Ob im Café, in der Uni oder im Zug – mit dem Laptop hast Du dein Studio immer dabei … dein ganzes Studio? Nein! Denn durch den fehlenden Raumklang und einen extremen Stereoeindruck bilden Kopfhörer nur einen Kompromiss beim Arbeiten on-the-road.

Mit der NX Software will der Pluginhersteller Waves dieses Problem ein für alle Mal lösen. Bei Waves NX handelt es sich um ein Plugin, das dir eine professionelle Studioakustik für deine Kopfhörermischung simuliert. Als besonderes Highlight kann NX per Webcam deine Kopfposition erfassen und dadurch den Höreindruck anpassen. Zauberei oder mystischer Schwindel? Wir haben es für dich herausgefunden!

Installation

Alle Waves Plugins werden über die Waves Central Anwendung verwaltet. Nach dem Einloggen kannst Du direkt auswählen, welche Plugins Du installieren möchtest. Die Aktivierung der Lizenzen kann entweder lokal auf deinem Rechner oder auf einem USB-Stick erfolgen. Alles in allem ist Waves NX mit wenigen Klicks installiert und einsatzbereit.

NeXt level sh*t?


Waves NX wird von nahezu jeder DAW unterstützt und sollte als letztes Plugin auf dem Masterbus eingefügt werden. Dabei hast Du die Wahl zwischen einer Stereo-Version sowie 5.0, 5.1 und verschiedenen Up- und Downmix Varianten.

nx_interface

Das Plugin ist sehr übersichtlich gestaltet. Neben der Headtracking-Sektion gibt dir eine Grafik einen Überblick über die Kopf- und (virtuelle) Lautsprecherposition. Die Lautsprecherposition ist entweder direkt durch Klicken-und-Ziehen der Lautsprechersymbole veränderbar oder durch die entsprechenden Regler. Zusätzlich ist der Anteil der Raumreflexionen regelbar. Für einen optimalen Höreindruck kannst Du noch deinen Kopfumfang und die Distanz zwischen deinen Ohren einstellen, mehr als ein Maßband und eine Minute deiner Zeit braucht es dafür nicht. Wie genau Du messen musst, wird in der Anleitung anschaulich gezeigt.

Und wie klingt es nun?

Nach der Ankündigung zur NAMM war ich erst etwas skeptisch, doch beim ersten Testlauf mit der Demo erging es mir ungefähr so:

Der Raumeindruck ist unglaublich natürlich und unverfälscht. Die Musik klingt genauso wie vorher, nur eben viel räumlicher. Instrumente und Gesang bekommen eine viel größere Bühne und eine Beurteilung des Stereo- und Klangbilds wird so auch über Kopfhörer sehr gut möglich. Die einzige Veränderung im Sound ist eine leichte Absenkung im Bassbereich. Das ist aber kein Manko, sondern absolut gewollt. Denn Waves NX kompensiert den sogenannten Proximity-Effect: durch den geringen Abstand zwischen Kopfhörer und Gehörgang werden tiefe Frequenzen lauter wahrgenommen, als sie eigentlich sind. Dieser Effekt fällt bei Lautsprechern weg. Trotz allem verlieren mit NX Bass und Kickdrum nichts von ihrer Dynamik und Präsenz. Da Sound aber immer ein sehr subjektives Thema ist, kann ich nur jedem die 14-Tage Testversion empfehlen!

You spin my Head right round

Das Head-Tracking per Webcam funktioniert erstaunlich gut und ziemlich verzögerungsfrei – zumindest solange genügend Licht vorhanden ist. Ein zusätzliches Tracking-Fenster zeigt dir das Bild deiner Webcam sowie Informationen wie die aktuelle Bildrate an. Bei MacBooks unterstützt die Tracking App einen zusätzlichen “Low Light” Modus. Sobald das Tracking läuft legst Du deine aktuelle Kopfposition als Sweet-Spot, also die optimale Hörposition, fest. Nun verändert sich der Höreindruck je nach Drehung, Neigung und Bewegung deines Kopfes. Drehst Du den Kopf nach rechts, wird der Sound auf dem linken Ohr lauter. Bewegst Du deinen Kopf weiter von der Webcam weg, wird der Sound leiser, usw. Auf Wunsch kannst Du mit dem XYZ-Lock das Head-Tracking, für einen stabileren Höreindruck, nur auf Drehung und Neigung beschränken.

Die Einfachheit und Genauigkeit des Head-Trackings begeistert, die Veränderung des Klangbilds ist für meinen Geschmack aber zu drastisch.
Das Stereobild wird bei Drehungen des Kopfes deutlich stärker verändert, als es in der Realität der Fall wäre. Ebenso ist das Tracking nicht ganz fehlerfrei. “Mal kurz an der Nase kratzen” oder “über den imaginären Bart streichen” wirft das Tracking gerne mal aus der Bahn und macht eine anschließende Rekalibrierung nötig.

Um diese Probleme zu umgehen kannst Du statt deiner Webcam auch einen optional erhältlichen Bluetooth-Tracker nutzen, den Du an den Kopfhörerbügel klemmst. Dieser soll im Laufe der nächsten Monate erhältlich sein und preislich unter 100€ kosten.
Das Headtracking wird von Waves für den optimalen Gesamteindruck empfohlen, lässt sich aber mit einem einfachen Klick abschalten.

Leistung

Bei der Performance kann man Waves NX keine Vorwürfe machen. Im Gegenteil: das Plugin arbeitet komplett latenzfrei. Bei der CPU-Belastung ist zu beachten, dass der Head-Tracker ein eigener Prozess ist und nicht innerhalb der DAW läuft. Wenn Du das Head-Tracking komplett abschalten möchtest, um CPU zu sparen, musst Du auch das separate Trackingfenster schließen. Ansonsten ist Waves NX mit allen, von Waves zertifizierten DAWs, kompatibel.

Als kleinen Workflow-Helfer bieten alle Waves Plugins eine einheitliche Toolbar. Diese lässt mit Funktionen wie 32 Undo/Redo Schritten, Preset-Verwaltung und AB-Vergleich keine Wünsche offen.

Fazit


Waves NX hat mir die Augen Ohren geöffnet. Auch drei Monate nach Release bin ich immer noch vom Effekt des Plugins begeistert. Die Anwendungsszenarien für die Arbeit mit Kopfhörern und NX sind vielfältig: Du bist viel unterwegs, hast keine gute Abhörsituation zu Hause oder willst auch einfach nur mal vom Sofa aus Produzieren. Das Kamera-Tracking mag nicht jedermanns Sache sein und birgt seine Tücken. Letztendlich funktioniert es aber sehr gut und trägt sinnvoll zum Workflow bei.  Wo ich bisher auf meinem Laptop-Studio nur Bandmaschine, Mischpult und Outboard-Equipment mitnehmen konnte, habe ich nun auch endlich den passenden Raum mit dabei!

Zur Herstellerseite

Waves NX

$99
Waves NX
8.875

Sound

9/10

    Tracking

    8/10

      Workflow

      10/10

        Performance

        9/10

          Pro

          • Neutraler Klang
          • Einfache Bedienbarkeit
          • Surroundmixing

          Contra

          • Tracking nicht immer stabil

          Alternativen


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