Penny DJ Contest

Kommerz fressen DJ auf?

Keine Angst DJ-Freunde. Nach der bei R.W. Fassbinder entlehnten Headline finde ich sofort wieder auf gewohntes Terrain. Es geht um DJs, um Penny, um Jochen Schweizer und das P1.


Würde just in diesem Moment in China ein Sack Reis umfallen, hätten wir bei Facebook Bilder davon. Dazu eine Diskussion über die Beschaffenheit des Sacks. Irgendjemand würde sich über verschiedene Reisarten auslassen und letztlich zum Thema Nudeln gelangen. Von da ist es nicht weit zum Discounter Penny. Die haben nämlich Reis und Nudeln im Sortiment. Und die haben eine Kooperation mit dem Parookaville Festival. Dort ist zwischen Tiesto und Steve Aoki noch ein DJ-Slot frei, den Penny belegen darf. Beziehungsweise der Gewinner des DJ-Contests von Penny. Was zu Verwirrung und Unmut führt.

Der Penny DJ-Contest

Wir sehen eine DJane. Holländische Sprachfärbung. (Weil alle erfolgreichen DJs von da kommen – Zitat Penny auf Facebook). “Die jungen Menschen fragen mich oft, wie werde ich ein berühmter DJ?”, so das Cara Delevingne Surrogat. Die Antwort bleibt aus, dafür hat unsere DJane scheinbar mächtig Spaß. Die Hände zum Himmel, die Füße auf den Mixer. Die Blogrebellen haben sich weiterer Details angenommen. Bei Facebook wird derweil “Penny, Du machst Deejaying lächerlich” geschimpft. Von ganz Pfiffigen werden fehlende Kabelverbindungen moniert. Penny kontert mit Wlan und digitalen Anschlüssen. Dazu – und da gehe ich absolut mit – sorgt der Aufruf für Verwirrung “einen selbstproduzierten Track einzureichen”. Meinen die einen Mix? Weiß Penny um den Unterschied zwischen DJ und Producer? Wissen die überhaupt, was die machen?

Es gibt keine schlechte Werbung

DJs sind niederschwellig zu erreichen. Und da man sich gern für elitär hält, wird man durch einen vermeintlichen Fauxpas sofort angetriggert. Das kann unterhaltsam sein, manchmal geht mir dieses Gehabe allerdings auf die Eier.
Was Penny hier macht ist Werbung. Verrückt, dass die das auch noch erklären müssen. Taucht man tiefer hinab, erfährt man, dass  es bereits im letzten Jahr eine Discounter-Action im temporären EDM-Dorf gab. “Der Westen” vermeldet einen Pennymarkt, mitten auf dem Zeltplatz des Parookaville-Festivals. “Um 1.30 Uhr hatten wir noch sieben Kassen geöffnet, erzählt Regionalleiter Jochen Vogel. Der Markt habe an den zwei Tagen einen größeren Umsatz gemacht als die Weezer Filiale in drei Monaten.”  Bei diesem Gegenentwurf zur Fusion (deren Ferienkommunismus man hier als Dorfgemeinschaft umschreibt) würde ich zur dritten Auflage eine Opel-Sonderedition für denkbar halten. Sponsor Deichmann ist bereits mit der “Festival-Schuh-Selection” am Start.

Normaler EDM-Kommerz

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Penny und ein noch junges EDM-Festival finden also zusammen. Das Festival ist auf Erfolgskurs. Verdopplung der Zuschauerzahlen, 50.000 Tickets, ausverkauft. Scheinbar ist der Lebensmitteldiscounter bemüht eine jugendliche Klientel anzusprechen. Woran sind die interessiert? An Smartphones, gutem Aussehen, andere wissen lassen, dass man gut aussieht. Und vielleicht auch an fescher Electromusik. Welche Idee erblickt also nach einem Meeting mit dosenweise “Maximal Antriebsstoff” (im Video platzierter Red Bull Ersatz der REWE-Group, zu der auch Penny gehört) das Licht der Welt? Ein DJ-Contest! Das der, neben dem zu gewinnenden DJ-Slot auch mit der “professionellen Produktion Deines Tracks” lockt – geschenkt. Eventuell ist das Ganze eine feine Inszenierung. Viel Diskussion, viel Aufmerksamkeit. Auch ich tippe gerade Sätze und leiste damit Assistenz beim Marketing. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die junge Zielgruppe von nun an zu Pennyanern wird.

Wie war das eigentlich mit dem Werdegang elektronischer Musik? Kraftwerk, Techno, Deutschland, Europa – in den USA – außerhalb des Undergrounds – lange Zeit nichts. Dann kam EDM und börsennotierte Unternehmen, die Labels, Downloadplattformen und Festivals betrieben. “Die Transformation von Techno und House in eine Massenbewegung“, wie es Tobias Fischer in der aktuellen Beat schreibt. Während die Entwicklung in den USA rückläufig ist, schwappt dieses EDM-Festivalding zurück ins Mutterland. Wer geht zu solchen Events? Warum geht man dahin? Wegen der Musik? Wegen des Dabeiseins? Oder weil ein Festivalevent Teil eines Konsumkreislaufes ist? Ich verweise zur Vertiefung auf meinen Blogrebellen-Beitrag vom letzten Jahr.

Macht Euch locker

DJ im Münchner P1 ...

Yo, Penny sucht also einen DJ und labert von Tracks. Olivia Lonsdale, was die Darstellerin der DJane im Video ist, latscht auf den Mixer. Sicher auf Anweisung vom Regisseur, der hier eine Fußballer-Siegergeste vor Augen hatte. Oder die des Waidmannes, der sich mit seiner Jagdbeute ablichten läßt. Ob zufällig oder geplant, das Konzept geht auf. Wir reden drüber. Trotzdem ist mir Penny Rille und dieses Retortenfestival ebenso. Wer daran Freude hat soll hingehen, wer sich beim Contest Chancen ausrechnet soll mitmachen. Im Übrigen treten fünf Finalisten des Contests auf der “Penny Stage des Parookaville” gegeneinander an, der Sieger bespielt einen Slot auf der Mainstage. Kommt das Konzept jemanden bekannt vor? Hoffentlich müssen die DJs nicht drei Genres in fünfzehn Minuten bedienen.

Man kann es aber auch einfacher haben. Jochen hilft! Jochen Schweizer. Nach seinem Gründer ist ein Unternehmen benannt, welches “Erlebnisse verkauft”. Ballonfahrten, Candlelight-Dinner, schwimmen mit Robben. Für 199 Euro kann man sich als DJ ins legendäre P1 einkaufen. Legendär in Sachen Münchner-Bussi-Stories und Ur-Berghainscher Türpolitik. Für dieses kleine Geld gibt es freien Eintritt mit sechs Freunden, dazu eine Flasche Champagner und drei Titel, die man “als Gast DJ” selbst auflegen darf.  Leider muss man die Tracks zuvor an den Laden einsenden. Schade, ich hätte sonst vielleicht mal investiert, um die Toleranzgrenzen in so einem Nobelschuppen auszutesten. Wobei … fürs Auflegen zahlen? Da bleibe ich doch lieber beim bisherigen Prinzip.

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