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Test: AIAIAI TMA-2 vs Sennheiser HD-25 – Modular trifft Kult

Wenn es um Klang geht scheiden sich meist die Geister. Er wird subjektiv wahrgenommen und da wir nicht alle aus der gleichen Eizelle stammen ist es recht unwahrscheinlich, dass wir Klänge alle gleich wahr nehmen. Schon gar nicht DJs, die  keinen Gehörschutz beim Auflegen tragen. In sofern ist der nachstehende Test mein persönlicher Eindruck, der nicht allgemeingültig ist!

Der dänische Kopfhörer Hersteller AIAIAI hatte zur Musikmesse den Nachfolger des TMA-1 hinter verschlossenen Türen vorgestellt. Das besondere am TMA-2 Kopfhörer ist, dass man ihn ab Werk selbst modular zusammenstellen kann und somit Einfluss auf Komponenten hat, die Klang, Tragekomfort und natürlich den Preis beeinflussen.

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Da ich nicht alle Komponenten durchtesten wollte, sondern persönlich daran interessiert war einen Kopfhörer zusammen zu stellen, der möglicherweise meinen Sennheiser HD-25 ersetzt, habe ich mir von AIAIAI nur bestimmte Ohrmuscheln und Ohrpolster bestellt. Was dabei raus kam, kannst Du im nachstehenden Test lesen.

In the Box

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Der TMA-2 wird in der Regel in einer schwarzen Box angeliefert, die sich am reduzierten Design des Kopfhörers orientiert. Im Inneren darf man deswegen aber keine systematische Anordnung der Komponenten erwarten. Da es sich ja um einen modular zusammengesetzten Kopfhörer handelt, besteht der Inhalt aus grauen, verschweißten Tüten, in denen sich die Komponenten befinden. Für meinen Test habe ich folgende Komponenten ausgewählt:

  • Kopfhörerbügel H02: Mit Siliconpolster > Im direkten Vergleich mit dem HD-25 hätte ich wohl den Bügel mit Polsterung nehmen müssen (H03). Da der TMA-2 genauso wie sein Vorgänger kein Ohrmuschelgelenk hat, dass es erlaubt einen Hörerteil wegzuklappen, war es mir wichtiger durch einen Siliconbügel mehr Halt auf dem Kopf zu bekommen.
  • Treiber S01 und S02: Beides 40mm Treiber mit 117dB, aber unterschiedlichem Frequenzgang. Der S01 Treiber ist zwar der günstigste, bietet aber leicht abgesenkte Mitten und leicht angehobene Höhen. Der S02 Treiber hat etwas mehr Mitten als der S01 Treiber und wirkt dadurch etwas hohler im Klang. Im Bereich der unteren Höhen ist er leicht abgesenkt. Im Vergleich zum restlichen Treibersortiment weisen diese beiden Treiber noch den geringsten Bassanteil auf. Um dem HD-25 relativ nahe zu kommen galt für mich als Präferenz ein Frequenzgang mit einem unauffälligen Bassbereich und einer Erhöhung der unteren Höhen bei ca. 2000-4000Hz.
Frequenzgang So1 Treiber (oben) und S02 Treiber (unten)

Frequenzgang So1 Treiber (oben) und S02 Treiber (unten)

  • Ohrpolster E01 und E02: Beide haben einen 70mm Durchmesser, aber unterschiedliche Materialien. Beide Polster sind ohraufliegend. Das E01 Polster ist aus einem dünnen Schaumstoff mit Microfaser Bezug, dass eine wenig sounddurchlässiger ist. Das E02 Ohrpolster hingegen hat einen etwas dickeres Schaumstoffpolster mit Kunstlederbezug, welches etwas mehr isoliert und dadurch einen höheren Bassanteil spürbar macht.
  • Kabel C06: Einfaches 1,2m Kabel mit Mic und Smartphone Fernbedienung (Lautstärke/Play-Pause). Da mein Anspruch an einen Kopfhörer nicht nur dem DJing gilt, sondern auch der Alltagstauglichkeit, habe ich ein Kabel mit Smartphone-Fernbedienung gewählt, um unterwegs neue Tracks checken zu können oder auch mal zu telefonieren.

Beschaffenheit

Der TMA-2 ist mit allen Komponenten in einem matten Schwarz gehalten. Das Design ist schlicht und zeitlos. Der Kopfhörerbügel ist sehr belastbar und kehrt auch nach extremen Verbiegungen wieder in seine ursprüngliche Ausgangsform zurück. Die Kabelführung ist gut verdeckt und endet auf beiden Seiten mit einem kleinen Spiralansatz, um so beim Verstellen der Ohrmuscheln kein loses Kabel über dem Ohr zu haben. Die Miniklinkenstecker sind mit einem Bajonettverschluss versehen, um beim Verstellen auf eine größere Kopfform nicht den Kontakt zu verlieren. Dies gilt auch für die TAnschlüsse des Kopfhörerkabels. Und da jeder Treiber zwei Anschlüsse aufweist, kann man wahlweise das Kopfhörerkabel links oder rechts tragen.

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Die 40mm Treiber sehen äußerlich alle gleich aus und ermöglichen ein einfaches aufklicken der Ohrpolster. Der Treibertyp ist jeweils auf der Innenseite eingeprägt. Alle Komponenten machen einen wirklich gut verarbeiteten Eindruck. Nichts wackelt, quietscht oder zeigt Schwachstellen an Materialübergängen. Sogar das Microfaser Ohrpolster ist so sauber verarbeitet, dass weder Kleberreste zu sehen sind, noch an irgend einer Kante es an Halt fehlt. Einziger Wermutstropfen ist, dass es keinen Kopfhörerbügel gibt, bei dem sich eine Ohrmuschel wegklappen lässt.

Im Vergleich:

Beim Sennheiser HD-25 kann es gerne mal vorkommen, dass sich ein Verbindungskabel zur Ohrmuschel löst oder einen Wackelkontakt bildet, wenn man den Treiberabstand öfter nachjustiert. Dabei ist das Kopfhörerkabel fest auf einer Seite verschraubt und kann nicht einfach mal so ausgetauscht werden. Und wer bei einem HD-25 schon mal die Ohrpolster gewechselt hat, weiß, was das für ein Gefummel ist. Ein Kabel mit Smartphone Fernbedienung gibt es beim HD-25 ab Werk erst gar nicht.

Tragekomfort

Die Lagerung der Ohrmuscheln ist ähnlich wie beim HD-25 und sorgt zusammen mit dem Bügel für einen angenehmen und festen Sitz auf dem Kopf. Mit ca. 270g ist der TMA-2 deutlich schwerer als der HD-25 (ca. 140g), was sich auf dem Kopf aber nur wenig bemerkbar macht. Wie oben schon erwähnt, habe ich für diesen Test einen Bügel mit Siliconpolster gewählt, um sicher zu gehen, dass der Bügel nicht auf dem Kopf verrutscht, wenn ich eine Ohrmuschel nach hinten schiebe. Auch wenn ich erst etwas skeptisch war, ob der TMA-2 beim Hören auf einem Ohr noch gut sitzt, so wurde ich schon beim ersten Probeaufsetzen und Kopfnicken eines besseren belehrt. Denn der Anpressdruck des Bügels scheint gerade zu ideal für meinen Eierkopf 😀 zu sein, so dass der Kopfhörer nicht drückt und dabei trotzdem fest sitzt. Wie das bei Köpfen mit weniger Haar ist, kann ich nicht beurteilen.

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Fürs Auflegen hat der TMA-2 somit für mich den ersten Teil des Tests bestanden. Im Alltag ist es jedoch, wie bei vielen ohraufliegenden Kopfhörern: Nach längeren Sessions sorgt der Druck auf das Ohr für leichte Schmerzen. Das ist beim HD-25 genauso und dürfte bei anderen Kopfhörern mit einem runden 70mm Ohrpolster nicht anders sein. Eine ovale oder größere Ohrmuschel kann hier Abhilfe schaffen. Hier steht man dann halt vor der Wahl, wie die Frau vor dem Schuhschrank. Entweder man hat was schlankes an und nimmt die Schmerzen bei längerem Tragen in kauf oder man setzt auf Bequem und opfert eventuell etwas Formschönheit 🙂

Klang

Mit dem modularen System von AIAIAI lässt sich der Klang des TMA-2 maßgeblich auf den persönlichen Geschmack bringen. Dies gilt dann aber nur fürs Auflegen und den Freizeitbereich. Im Studio wäre der TMA-2 in dieser Konfiguration fehl am Platz. Es sind aber nicht nur die vier verschiedenen Treibereinheiten, die den Sound mit ihrem Frequenzgang beeinflussen, sondern auch die Ohrpolster. Je dichter das Material desto mehr wirkt sich das auf den hörbaren Bass- und unteren Mitten-Anteil aus. Die Unterschiede zwischen einem Microfaser- und Kunstlederpolster sind deutlich hörbar und können so aber auch gleichzeitig als Klang-Option genutzt werden ohne gleich einen anderen Treiber dazu zu kaufen.

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S01 Treiber mit Microfaser Earpad E01

Der S01 Treiber kommt vom Frequenzgang her dem Sennheiser HD-25 am nächsten. Dazu sollte man dann aber auch die E01 Microfaser Ohrpads nehmen. Das Ergebnis ist dann zwar nicht identisch mit den HD-25, aber man bekommt ein Klangbild, dass einen Ticken mehr Bassanteil und etwas weniger Höhen im Bereich von 2000-4000Hz aufweist. Bei höheren Lautstärken zeichnet sich dies besonders aus, da man gerade im 4000er Bereich weniger schmerzhafte Sounds durch den Kopf geballert bekommt.

Der S02 Treiber ist für den Vergleich mit dem HD-25 eher ungeeignet, da er durch die angehobenen Mitten sich von einem Hifi-typischen “V”-Verlauf im Frequenzbild entfernt.

Fazit

Das Modulare System des TMA-2 geht definitiv in die richtige Richtung, wenn man sich bis heute mit Klamotten von der Stange nie zu 100% wohlgefühlt hat. Alle Teile sind sehr gut verarbeitet und der Kopfhörer sitzt trotz “fehlendem” Gelenk an der Ohrmuschel, sicher auf dem Kopf. Soundmäßig hat man die Möglichkeit sich sein persönlichen Klangbild so zu konfigurieren, wie man es möchte. Die Messlatte reicht hier von einem annähernden HD-25 Klangbild bis hin zum Bassmonster. Der TMA-2 bietet mit den S01 und S02 Treibern immer noch knackige Bässe, die den Rest des Klangbildes nicht überlagern oder verwischen. Sowohl bei akustischer, als auch bei elektronischer Musik wird man mit dem TMA-2 in obigen Konstellation seine Freude haben, denn man kann Soundelemente klar definiert hören und das dann auch auf einen längeren Zeitraum ohne müde zu werden. Mit dem tauschbaren Smartphonekabel ist der TMA-2 auch ein wunderbarer Begleiter im Alltag, um Tracks vorzuhören, zu Telefonieren oder auch mal einem Hörbuch eine Chance zu geben. Und da das Kable an beiden Enden einen Miniklinke Stecker hat, kann man es z.B. auchim Auto mal an einen AUX-In hängen. Mit 117dB liegt der TMA-2 zwar kurz unterhalb des HD-25, jedoch reicht dies immer noch völlig aus, um in einer lauten DJ-Booth zu arbeiten.

Wer sich einen HD-25 ähnlichen Kopfhörer mit Smartphone-Option zulegen möchte liegt beim TMA-2 richtig und fährt am Besten mit den S01 Treibern und dem E01 Microfaser Ohrpolster. Für etwas mehr Bassanteil und einer besseren Schirmung beim Auflegen holt man sich einfach ein paar E02 Ohrpolster dazu. Diese sollten dann auch keinen Schweiß aufsaugen, wenn es mal etwas heißer daher geht.

In der oben genannten Konstellation kostet der Kopfhörer mit Smartphonekabel dann ca. 180.-. Ein Preis, der auf HD-25 Niveau liegt. Rechnet man dann noch ein paar Austausch Ohrpads drauf, liegt man bei ca. 215.- Euro. Für einen professionellen DJ Kopfhörer ist das völlig in Ordnung, denn man bekommt hier Qualität und oben drauf ja noch einen erweiterten Nutzungsbereich geliefert.

Nach fast 25 Jahren DJing scheint AIAIAI jetzt doch die Firma zu sein, die mir mit dem TMA-2 ein Kopfhörersystem bietet, das meinen HD-25 in Rente gehen lässt. Bleibt natürlich abzuwarten welche Ermüdungserscheinungen sich nach längerer Nutzungsdauer  bemerkbar machen. Da das ganze aber ein Modularsystem ist, dürfte das Austauschen von Ersatzteilen ein Kinderspiel sein.

 

Zur Herstellerseite

Hier geht es zum Test von AMAZONA.DE

AIAIAI TMA-2

- Euro180.
AIAIAI TMA-2
8.875

Verarbeitung

10/10

    Tragekomfort

    9/10

      Ausgangsleistung

      8/10

        Preis/Leistung

        9/10

          Pro

          • Variierbare Klangoptionen
          • Vielseitig einsetzbar
          • Zeitloses Design
          • Sehr gute Verarbeitung

          Contra

          • Fehlendes Bügelgelenk

           

          Alternativen

          Sennheiser HD-25II, 174.- Euro

           

          Pioneer HDJ C70, 152.- Euro

           

           

           

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