Korg Kaoss DJ Review

Review KORG KAOSS DJ

Mixer, Controller und Effektgerät in einem: der KORG KAOSS DJ. Dazu noch äußerst kompakt.

 

Das japanische Unternehmen KORG – laut Wiki gerade mal 290 Mitarbeiter stark – konnte in seiner bisherigen Firmengeschichte vor allem mit Synthesizern Erfolge einfahren. Sowie mit einem innovativen Effektgerät, dem Kaoss Pad. Seit 1999 wurde auf dieser Grundlage eine Produktlinie von X/Y-pad gesteuerten Geräten stetig ausgebaut. Kaoss Pad Pro, Kaoss Pad Quad, Kaossilator – viele Versionen sind zudem in “mini-Ausführung” erhältlich. Zwischenzeitlich wurde das Effektgerät auch direkt in Mixer integriert. Der zweikanalige KM-202 und die größere Variante KM-402 verfolgten ein spannendes Konzept – beide wurden jedoch vor Jahren eingestellt. Nun hat KORG die alte Idee reaktiviert und legt mit dem KAOSS DJ eine Kombination aus Mixer, Controller und Effektgerät vor.

Korg Kaoss DJ test

links ein STANTON Da Scratch

Erster Eindruck -> Äußerlich passt der KAOSS DJ zu den bisherigen Geräten der “Kaoss-mini” Serie. Im Unterschied zu den größeren Modellen ist bei diesen – neben den kleinen Maßen – ein Kunstoffgehäuse und das Touchpad ohne Illumination verbindendes Element. Außerdem verzichtet KORG auf haptische Jogwheels sowie Loop- und Cue Buttons. Diese Segmente sind beim KAOSS DJ “touch” ausgeführt, was an die seligen “Da Scratch”-Teile von Stanton erinnert.

Man nehme ein A4 Blatt und falte dieses im Querformat auf zwei Drittel. Das ergibt über den Daumen 30×15 cm und somit auch die Grundfläche des KAOSS DJ. Darauf verteilt finden sich zwei der erwähnten “Touchwheels“. Im Durchmesser bringen es dieses auf etwa 70 Milimeter. Zwischen den Touchwheels liegt das ca. 55 x 50 Milimeter messende Touchpad des Effektteils. Zudem gibt es über jedem “Wheel” noch einen 55mm breiten Touchstripe.

Kaoss DJ DraufsichtAn haptischen Elementen besitzt der KAOSS DJ zwei Line- und einen Crossfader sowie zwei Pitchfader, mit jeweils 50mm Faderweg. Pro Kanal existieren drei EQ-Regler (Hi, Mid, Lo) und – versetzt – einmal Gain. Die Steuerung der Decks ist übersichtlich: Play/Pause, Cue, Sync.  Die “Mastersektion” enhält einen Regler für das Mastervolume, die Kopfhörerlautstärke und Cue-Mix zum zumischen des Vorhörsignals – was, neben dem Master positioniert, etwas irreführend mit “Balance” beschriftet ist.

Kaoss DJ LEDs

Ein Licht .. es leuchtet blau.

An ungewöhnlicher Stelle befindet sich die Levelanzeige, nämlich rechts und links in die Flanken des Gehäuses integriert. Leuchtet weiß / blau und mehr oder minder rhythmisch und gibt einen kleinen Hinweis auf die Zielgruppe des KAOSS DJ. Einsatzgebiet: Hausparty … in genau der Schreibweise.

Kaoss DJ Mikrofon

zu klein für dicke Finger

Ein- und Ausgänge sind über alle vier Seitenflächen verteilt: unsymmetrischer Master (Cinch) an der rechten Seite, Kopfhörer und Mikrofon (je 6,3mm Klinke) an frontseitig, USB-Buchse linke Seite und zwei Cinch Inputs an der Rückseite. Dort ist auch der winzige Volumenregler des Mikrofons eingelassen, was gelinde gesagt unvorteilhaft ist. Vermutlich haben Japaner kleinere Finger als ich, aber selbst unter Berücksichtigung dieses Aspekts ist die Platzierung schwer nachvollziehbar.

Controller -> Im Lieferumfang des KAOSS DJ erhält man eine Lizenz für SERATO DJ INTRO (Download). Zu beachten ist die Versionsnummer. Der Controller wird ab 1.2.4 unterstützt. Beziehungsweise ab SERATO DJ Vollversion 1.7.3. Vor Inbetriebnahme – mangels Schalter läßt sich nicht von einschalten sprechen – ist der Modus zu wählen. Dazu befindet sich am USB-Port ein kleiner Umschalter mit der Beschriftung “Controller / Standalone”. Der ist nur im Gegenlicht zu entziffern – schwarze Schrift auf schwarzem Grund.

Via USB mit dem Computer verbunden, läßt sich der KAOSS DJ zur Steuerung von SERATO DJ (Intro) verwenden, wie jeder andere Controller auch. Abzüglich beweglicher Jogwheels und mittlerweile üblicher Performance Pads. Zwar sind sowohl die “Touchwheels” als auch die “Touchslider” und das “Touchpad” mehrfach verwendbar, trotzdem tritt – wie im Vergleich zu einer klassischen Sektion von Pads, wie sie inzwischen jeder einfache Controller hat zu sehen ist – eine gewisse Limitierung ein. So stehen lediglich drei Cue-Punkte zur Verfügung und bei den Loops sind die Optionen ebenfalls begrenzt. Ein Loop läßt sich aktivieren, halbieren oder verdoppeln. Dafür kann das Sliderfeld zusätzlich für einen Nudge-Funktion (anschieben bzw abbremsen a la Plattenspieler), zur Anwahl einer beliebigen Position im geladenen Track und – das dann im Stand Alone Mode – zur Filtersteuerung eingesetzt werden. Das Manual nennt den “KAOSS DJ” intuitiv, dieser Aussage kann ich größtenteils zustimmen. Wird der KAOSS DJ in Kombination mit SERATO DJ genutzt, empfiehlt sich ein Blick in die Optionen. Dort können verschiedene Spezifikationen (Crossfaderverhalten, Faderreaktion etc.) individuell angepasst werden.

Kaoss DJ Controller test

Effekte -> Einer der zentralen Bereiche des KAOSS DJ ist das Touchpad. Wie bei seinen bisher erschienenen Verwandten werden darüber Parameter per Finger gesteuert. Dem Konzept folgend erfüllt das Pad verschiedene Aufgaben. Bei aktivem Kaoss Effekt Modus werden bordeigene Effekte gesteuert. In einem Controller Modus werden die Effekte aus der DJ-Software angefahren und im Sampler Modus die Sampler Funktion von SERATO DJ. Via Shift dient das Pad zudem dazu die Effekttiefe zu verändern. Im Prinzip also ein Volumenregler für die bordeigenen Effekte und Synthie-Sounds.

Bei den internen Effekten und Sounds stand das Kaoss Pad Mini 2 (145 Euro) Pate. Auf Anwendung warten 86 Effekte aus verschiedenen Gruppen: Filter, Delays, Reverbs, aber auch Modulations- und Dynamikeffekte (Breaks, Fuzz Distortion, Ducking Compressor etc.) oder Loop-Effekte. Dazu kommen noch 30 Synthesizer Sounds und Klangeffekte. Eine Übersicht auf der KORG Seite listet alle Effekte und Sounds auf.

Wie erwähnt kann das Touchpad entweder die internen Effekte oder die Parameter der Effekte aus der Software steuern. In letzterem Fall ist der direkte Zugriff immer nur auf einen Effekt pro Deck gegeben. Das Touchpad kann in einer dritten Funktionsebene auch die ersten vier Samples aus dem SERATO-eigenen Sampleplayer antriggern.

Korg Kaoss DJ netzteil

USB-Netzteil 5V / 550 mA

Mixer -> Um den KAOSS DJ als Stand Alone Mixer – also ohne angeschlossenen Computer – einzusetzen, benötigt man ein (USB) Netzteil. Dieses gehört nicht zum Lieferumfang, ist aber ab fünf Euro im Elektrofachhandel zu haben. Über die beiden Cinch-Eingänge an der Rückseite können zwei Quellen mit Linelevel angeschlossen werden. Für diese fungiert der KAOSS DJ dann als einfacher 2-Kanal Mixer. Es gibt sogar versteckte Zusatzfunktionen. So kann man zum Beispiel hardwareseitig die Kurve des Crossfaders umschalten oder über den Touchslider einen bi-polaren Filter steuern.

Leider ist kein echter Hybridmodus vorgesehen. Man muss sich also erstmal entscheiden: Mixer oder Controller. Beides parallel ist ohne weiteres nicht möglich. Auch beim Betrieb als Stand Alone Mixer verliert man einen Eingangskanal, sobald man ein Mikrofon einsetzen möchte. Dieses läuft dann über “A”, wobei man nun zum Beispiel ein Delay auf das Mikro schicken kann.  Wegen des Mikroeingangs ist dieser “Kanal A” – dann “durch die Software geschliffen” – im Controller Modus aktiv. Das läßt sich für das Mikrofon nutzen oder für eine angeschlossene Linequelle. Um die richtig einzupegeln, braucht es allerdings einiges an Fingerspitzengefühl.

Andere Software -> Der KAOSS DJ ist als MIDI-Controller mit jeder MIDI-fähigen Software (z.B. Traktor, Ableton) einsatzfähig. Natürlich muss man ein Mapping erstellen oder auf ein bereitgestelltes Preset hoffen. Die interne 24bit / 44,1-48kHz Soundkarte des Gerätes wird  in den Optionen als 2in / 4out Interface gelistet. Entsprechend geroutet ist sind die internen Effekte des KAOSS DJ auf anliegende Signale anwendbar.

Fazit -> Es fällt mir schwer ein Urteil zu fällen. Der KAOSS DJ bündelt sehr viele Möglichkeiten auf kleinstem Raum. Das ist Fluch und Segen. Der KAOSS DJ kann eine Menge, spielt aber nirgends eine wirkliche Stärke aus. Ein Dreikämpfer auf Kreisklassenniveau. Die Idee vom Kaoss Pad im Mixer ist noch immer gut. Das durchdacht umgesetzt wäre ein Biathlet in Olympiaform. Doch was will ich mit Effekten in einem Controller, der eine Software steuert, die über eigene Effekte verfügt? Wie wär es also mit einer überarbeiteten Neuauflage des KM-202? Und dazu eventuell ein modularer Controller im typischen “Kaoss-Stil”? Gern auch ohne Jogwheels. Wobei …

… was den Verzicht auf Jogwheels angeht, hat KORG hoffentlich zuvor einen Blick auf das Schicksal seiner Inspirationsquelle geworfen. Die Stanton Teile sind sang – und klanglos verschwunden. Und wenn schon ohne Jogwheel, dann konsequent – was Konzentration auf Loops und Samples bedeutet. Wie NI beim Kontrol S8.

Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass es Leute gibt, die mit dem KAOSS DJ glücklich werden. Zuerst kreative Geister, die unkonventionellen Wegen der Softwaresteuerung bei kompakten Maßen etwas abgewinnen können. Und die Freude an zugespielten Sounds und Effekten haben. Oder Hobby-DJs, die ab und an mal eine Party im Freundeskreis beschallen und die dabei gelegentlich zwischen Software und “vom iPhone” wechseln. Bei denen könnte allerdings der Kaufpreis von 349 Euro das Budget übersteigen.

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