Gemini GMX Review

Review – GEMINI GMX

Ein 2-Deck “Media Controller” aus den Hause GEMINI. Steuert Software, spielt aber auch direkt vom USB-Stick. Ein Testbericht.


Erster Eindruck ->
Auf den schnellen Blick kommt der GMX daher wie Dutzende andere DJ-Controller.

Gemini GMX

Klassisches Layout mit zwei Playereinheiten und einem Mixerpart dazwischen. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, die im Durchmesser 11cm messenden Jogwheels sind aus Aluminium. Obwohl Skeptiker dem umgangssprachlich “Plastik” genannten Material wenig Vetrauen schenken, können daraus gefertige Geräte durchaus robust sein. Und es gibt einen klaren Gewichtsvorteil. 2,4kg sprechen für sich, der GMX ist ein Leichtgewicht. Dagegen fallen die Maße von knapp 52cm x 38cm für einen 2-Deck Controller ziemlich groß aus. Es sollte also reichlich Platz für unterzubringende Bedienelemente vorhanden sein.

Gemini GMX LieferumfangZum Lieferumfang gehört ein Netzteil, ein USB- sowie ein Cinchkabel, die Serial für die LE-Version der Software Virtual DJ sowie ein kurzes Manual in verschiedenen Sprachen.

Besonderheiten -> Die Ausstattung des GMX ist für eine Konsole der Preisklasse “Unter 350 Euro” recht üppig. Wir finden zweimal acht Pads, symmetrische XLR-Ausgänge, einen separat regelbaren Booth-Ausgang, der Mixer verfügt pro Kanal über einen bipolaren Filter und nicht zuletzt geben zwei Displays Auskunft über den Inhalt abzuspielender Medien. Stichwort: Standalone-Player. Der steht übrigens rutschsicher auf vier Gummifüßchen.

Gemini GMX Jogwheel

Decks und Mixer-> Beide Decks werden von einem berührungsempfindlichen Jogwheel dominiert. Links daneben die Buttons für Play / Pause und Cue, darüber – etwas ungewöhnlich – die Pads, welche Loops und Cue-Punkte triggern sollen. 60mm Pitchfader, das Display und diverse Buttons für die Einzelfunktionen bei Pads, Display oder Jogwheel sowie ein Pushencoder für den Browser vervollständigen die Bedienelemente von jedem Deck. Was auffällt, ist das Fehlen von Effekten und der Verzicht auf einen Synch-Button.

Gemini GMX Mixer

Der Mixerpart ist übersichtlich gehalten. Crossfader, zwei 45mm-Kanalfader, 3-Band EQ, Gainregler. Ergänzt wird jeder Kanal mit einem kombinierten Low / High Pass Filter und der obligatorischen Taste zur Auswahl des vorzuhörenden Signals.

Zwischen beiden Kanälen hat GEMINI eine umschaltbare LED-Levelanzeige untergebracht, dazu die Regler für Master, Booth, Cue-Level und Cue-Mix. Anbetracht der zur Verfügung stehenden Grundfläche finde ich 14 Potikappen auf 11cm x 8cm fast ein wenig zu gedrängt. Ich halte es auch für vorteilhaft, wenn Gain und Filter vom EQ visuell zu unterscheiden sind. Gerade im Halbdunkel eines Clubs kann das vorteilhaft sein. Haptisch ist weniger zu bemängeln. Die Regler sitzen fest, die Fader sind leichtgängig.

Innenleben und Anschlüsse -> Im GMX werkelt ein 24bit / 48kHz Audio-Interface. Darüber kann Musik von einer Software oder direkt von einem USB-Medium ausgespielt werden. Für die Verwendung mit einem Stick oder einer Festplatte gibt es einen Port auf der Öberfläche des Controllers, einen zweiten an der Rückseite.

Gemini GMX Anschluesse

Rückseitig sind auch die USB-Verbindung zum Computer, der Eingang für das Netzteil und die Audio-Anschlüsse (Master: XLR / Cinch, Booth: Cinch) untergebracht. Vorderseitig und leicht versenkt finden wir den Kopfhöreranschluß (große und kleine Klinkenbuchse) sowie einen regelbaren Mikrofoneingang (Klinke).

Gemini GMX USB-Player

GMX als Media-Player -> Vor der Verwendung als Standalone-Player wären einige Fragen zu klären: Datenträger, Formatierung, Audioformate – was wird wie unterstützt? Das Manual schweigt sich dazu ebenso aus, wie die Produktseite im Netz.  Zu Testzwecken formatiere ich zwei identische 4GB USB-Sticks – einmal mit FAT32, einmal mit Mac OS Extended – anschließend bestücke ich beide Sticks mit einigen Dateien (MP3, Wav, Aiff, Flac).  Während der FAT32-Stick erkannt und dessen Inhalt – genauer die MP3, Wav und Aiff, Flac nicht(!) – angezeigt wird, passiert das bei dem mit Mac OS Extended formatierten Datenträger nicht. Also Obacht! Wo wir schon bei Tipps sind: Der GMX hat es nicht so mit Playlisten, es gibt auch keine Verwaltungssoftware (wie zum Beispiel rekordbox bei Pioneer). Für die Navigation ist es also vorteilhaft eine Ordnerstruktur auf dem Datenträger anzulegen.

USB-Sticks sind das eine, gerade die Jungs der mobilen Zunft setzen aber gern auf externe Festplatten in Größe XXL. Im Test wird meine 500GB Sicherungsplatte sofort erkannt. Die darauf befindlichen knapp 5000 Files (auch Samples und so Kram) lassen sich nach wenigen Sekunden Ladezeit durchscrollen. Beide USB-Ports können gleichzeitig als Musikquelle dienen und auch beide Player befüttern. Vorsicht beim Browsen, das Drücken des Buttons (warum muss ich hier immer an die Chemical Brothers denken?) unterbricht den wiedergegeben Titel und lädt den neuen Track!

Gemini GMX Display

Display -> Wenn man von einer Software kommt, ist man einiges an Luxus gewohnt. Das betrifft nicht nur das hier fehlende Play-Lock, sondern auch die angebotenen Informationen zu einem Titel. Die gibt es auch beim GMX, nur eben auf zwei LCD-Displays von 55mm x 30mm. Gefühlt ist das ein Rückschritt in Zeiten der ersten CD-Player. Neben den Essentials (Spielzeit, Pitchbereich, Tempo, eventuelle Loops und Cuepunkte) liefert eine kleine Waveform eine Übersicht des Tracks. Der visuallisierte Ausschnitt läßt sich in vier Stufen zwischen 1,7 und 13,6 Sekunden zoomen.

Gemini GMX Display Titel

Natürlich werden auch Interpret, Titel, Album und Genre angezeigt. Leider ist eine Sortierung nach Kriterium der Wahl (BPM, Genre etc) nicht möglich. Eine ordentliche Pflege der Dateinamen und(!) des ID3-Tags hilft bei der Navigation und bei der Darstellung von Informationen. Wunderlich, dass GEMINI hier kein Tool bereitstellt. Okay, eventuell kann man seine Infos im beiliegenden VirtualDJ bearbeiten, es gibt aber Besseres. Bewährt hat sich der MP3Tag-Editor, eines der wenigen Dinge, die ich nach dem Umstieg auf Mac vermisse. Den gibt es leider nicht für iOS. Die von mir genutzte Alternative heißt MetaBliss und kommt von den Leuten, die auch hinter “Mixed In Key” stehen.

Gemini GMX Pitch

Buttons, Pads & Wheels -> Die Verwendung der einzelnen Bedienmöglichkeiten erschließt sich schnell. Das Jogwheel operiert je nach Wahl: abbremsen / anschieben, scratchen oder (da Skip-Tasten nicht zur Ausstattung gehören) als einzige Möglichkeit, um an eine bestimmte Stelle im Track zu gelangen. Auch der Pitchbereich ist wählbar. Zur Option stehen 4%, 8%, 16% und 24%. Pro Deck dienen acht Pads dem Triggern von Cue-Punkten oder dem Aktivieren von Loops. Erstaunlicherweise wurde an Tasten, die ein Loop halbieren oder verdoppeln, gedacht.

Gemini GMX Pads

Ähnlich wie bei einer DJ-Software gibt es zudem eine Key-Lock-Funktion (Tonhöhe bleibt bei Tempoänderung gleich). Wie bereits festgestellt, verzichtet GEMINI beim GMX auf eine Synch-Funktion. Die ist bekanntlich heiß umstritten, macht aber bei Konsolen – und bei der vermuteten Zielgruppe – durchaus Sinn. Die Praxis verlangt folglich gutes, altes Handwerk. Bei Mixambitionen leisten BPM-Werte, die (sofern vorhanden) aus dem Tag gelesen werden oder vom GMX analysiert werden bzw. die sich manuell tappen lassen, Unterstützung. Zudem kann man das Tempo eines Songs “festlegen”. Dazu wird in Zweitfunktion der Browserencoder genutzt, ein Tempo gewählt und nach Druck auf den Regler wird der Titel im neuen Tempo wiedergegeben. Im Prinzip die Hälfte einer manuellen Sync-Funktion.

Fader & EQ -> Irgendwelche Faderkurven sind weder an der Hardware, noch in den Optionen des GMX einzustellen. Ganz klassisch eben, wie auch der 3-Band EQ. Kurze Formel: alles rausgedreht, immer noch Sound = killt nicht. Das selbe Fazit betrifft leider auch den Filter, was etwas seltsam ist. Keine Einwände habe ich bei der Vorhörsektion. Die ist laut genug und auch ein Mixen unter Kopfhörern ist möglich. Die kleinen LED-Ketten geben zudem visuelles Feedback zum Level des jeweiligen Kanals.

Gemini GMX Mikrofon Problem

Mikrofon -> Ein Klinkeneingang ist vorhanden, das frontseitig und quasi ins Gehäuse eingelassen. Gleich daneben der einzige Regler dafür. Was etwas ungünstig ist. Liegt der GMX auf einem niedrigen Tisch, darf der DJ zur Feinjustierung des Levels vorm Mikrofoneingang Kniebeugen machen. Sportaspekt erfüllt!

Controller / MIDI-> An mancher Stelle geizt der Hersteller mit Details, in Sachen MIDI ist man auskunftsfreudiger. 14bit / High Resolution. Während nach herkömmlichen Protokol nur 256 Schritte zur  Informationsübetragung genutzt werden können, sind es hier 16.384. Für den User bedeutet das eine feinere Auflösung einzelner Abläufe, vorteilhaft speziell beim Pitch und bei den Jogwheels. Als MIDI-Controller kann der GMX generell mit entsprechender DJ-Software eingesetzt werden. Mitgeliefert wird Virtual DJ (abgespeckte Version). Denkbar wären auch Mixvibes oder Traktor. Serato fällt, da hardwaregebunden, raus. Leider kann ich das an verschiedenen Stellen angekündigte Traktor-Mapping nicht finden. Nicht bei GEMINI, nicht bei DJTechTools, nicht bei Traktor Bibel. Und nicht über Google.

Gemini GMX Virtual DJ

Bleibt ein Test mit Virtual DJ. Beim ersten Öffnen des Programmes wird der GMX erkannt und ich kann diesen als Steuereinheit und zur Audiowiedergabe auswählen. Plug`n Play, sehr schön. Alle Bedienelemente sind bereits vorbelegt, bei Bedarf kann man das Mapping individuell gestalten. Immerhin bietet die Software eine Vielzahl an weiteren Features. Erneut das Stichwort Sync – die Funktion könnte man sich zum Beispiel auf den (entbehrlichen) Reverse-Button der Hardware legen.

Gemini GMX Display SoftwareIm Display der Konsole werden alle Informationen zum geladenen Track (mit Ausnahme der Waveform) angezeigt. Spart den Blick zum Rechner, was in der Edelversion (Traktor S8 und so) schwer im Trend liegt.

Praxis -> Selbst Einsteiger dürften mit dem GMX sofort klarkommen. Sowohl das Spielen von einer USB-Quelle, als auch die Verwendung mit einer Software ist intuitiv möglich. Leider geht beides nicht gleichzeitig.

Gemini GMX MIDI

Sprich: einen Track aus der Software spielen und den nächsten vom Stick laden ist nicht drin. Schaltet man den Button “MIDI” (der den “Controller-Mode” scharfstellt) zurück, folgt eine Unterbrechung der Wiedergabe. Dann knackt es, anschließend kann man den “Media-Mode” nutzen. Andersrum das gleiche Spiel. Ein Update der Firmware auf die aktuellste Version 1.9 brachte keine Änderung. Ausbaufähig!

Fazit -> Die Zielgruppe dürfte eindeutig bei Einsteigern und Gelegenheits-Deejays liegen. Musikalisch eher breit aufgestellt und technisch auch ohne Effekte und Sync glücklich. Ich zitiere immer wieder den legendären Dialog mit dem Reisdent aus einem Kraut- und Rübenschuppen, den ich mal als Gast-DJ beschallte:

Ich: “Der Crossfader” geht nicht.
Er:”?”
Ich: “Die Linefader auch nicht”
Er: “Linefader?”
Ich:”Wie mixt du?”
Er:”Mixen? Ich mache die CD-Player an und aus”

Trotzdem ein dufter Typ und einer, der beim GMX nichts vermissen würde. Außer vielleicht Autoplay. Gibt es nämlich auch nicht, gibt ja auch keine Playlisten. Der Fakt könnte manchem, der eigentlich Zielgruppe wäre, ähnlich bitter aufstoßen, wie die fehlende Möglichkeit einer Sortierung. Fällt der GMX somit für Profis flach? Nicht dann, wenn man ein kompaktes Zweitbesteck sucht, so man nicht sein komplettes Setup mitschleppen will. Oder eine Backuplösung für den Notfall. Doppelten Gewinn hat der, der auch so Virtual DJ im Einsatz hat. Mit einem derzeitigen Verkaufspreis von 345 Euro ist die Kombination aus Controller und Mediaplayer durchaus attraktiv. Es gibt übrigens auch eine erweiterte Variante mit CD-Slots, heißt dann GMX DRIVE.

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