbrigade, 1A Zeitgeist der siebziger Jahre, landete 1976 einen Top-10 Hit mit “Sunny”. Zum Einstieg ein Flanger-Effekt, als hätte Farian schon einen DJM500 im Studio gehabt. Krrr. Schönes Zeitdokument, das Video. Boogie Nights on Öffentlich Rechtliche. 😀

Die Boogie Pimps und Mousse T mischen dem Boney M “Sunny” zeitgemäße Beats unter. Eben das, was man so in den Nullerjahren unter “Sexy Disco Club Mix” (sic!) verstand. The Prodigy liehen sich einen Drumloop und Justice zerstückelten – für D.A.N.C.E – die Streicher.

Noch deutlicher inspiriert zeigt sich der junge Mark Ronson. In “Ohh Wee” kippt er den Track Richtung Hip Hop. Mit dabei sind Ghostface Killah, Nate Dog und eine dominante Cowbell. Noch vor dem “Original” kam mir seinerzeit ein Mashup mit Quantics “Don`t Joke Withe A Hungry Man” unter.

2011 schaffte Chimperator nach über zehn Jahren Existenz den großen Durchbruch als Label. Der Grund: Ein Rapper mit Pandamaske sprechsingt auf “Sunny”: Cro mit “Easy”. Ein Volltreffer der jüngeren deutschen Popgeschichte. Auch da gibt es Mashups: Cro`s Vocals auf Jets “Are You Gonne Be My Girl” oder die Absoluten Beginner auf “Easy”.

“Sunny” würde mit dezentem 4/4 Beat auch gut auf die morgentliche Tanzwiese bei der Fusion passen oder zu den Bachstelzen. Bar 25, Katermukke, Tropical House (ohne es zu wissen). Dachten sich auch Umami, die “Sunny” 2014 das passende Klanggewand verpassten.

Die erste Interpretation kam von einer Japanerin, die aktuellste von zwei Berlinern, die sich nach der japanischen Bezeichnung des fünften Geschmacksinns benennen. Der Kreis ist rund.

Trotzdem ein Abstecher, zurück in die siebziger Jahre und zu meiner zweitliebsten Sunny-Version. Etwas mehr Uptempo, mit Orgel und live: Johnny Rivers. Bobby Hebb, der 2010 verstarb, liegt allerdings deutlich vorn und erreicht bei mir genau dass, was er im Sinn hatte.

“Sunny” is your disposition. You either have a sunny disposition or you have a lousy disposition. Either you’re screaming at someone and angry, or you say, ‘No, uh-uh, I’m not angry. Let’s discuss this thing in a nice and pleasant way.’ Well, that pleasant way is a sunny disposition.(*)


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