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PIONEER DDJ-RX Review

Zuerst dominierte die Marke bei den Clubmixern, dann bei den CD-Playern. Später folgten Controller und nun auch eine eigene Software. Hier geht es um eine Kombination aus den beiden letzten Punkten: Ein PIONEER DDJ-RX Review.

 

Beim DDJ-RX handelt es sich um einen 4-Deck-Controller, welcher exklusiv auf die Software Rekordbox DJ zugeschnitten ist. In den letzten Jahren hat der japanische Hersteller eine Vielzahl von Hardware zur Steuerung von unterschiedlichen DJ-Programmen (Serato / Traktor / Rekordbox) auf den Markt gebracht. Zwischen all den prägnant, kurzen Produktbezeichnungen kann man schon mal den Überblick verlieren. Was war der DDJ, was ein XDJ, was ein SX oder RZ? Beginnen wir dieses Review also mit einer Einnordung des DDJ-RX.

Das System

Kleine Abhandlung: Die Benennung von PIONEERs DJ-Equipment besteht aus zwei Teilen, was an deutsche Autokennzeichen erinnert. Die ersten drei Buchstaben definieren die Produktgruppe: DJM sind Mixer, CDJ steht für CD-Player, HDJ fasst Kopfhörer zusammen, DDJ sind die Software-Controller und XDJ meint Mediaplayer, die von USB-Stick oder über Netzwerk arbeiten. Im zweiten Teil steht entweder eine Zahl (z.B. CDJ-2000, DJM-600) oder eine Kombination aus Buchstaben (und Zahlen). Je höher die Zahl oder je weiter hinten im Alphabet der Buchstabe, umso professioneller (oder aktueller / meist auch teurer) das Equipment. Außerdem kann man an den Buchstaben die DJ-Software ablesen, für welche ein Controller entwickelt wurde. T = Traktor (nicht mehr aktuell), S = Serato, R = Rekordbox. Auf den Punkt gebracht ist der DDJ-RX ein eher hochpreislicher Controller für Rekordbox, vergleichbar mit dem DDJ-SX, der für Serato ist (Vergleich folgt am Ende des Reviews) und unterm DDJ-RZ / SZ, welcher die derzeitige Obergrenze des Segments Controller darstellt.

Das Konzept

“Vorsprung durch Technik” hieß es in den 70ern bei Audi. Bei den Herstellern von DJ-Equipment wäre “Technischer Vorsprung durch Software” ein passender Slogan, wobei die Software aus dem eigenen Haus kommen sollte. PIONEER hat eine kurze Liaison mit Traktor hinter sich, sowie eine langjährige Beziehung mit Serato. Parallel dazu wurde das einstige Vorbereitungsprogramm Rekordbox (hinter dem mit Mixvibes ein weiterer Player stand) mit Rekordbox DJ 4.0 zur vollwertigen DJ-Software ausgebaut. Der DDJ-RX ist nun (neben dem DDJ-RZ) der erste Controller speziell dafür, es ist zu vermuten, dass weitere folgen werden. Der große Vorteil (den, wie bei Apple einige auch als Nachteil sehen) liegt im geschlossenen System, mittlerweile PIOsphere genannt. Einmal Tracks oder eine Playlist in Rekordbox vorbereitet, kann man sie überall nutzen: In der Software mit DDJ-Controller oder auf einem USB-Stick am CDJ oder XDJ.

Die Umsetzung

Pioneer_DDJ-RX_Review_Rekordbox_ControllerMit 66 cm x 34 cm Fläche (Gewicht 5,8kg) fällt der DDJ-RX relativ groß aus. Dabei bildet er im Prinzip ein Setup aus zwei Playern und einem Mixer mit vier Kanälen nach. Obwohl vollgepackt mit Fadern, Reglern und Buttons, hat man durch das für PIONEER typische Layout schnell den Überblick über die einzelnen Funktionen. Drei verschiedene Möglichkeiten Effekte einzusetzen und die vielseitig nutzbaren Pads legen nahe, dass es sich um einen Performance-Controller handelt. Jemand der Musik kreativ neu arrangieren will wird hier eher glücklich, als der, der in die Überblendung zweier Tracks drei Minuten investiert. Wobei man das natürlich auch mit dem DDJ-RX machen kann.

Die Anschlüsse

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_back

Der DDJ-RX bringt vier Eingänge mit, von denen zwei (die beiden inneren Kanäle) über eine zuschaltbare Vorverstärkung für Plattenspieler verfügen. Damit ist er auf die demnächst zu erwartende DVS-Funktion in Rekordbox vorbereitet. Zudem arbeitet der Mixerpart “standalone”, d.h. auch ohne Computer können angeschlossene Quellen gemischt werden. PIONEER verzichtet auf einen eigenständigen Mikrofonkanal, dafür lassen sich die beiden äußeren Kanäle mit Mikrofon (XLR-Kombi, Klinke) beschicken. Man hat hier zwei komplette Kanalzüge (inkl. Talk Over) für Mikrofone, opfert im Gegenzug (in diesem Ausnahmefall) aber zwei Zuspielquellen.  Für eine angenommene klassische Nutzung – zwei Decks, ein externer Zuspieler, ein Mikrofon – ist der DDJ-RX vorzüglich gerüstet.

 

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Front

Das Mastersignal kann symmetrisch (XLR) oder unsymmetrisch (Klinke) ausgespielt werden. Außerdem gibt es noch einen separat regelbaren Booth-Ausgang (Klinke) und eine Ausgang für den Kopfhörer (6,3mm/3,5mm). Der ist an der Frontseite verbaut, was üblich ist. Auch die Reglung des Volumens erfolgt an der Vorderseite sowie das Mixing zwischen Vorhörsignal und Master.

Diese Position ist gewöhnungsbedürftig für einen alten Haudegen wie mich, allerdings ist bei Neueinsteigern an Controllern zu beobachten, dass diese gern mal auf Kopfhörer verzichten. An der Frontseite finden sich zudem noch die Umschalter für die Eingangsquelle und die Einstellung der Kurve des Crossfaders. Der Vollständigkeit halber: Die Rückseite beherbergt noch den USB-Anschluß sowie Netzeingang und -schalter. Ein Netzteil ist zum Betrieb zwingend notwendig.

Das Innenleben

Verbaut ist eine 24bit / 44,1kHz Soundkarte. In anderer Software wird diese unter Audio als 2IN/4OUT erkannt. Alle Bedienelemente des DDJ-RX lassen sich per MIDI in entsprechender Software mappen. SERATO wird jedoch – aus naheliegenden Gründen (DDJ-SX) – NICHT unterstützt.

Der Mixer

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Mixer

PIONEER-typischer Aufbau. Vier Kanäle, umschaltbar zwischen PC-Nutzung und extern angeschlossenen Quellen (CD, Plattenspieler, Mikrofon). Die 50mm Linefader, deren Charakteristik in der Software wählbar ist, verfügen über einen optionalen Faderstart und eine Zuweisung zum Crossfader. Der Crossfader selbst ist leichtgängig und bei Bedarf austauschbar.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Crossfader

Die Crossfaderkurve kann über denn bereits erwähnten Regler hardwareseitig eingestellt werden. Jeder Kanal verfügt über eine eigene LED-Kette zur Kontrolle des Levels, einen Button zur Auswahl fürs Vorhören (Cue) und über einen 3-Band EQ (in der Software umschaltbar zwischen EQ und Isolator / Kill).  Dazu kommt ein Gainregler (Trim) sowie ein Regler für die nur beim DDJ-RX (nicht beim DDJ-SX) zu findenden “Sound Color FX”.  Zur Auswahl stehen Noise, Crush, Pitch oder Filter.  Abgeschlossen wird der Kanalzug mit den Zuweisungsbuttons für zwei weitere Effekteinheiten und einen Load-Button, der in erster Belegung einen ausgewählten Titel in das zugehörige Deck der Software lädt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich die 3-1-2-4 Reihenfolge der Kanäle.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Mixer_kanalmaster

Mittig zwischen den Line-Kanälen findet sich die Mastersektion. Ein etwas kürzerer Fader regelt das Volumen des Samplers. Darüber befinden sich die Anwahlbuttons der erwähnten “Sound Color FX”, die Regler fürs Master- und Boothlevel, zwei kurze LED-Ketten für die Anzeige des Masterlevels sowie Encoder für das Browsen in der Software, nebst zwei ergänzenden Buttons. Via Shift sind diesen (und den Load-Buttons) weitere Steuermöglichkeiten zugewiesen.

Die Decks

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Jogwheel

Im Groben kann man die Decks in drei Zonen teilen. Im Zentrum liegt dabei das 130mm große, touchsensitive Jogwheel aus Aluminium. In dessen Zentrum wiederum gibt es – wie von den großen CDJs bekannt – ein Display mit Visualisierungen zur Position und zum Wiedergabestatus.  Jedes der beiden Jogwheels bedient über Umschaltung zwei Decks (1/3 und 2/4).

Rekordbox_Einstellungen DDJ-RX

Die bei PIONEERs Profi-CD-Player üblichen Regler für das Start- und Stopverhalten (Release / Brake) finden sich nicht an der Hardware, diese Einstellungen kann man aber in Rekordbox treffen.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Pitch

Jeweils rechts neben dem Jogwheel (= unsymmetrischer CDJ-Style) ist ein 100mm Pitchfader positioniert. Dieser arbeitet wahlweise mit +/- 6%, 10%, 16% und 100%. Als Gegenstück zum “Handwerkszeug Pitch”, verfügt der DDJ-RX natürlich auch über Sync-Buttons. Außerdem gibt es auch je einen Button mit dem Label “Mastertempo”. Persönlich finde ich Key Korrektur die passendere Bezeichnung, da ein Mastertempo ja eigentlich eine global vorgegeben Geschwindigkeit meint und nicht die Beibehaltung der Tonhöhe bei Veränderung des Tempos.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Effekte

Über dem Wheel dient ein Touchstripe dazu eine Position im geladenen Track anzuwählen. Nennt man wohl auch “Needle Search”, da es sich am Vorgehen orientiert mit der Nadel in der Plattenrille die Position zu wechseln. Daneben geben zwei Buttons Hilfe beim gridden, also dem Vorbereiten eines Tracks, sofern man solche Vorgänge nicht lieber “offline”  (ohne Controller) macht.

Pro Deck ist eine Effekteinheit untergebracht. Drei Potis, ein Push-Encoder und fünf Buttons steuern, je nach Auswahl, jeweils drei einzelne Effekte über einen Regler oder einen Effekt im Detail. Beide Effekteinheiten können auch zusammen einem Kanal / Deck zugewiesen werden.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Pads

Im unteren Bereich des Decks laden jeweils acht anschlagdynamische und farbig hintergrundbeleuchtete Pads zur Performance ein. Diese sind mehrfach verwendbar: Hot Cue, Beat Jump. Pad Effekte, Slicer, Slicer Loop und zum Antriggern von Samples.

Pioneer DDJ-RX Review Loopsektion

Die Sektion fürs Loopen (Auto / Manuel) ist ausgelagert und rechts neben den Pads untergebracht. Bleibt noch Start / Pause und Cue (Play), welches linksseitig der Pads zu finden ist.  Der DDJ-RX unterstütz einen “Slip Mode” bei Loops oder Scratches läuft der Track (unhörbar) weiter, nach dem Ende der “Performance” geht es automatisch an der Stelle weiter, wo der Track ohne Unterbrechung wäre. Klingt komplizierter als es ist.

Was sind eigentlich Pad FX?

Bei Betätigung eines Pads wird beatgenau ein Effekt hinzugefügt. Effekte und Wirkungsweise (zum Beispiel ob gleichzeitig geloopt werden soll) lassen sich in Rekordbox definieren, verschieden Pads – und damit verschiedene Effekte – können gleichzeitig angewendet werden. Auch wenn hier die Gefahr liegt einen Track zu verhunzen: Hammerfeature mit jeder Menge Potential.

Sequenzer? Sequenzer!

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Sequenzer

Neu ist der “Sequenzer”. Einmal kann man hier einen ausgewählten Loop aufnehmen und in einem Sampleslot (bedeutet hardwareseitig: auf einem Pad) ablegen. Und dann lassen sich “Sample-Bedienmuster” aufzeichnen und wiedergeben. Vom Prinzip her gibt es Ähnlichkeiten zu Seratos Flip-Funktion, nur sind hier Samples und nicht Cue-Punkte die Grundlage. Die Samplewiedergabe kann als Loop, Trigger oder einfaches Play definiert werden, die Wiedergabe kann zudem synchron erfolgen.  Mit Blick in die Zukunft denke ich, dass diesem Feature ebenjene gehört.  Ordentlich aufgebohrt natürlich.

Die Software

Rekordbox_Software_4 _Decks

Wer sich für den DDJ-RX entscheidet, entscheidet sich für Rekordbox. Diese Software ist als vollumfängliches DJ-Programm noch relativ frisch, bringt aber bereits jetzt alle essentiellen Features mit, die Mitberweber auch haben. Glaubt man diversen Foren, sind Kinderkrankheiten vorhanden. Zum Beispiel die Key Korrektur, welche Artefakte hat. Das kann ich nicht bestätigen, ich bin allerdings auch nur testweise in Rekordbox 4.0.5 eingetaucht. Mit jedem Update werden Bugs ausgemerzt, mit dem nächsten Majorupdate sind weitere Funktionen (DVS-Otion, mehr Effekte) zu erwarten, die dann wahrscheinlich als Add-On zu kaufen sind.

 

DDJ-RX oder DDJ-SX?

Pioneer_DDJ-SX_vs_DDJ-RX_UnterschiedeDer RX kann nur mit Rekordbox, der SX2 (die neuere Version des DDJ-SX) läuft mit Rekordbox und Serato. Warum sollte man den RX kaufen? Auch hier liefert die Software die Antwort. Man sollte sich entscheiden, hat man sich entschieden passen User, Software und Hardware zusammen. Meint beim DDJ-RX: Lizenz für Rekordbox ist inklusive, Beschriftung stimmt, dazu Pad FX, Sequenzerfeature, Samples laufen synchron – um mal die Alleinstellungsmerkmale zu nennen.

Der DDJ-SX2 ist das ideale Paar mit Serato DJ. Mit dem hat man zusätzlich die Freiheit auch Rekordbox (139 Euro oder 10,90 Euro/Monat) oder Traktor Pro 2 zu nutzen, das müsste man aber noch kaufen. Und dann stimmt wieder die Beschriftung der Funktionen nicht. Nicht zu vergessen, nur der DDJ-RX hat die Sound Color FX! Kurz: Hardware folgt Software. Nochmals betont:  entscheide dich!

Das Fazit

Pioneer_DDJ-SX_vs_DDJ-RX_Unterschiede_Color_FX

Die Verarbeitung der Hardware ist solide, funktionell liefert der DDJ-RX in Kombination mit Rekordbox eine breite Palette an kreativen Tools. In meinem (leider nur kurzem) Test sind mir keine nennenswerten Sachen aufgefallen, die zu bemängeln wären. Trotz fehlender Langzeiterfahrung darf ich sagen, dass ich als eingefleischter Serato User neidisch auf die Pad-Effekte und den Sample-Sequenzer bin. Ob und wie sich Rekordbox in Zukunft durchsetzt bleibt abzuwarten, ich traue PIONEER da inzwischen aber einiges zu. In wenigen Worten: Ich bin angetan und gebe der DDJ-RX / Rekordbox Kombi fast volle Punktzahl.

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