Bericht Musikmesse 2015

Musikmesse 2015 – Neuheiten aus DJ-Sicht

Da die Musikmesse 2015 mit dem deutschen Finale der Red Bull Thre3style Battle zusammenfiel, gab es für mich gleich zwei Gründe, nach Frankfurt zu fahren. Ein Bericht.

 

Alle Jahre wieder führt mich der Weg einige hundert Kilometer in den wilden Westen. In Deutschlands einzige Stadt, die so ist, wie man sich eine Großstadt vorzustellen hat. Der Anlass ist die Musikmesse, wenn auch – ehrlich gesagt – deren Attraktivität zuletzt abgenommen hat. Momente verzückter Schnappatmung sind selten. Neuheiten kennt man von der NAMM oder der BPM-Show. Vielleicht bin ich auch nur zu abgeklärt. So wie wichtige Player – sagen wir mal Native Instruments – die dem Treiben gleich ganz fernbleiben. Im doppelten Sinn, doch dazu später.

Als erstes steuere ich gewohnheitsmäßig Halle 5.1 an. Dort ist eine Hälfte des oberen Stockwerks mit DJ-Technik und ähnlichem Kram durchsetzt. Ebenfalls Tradition sind Erstbesucher, die der aufgerufenen Preise für Speisen und Getränke gewahr werden. Popeliger Hot Dog: 4 Euro. Asiatische Ramennudeln aus einem kleinen roten Eimer: 7,50 Euro. Frankfurter Würstchen … ach hör mir uff, wir sind wegen technischer Dinge hier.

Monitor Stand

Ein asketisch eingerichteter Stand

Zum Beispiel Monitorboxen. Mehrere Stände in Folge. Der erste – edel gestylt – nutzt Dubstep als Testsound. Beim nächsten Stand wird es minimalistischer. Biertisch, Tuch drüber, Box drauf, chillige chinesische Lautenmusik an. Heimatgefühl – denn aus Fernost kommt auch der Anbieter. Überhaupt verzeichnet ein Erinnerungsabgleich auf der Etage einen erneuten Zuwachs an Pianos und eine geringere Anzahl DJ-typischer Stände. Einst großflächig präsente Hersteller und Vertriebe geben sich genügsam. Dafür expandieren andere. Wie etwa der schwedische Synth- und Drum Maschine Hersteller Elektron. Ich werde es später bestätigt finden: analoge Klangerzeugung liegt noch immer schwer im Trend.

Die erste Menschentraube staut sich bei meinem Homie Eskei83. Der aktuelle Thre3style World Champion zeigt sich stilecht in einem Hoodie seines Labels Crispy Crust und mischt zu vormittäglicher Stunde schon wieder fleißig die Genres. Jedesmal ein Fest ihm zuzusehen. Und noch schöner ist es zu sehen, wie Leute reagieren, wenn sie checken, was der Typ da eigentlich treibt. Von Led Zeppelin zu Trap in unter einer Minute. Bravo! Eigentlich geht es um den Rane Sixty Two, was Eskei abschließend auch erläutert.

Rane TTM57MK2

Rane TTM57 MK2

Wir befinden uns also am Stand von Rane, wo es auch den TTM57MK2 (Preis 2199 Euro) zu sehen gibt. Sowie den wirklich sehr schönen MP2015.

Rane MP2015 Traktor Zertifikation

Rane und Traktor. Ein Team?

Ein ultrastylischer Rotarymixer (Preis 3399 Euro), neben dem ein Kontrol X1 steht. Zugespielt wird über Traktor, mit einer TA6-Soundkarte. Wenn man nun weiß, dass Rane eigentlich ganz dicke mit Serato sind, verwundert das etwas. Oder es lässt die Vermutung zu, dass da vielleicht eine Kooperation mit Native Instruments kommen könnte. Zumal der MP2015 über ein internes Dual-Audio Interface verfügt.

Xone:43C

Allen & Heath Xone:43C unter DJs Fingern

Die Früchte einer anderen Zusammenarbeit lassen sich direkt gegenüber betrachten. Bei Allen & Heath ist der neue Xone:43C Mixer (UVP 1099 Euro) zu sehen. Inklusive Soundkarte und mit Serato als Software. DVS geht ohne sonst nötige SL-Box, sofern man das DVS-Kit von Serato besitzt.

Reloop RMX 22i

RMX22i, gibt es auch als Dreikanalmixer (RMX33i)

Bei Reloop nebenan werfe ich einen kurzen Blick auf zwei weitere Mixerneuheiten. Der RMX22i (249 Euro) und sein dreikanaliger Bruder RMX33i (299 Euro) können in Real Life den Eindruck bestätigen, den man schon über Bilder gewinnen konnte. Solide verarbeitet, Effekte, durchdachte Features, eigentlich nichts falsch gemacht. Nur mit den Potikappen werde ich nicht so richtig warm. Ich leide allerdings auch unter eclerscher Verwöhnung.

Reloop Beatpad 2

Spielt mit iOS Devices und an PC / MAC: Beatpad 2

Außerdem ist das Beatpad 2 ausgestellt. Spielbereit mit einem iPad, auf dem die Djay-App läuft. Ein kurzer Test führt zu dem Schluss, dass meine Vorurteile schlimmer sind als die Realität. Punktgewinn fürs Beatpad 2.

Turntable als Gitarre

Turntable + Gitarre = Scratchocaster

Zwischendrin eilt Viny’ Lourd Son umher und präsentiert seine Erfindung. Die Scratchocaster. Namentlich angelehnt an Fenders Gitarrenklassiker, vom Konzept dem folgend, was Vestax vor Jahren mal in minimalster Stückzahl hatte: ein Turntable in einem Gitarrenkorpus. Inklusive Mixer und mit einigen Elementen zur Performancesteigerung. Leider lässt sich das Teil nur trocken bewundern. Ein Anschluss ist dran, aber nichts woran man die Scratchocaster anschließen könnte. Aber es gibt ja Youtube und dort ein Video von der Scratchocaster in Aktion.

Pioneer Booth

Wie in der Duty Free Zone: Pioneer

Pioneer hat einen Stand hingeklotzt, der an den Duty Free Shop eines Flughafens erinnert. Damit meine ich nicht Dresden International, sondern eine Destination, an der sich Geldströme kreuzen. Dubai oder so. Krasses Ding und viele Interessenten. Befummelt werden die üblichen Verdächtigen aus der Familie derer mit drei Buchstaben. DJM, CDJ, DDJ, XDJ – gern auch in Goldlack.

Pioneer Monitor BoxenHinweis

Neu sind die beiden Studio-Monitore RM 05 und RM07 mit warnendem Hinweisaufkleber. Auch noch recht frisch ist das DJ-System XDJ-RX (Preis 1499 Euro) und die Idee vom Netzwerk Kuvo, die Pioneer promotet.

Pioneer XDJ RXXR Display

Zwischendurch eine kleine Anekdote. Ein Dialog zwischen Pioneer-Fachberater und Mr.DJ. Spielort vor einem XDJ-RX, bei dem die Musik von einem USB-Stick kommt.
DJ: Geiles Teil. Sieht gut aus. Will ich. Mag keine Computer.
Pioneermann: Der braucht keinen Computer, Musik kommt hier vom Stick.
DJ: Ich hab über 70.000 Songs. Das hier ist nichts für mich.
Einwurf Ich: Aber eine Art Computer ist doch jetzt irgendwie eingebaut. Software läuft jetzt halt direkt auf dem Gerät.
Ratlose Blicke, Abgang ich. Auch 2015 ist die Messe wie immer. “Wenn Du denkst, besser geht`s nicht mehr, kommen irgendwo neue Ansprüche her.” Freuen wir uns also auf den XDJ-RZ mit vier Kanälen und interner 1TB-Festplatte.

Serato auch bei Hercules
Auffällig ist die Dominanz von Serato. Nahezu alle Hersteller präsentieren – wie hier Hercules –  ihre Hardware mit der Software aus Neuseeland. Traktor ist – abgesehen von der genannten Ausnahme am Rane MP2015 – nirgends zu sehen. Native Instruments ohnehin nicht. Scheinbar knüpfen die bei Poolpartys in Miami die besseren Kontakte.

Numark NS7IIIAkai MidiMix

Es fehlen auch andere Marken. InMusic ist mit Numark und Akai vor Ort. Produkte von Denon, Alesis und M-Audio sucht man vergebens, obwohl die aus dem gleichen Haus kommen. Bleibt also abzuwarten, ob die auf der NAMM angekündigten Sachen – wie die Denon DVS-Box DS1 – zeitnah in den Handel kommen. Vom NS7III (1599 Euro, ab Mitte des Jahres erhältlich ) war immerhin ein blinkendes Produktsample ausgestellt. Und nicht zu vergessen, der DAW-Controller fürs kleine Budget: der MidiMix (UVP 99 Euro).

Roland Aira Stand

Bissl retro geht immer: Roland Aira Serie

Roland scheint ein Coup gelungen. Durch die Aira-Serie fühlt man sich an diesem Stand ein bisschen wie früher bei Schneiders Büro. Viele Leute, welche typisch grün schimmernde Gerätschaften antesten. Ein weiterer Beleg des eingangs schon erwähnten Trends zur Retro-Klangerzeugung.

Synth Paradis

“…you like Synth?” fragte hier ein Banner.

Nebenan finden sich dann die sympathischen Nerds. Ein Geblinke und Geschnarze, je mehr Patchkabel, umso besser. Man sieht ältere Herren mit grauen Haaren, die bestimmt noch wissen, in welchem Laden sie das erste Album von Kraftwerk gekauft haben. Und man sieht junge Menschen mit Dreads, die sich schon mal eine musikalische Vorfreude auf die sommerlichen Goa-Festivals holen. Damit Ende meiner Stereotypensammlung – die es übrigens auch in der Gitarrenhalle gibt. Ein Metalfan muss aussehen, wie ein Metalfan aussehen muss. Zum Gitarrenriff wird der Head gebangt, auch wenn die Hallenordungstruppe auf einen Pegel von 85dB besteht. Live gemessen vor Ort.

DJ Tech DJ REc

Bei DJ-Tech ist eine interessante Entwicklung zu verzeichnen. Früher der Inbegriff für billige Plattenspieler in grellen Farben, gelang es diesem Hersteller preiswerte Mixer anzubieten, die in Qualität und Ausstattung mehr Leistung boten, als Preis aufgerufen wurde.

DJ Tech L-One

Seit einiger Zeit ist mit dem L-One auch ein spezieller Minimixer für vier Eingangsquellen angekündigt. Hinter der Bezeichnung DJ-Rec verbirgt sich ein kleines Recording-Tool, mit dem man Audiomaterial aufzeichnen und abspielen kann. Und dann war da noch die Boombox … ein batteriebetriebener Amp im Look eines Ghettoblasters.

Moop Mama Live

Moop Mama live

Mittendrin spielte die vielköpfige Hip Hop Blaskapelle Moop Mama. Unplugged, selbst der Vocalist begnügte sich mit einem Megaphon. An sich nachvollziehbar, liegen die Wurzeln der Combo doch auf der Straße. Das Treiben fand am Stand von Beyerdynamic statt. Die ja vor allem Kopfhörer und Mikros anbieten. Aber auch ohne sichtbare Produktplatzierung konnten die Münchner reichlich Aufmerksamkeit einfahren.

Korgs neue Electribe
Bei Korg waren alle Neuheiten vereint, die in letzter Zeit angekündigt wurden. Neben der wiederbelebten Electribe (449 Euro) bzw. Electribe Sampler (449 Euro) ist der Kaoss DJ (bereits im Handel, 349 Euro) der dritte im Bunde. Die kleine Kombi aus Mixer, Controller und Kaosspad befindet sich gegenwärtig auf meinem Seziertisch. Ein Review folgt also in Kürze.

Hammond Orgel Keyboard

Was gab es sonst noch? Bei Hammond vermutete ich anfänglich eine museale Ausstellung, durfte bei näherer Betrachtung aber feststellen, dass auch aktuelle Geräte eine Vintage-Optik pflegen. Wie auch einige der enthusiastisch aufspielenden Organisten.

Monster Go DJ

Pfiffige Koreaner präsentierten das vermutlich kleinste DJ-System überhaupt. Monster Go DJ: ein Paar Touch Displays und eine Art Mixer, die zusammen das Format zweier aneinandergelegter Smartphones haben. Alles ziemlich fummelig und von den beiden Playern ließ sich nur einer scratchen. Der zuständige Fachmann versuchte mir in Gebärdensprache was zu erklären. Die Message erreichte mein Hirn nicht, woraufhin sich der feine Herr wieder seiner Nudelsuppe widmete. Immerhin verriet mir ein Prospekt, dass das Teil auch Audio recorden kann. Außerdem gibt es einen Guitar-Mode. Der wandelt Monster DJ Go in Gitarre Go. Oder so. Kostet 450 Dollar.

Auf dem Rückzug erneut bei Rane vorbeigeschaut. Das hervorragende Line Up verkündete DJ Switch und der Sympathieträger aus UK radebrechte soeben eine Begrüßungsrede in deutsch, gefolgt von einem Set, welches klarmachte, warum der Mann mehrfacher DMC-Champion ist.

Musikmesse LightshowEs begann mit Dubstep und so klang mein Tag auf der Messe auch aus. In der mondänen Festhalle wurde dazu eine bombastsiche Licht- und Feuershow abgefahren. Offensichtlch wollten die Designer die Anwesenden flashen. Was ihnen in meinem Fall gelungen ist.

red bull thre3style germany 2015
Nach einem Abendmahl (Äppelwoi und was mit grüner Soße) und einer Runde durch die City ging es später zur Red Bull 3Style Battle. Die Location: Gibson, auf der Zeil. Befürchtet hatte ich eine Großraumdisse mit Dresscode. Ganz so schlimm wurde es – zumindest zur Battle – nicht. Es wurde sogar richtig gut.  Das Prinzip ist einfach: der DJ muß in fünfzehn Minuten Musik aus drei Genres zusammenbringen. Das Publikum sollte ausrasten, die Jury überzeugt werden. Klingt leicht, aber die Latte liegt mittlerweile hoch. Die sechs Teilnehmer des deutschen Finales schenkten sich wenig. Mein Favorit hieß DJ Kitsune. Das Set des Lokalmatadors war technisch sehr gut, musikalisch ausgewogen und originell. Die Jury (mit Rafik, Eskei und Passion) sah ihn am Ende auf dem dritten Platz.

Kitsune Red Bull Thre3style

Kitsune überzeugt (mich). Fotokredit geht an Chicken

Der Sieger hieß Dan Gerous. Nicht unverdient. Der Münchner zählt zu den Routiniers der Szene. Zwischen den gestandenen Haudegen platzierte sich mit  David Delane ein Youngster, dem ich bei einem Neuversuch im kommenden Jahr starke Chancen einräumen würde. Höhere sogar, wenn er sein Set optimiert. Mir fehlte ein eingroovender Intropart und bei den Tempiwechseln würde ich das Raster von Sekunden auf Minuten stellen. Unterm Strich aber eine absolut respektable Leistung. Hut ab.

Tougher Typ, der ich bin, verzichtete ich auf Schlaf und machte mich vom Club auf zum Bahnhof, wo sich 6:18 der ICE 1545 in Bewegung setzte. Meine Zeilen tippe ich just hier. Falls Euch mein kleiner Bericht also etwas drollig vorkommt: Sorry. Mir fehlt der Schlaf. Mehr zu den ganzen Neuheiten gibt es eh dann, wenn es interessant wird – also dann wenn es sie gibt. Schaut also ab und an mal wieder hier rein.

Knicks
Ole

Von uns vorgestelltes DJ Equipment könnt Ihr hier günstig kaufen!

 

Neueste Beiträge des Autors: