Native Instruments Stems

Lets talk about STEMS

Ein Thema, welches aus DJ-Sicht den Sommer bestimmen könnte sind die STEMS, das neue Dateiformat von NATIVE INSTRUMENTS. Könnte, Konjunktiv II.

Wie oft bei NI gab es die ersten Hinweise auf die Neuentwicklungen so nebenher, in einem Teaservideo zum KONTROL D2. Wirklich neu ist die Idee von einer Containerdatei für mehrere Audiospuren allerdings nicht. Mit der Einbindung in die firmeneigenen DJ-Software TRAKTOR bestehen jedoch Chancen, dass sich das Format etabliert. Zudem geben die Berliner den Code und Spezifikationen für alle Entwickler von Soft- und Hardware frei und stellen obendrein ein Creator Tool für jedermann bereit. Doch was sind STEMS überhaupt?

In einem früheren Artikel hatte ich bereits auf Grundlage der damals verfügbaren Informationen gemutmaßt. Paralell zur Musikmesse gab es einen Event, auf dem der KONTROL D2 und die STEMS einer erlesenen Gemeinde vorgestellt wurden. Und inzwischen existiert bei NI eine kleine Seite zum Thema. “Eine völlig neue Art des Auflegens” und “wird kreative DJ-Performances revolutionieren” heißt es da. Nun gut – in erster Linie handelt es sich bei dem neuen Format um einen MP4 Container in dem sich fünf weitere Dateien befinden. Vier Dateien davon sind Einzelspuren bzw. Submixe, die der Producer nach eigenem Ermessen erstellt. Die fünfte Datei ist das “Master”, also der komplette Stereo-Mixdown eines Tracks. In der Konsequenz kann eine STEM-fähige Soft- oder Hardware die vier einzelnen Spuren verwerten, die Masterdatei wird  – von jedem Player der MP4 unterstützt – wie bisher gewohnt wiedergegeben.

Interessant ist die Aussage in obigem Video (5:07), dass die einzelnen Spuren und das Master ohne Komprimierung in den Container gepackt werden können. Die Beschränkung auf vier Spuren scheint willkürlich und (so vermute ich) in derzeitigen Systemvoraussetzungen begründet. Audiostreaming in vier Decks zu je vier Spuren, das entspricht dem, was Mike Oldfield 1973 bei der Aufnahme von “Tubular Bells” zur Verfügung hatte. SPLICE vermutet auch “Vierdeck Usererfahrung” als Ursache für die derzeitige Limitierung und zeigt in einem lesenswerten Beitrag, wie “das STEMS-Prinzip” schon heute funktioniert.

Hardwareseitig werden KONTROL F1 (189 Euro), KONTROL D2 und KONTOL S8 (1149 Euro) die ersten Geräte sein, die für die Verwendung mit STEMS optimiert sind. Wie man in der Präsentation in obigem Video erkennen kann, liefern die Softwaredecks bzw. die entsprechenden Displays – als STEM-Decks –  Informationen zu den einzelnen Spuren. Die Spuren können separat ein- und ausgeblendet (gemixt) oder auch mit Effekten belegt werden. Da das Format offen ist, werden andere Hersteller versuchen den Vorsprung, den NI herausgearbeitet hat, aufzuholen. Es spricht also nichts gegen STEMS in Serato oder einen direkten Export aus Ableton. Hardware folgt ohnehin dem, was die Software – hier erstmal TRAKTOR – vorgibt.

Schöne neue Remixwelt. In der Theorie. In der Praxis haben sich erst wenige Labels um den Ideengeber geschart. Die könnten mit STEMS gut Geld verdienen.  Die Downloadportale natürlich auch. Doch bis eine relevante Menge an Musik – auch Klassiker aus dem Backkatalog – verfügbar ist, dürfte noch einiges Wasser die Spree runterfließen. Nix gegen Kling Klong oder Monkey Town – die bereits bei den Remix-Sets dabei waren – interessant wird es erst, wenn die Majors mitziehen. Die könnten – mal nur so als Idee – einem Genesis Fan nach Vinyl, CD, MP3 und Reissue-Vinyl den gleichen Track als “individuell anpassbare Digitaldatei” zum fünften Mal verkaufen. Beste Verwertung … bei der dann freilich wieder die GEMA ins Spiel kommt, die für fünf Tracks in einem Container bestimmt einen eigenen Tarif einführt.

Nicht zuletzt sind auch die Producer zu überzeugen ihr Werk mit “irgendwelchen Mashup-Heinis” teilen.  Der DJ wiederum ist ein Gewohnheitstier, welches lange braucht, um sich auf Neues einzulassen. Bisher ist die Resonanz in den Foren mau. Wenn sich der DJ aber einmal auf etwas einläßt, dann geht es nach vorn los. Siehe DVS oder Controller. Ihr glaubt gar nicht, wieviele Leute alleine in meiner Stadt die ersten waren, die schon 1999 Serato hatten 😀

Der KONTROL D2 ist soeben erschienen und kostet 489 Euro (bei THOMANN kaufen).
Erste STEMS soll es zum Sommer geben

Quellen: Die Videos stammen von Elevator und DJ-Lab.

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