Plattenregale im Vergleich

Plattenregale – Eine aktuelle Übersicht

Vinyl erfreut sich großer Beliebtheit. Und wo viele Schallplatten sind, stellt sich die Frage nach einer passenden Aufbewahrung. Das Angebot an Plattenregalen scheint riesig – hier gibt es eine Übersicht.


Die Schallplatte ist zurück! Das wird immer mal wieder verkündet, es ist auch wahr. Okay, es ist halbwahr. Denn so man einen längeren Zeitraum betrachtet, relativiert sich diese Behauptung. Die Kurve steigt, das Verhältnis zu früher ist das vom Mammutbaum zum Gänseblümchen. Aber klar – Platten werden verstärkt gekauft. Neben DJs diggen vor allem HiFi-Freunde schwarzes Gold. Doch wie bewahrt man seine Plattenschätze am besten auf?

“Schallplatten entweder senkrecht stehend oder auf ebener Unterlage bis zu 20 Stück übereinanderliegend aufbewahren.”*

Am Anfang werden die Schallplatten am Boden, in einer Kiste oder im Regal unter dem Plattenspieler gehortet.  Mit wachsender Zahl steht die Frage nach einem ordentlichen Plattenregal im Raum. Genauer: Im Wohnraum. Wo ein Kellerregal den Zweck reiner Aufbewahrung erfüllen muss, dient ein Plattenregal auch der Präsentation. Zeig mir Deine Plattensammlung und ich sag Dir, wer Du bist.

Form und Funktion

Plattenregal von Ikea

Die Anforderungen an ein Plattenregal richten sich nach dem Format und der Anzahl der Tonträger. Wächst eine Sammlung, sollte auch das Regal wachsen. Ein modularer Aufbau ergibt folglich Sinn.
In der Regel sind Schallplattenregale für das LP-Format konzipiert. Eine 12″-Langspielplatte misst 31,5cm im Quadrat. Gibt man für eine Schutzhülle noch etwas zu, sollte ein Fach im Regal mindestens 33 cm hoch und tief sein. Wieviele Schallplatten man nebeneinander stellt – also die Breite des Fachs – ist Geschmackssache. Die Platten sollten jedoch möglichst senkrecht stehen.

Tetsweise gewogen

Einfache LP mit Beiblatt und Schutzhülle: 268 Gramm

Nicht aus dem Auge sollte man das Gewicht verlieren. Ein 12″ Vinyl wiegt meist 140 Gramm oder 180 Gramm. Auf einer typischen Fachbreite von 33 cm bekommt man davon an die einhundert Stück unter. Rechnet man Innenhülle, Cover, eventueller Einleger und Schutzüberzüge zum Vinylgewicht, lasten gute fünfundzwanzig Kilo auf den 33cm Regalboden. Je dünner dieser ist, umso eher wird er sich durchbiegen.

Plattenregal am Boden
Eine große Plattensammlung, untergebracht in einem Regal aus Massivholz, erreicht ein Gesamtgewicht im Tonnenbereich.
Die aktuelle DIN-1055 schreibt für neue Gebäude eine Deckennutzlast von 150-200 kg/qm vor. Die Traglast von Decken in Altbauten dürfte darunter liegen. Klingt gefährlich, den Statiker muss man aber sicher nur in Ausnahmefällen konsultieren.

Entdecke die Möglichkeiten

Ingvar Kamprad gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Der Grund: Er verkauft billige Möbel. Seine Firma IKEA hatte mit dem Expedit eines der beliebtesten Plattenregale im Angebot. Hatte, weil vor zwei Jahren wurde es aus dem Sortiment gestrichen. Zudem war das Expedit nie als Plattenregal ausgewiesen. Es passte einfach: von den Maßen, im modularen Aufbau und beim Preis.

Plattenregal von IKEA: Kallax

Plattenregal von IKEA

Aus Expedit wird Kallax

Gegen das Aus des beliebten Möbels regte sich Widerstand. Tausende unterstützten bei Facebook die Seite “Retter das Expedit Regal“. Inzwischen heißt die “Mein Plattenregal” und verfügt über knapp 25.000 Follower. Ungeachtet der Proteste nahm IKEA einfach einen Expedit-Nachfolger ins Sortiment. Der nennt sich Kallax. Von den Innenmaßen ist er identisch mit Expedit. Die Unterschiede liegen in den Außenmaßen und in den verfügbaren Varianten.

Plattenregal von IKEA
Das klassische 4×4 Segment des Kallax kostet 25 Euro. Der Platz reicht bei voller Auslastung für etwa 400 Schallplatten. Als nicht ganz ernstzunehmenden Anhaltspunkt für einen Vergleich errechne ich einen PPP “Preis pro Platte“. In diesem Fall liegt der bei 0,06 Euro. (25:400=0,06). Eventuelle Versandkosten lasse ich – wie auch im Folgenden – unbeachtet.

Passt für IKEA Kallax

 

Wie schon beim Vorgänger wird auch für Kallax Zubehör offeriert. Das kommt nicht von IKEA selbst, sondern von Drittanbietern. So lässt sich das Regal mit einem Schallplatten-Einsatz von New Swedisch Design unterteilen.

Weniger stylisch, dafür aber preiswerter, sind die LP-Boxen der Spezialisten von Protected. Eine weitere Idee kommt von Plattenbilly. Damit lassen sich Platten – allerdings in einem Billy-Regal- mit dem Cover zur Ansicht einsortieren. Für Kallax müsste man das Prinzip modifizieren.

Plattenregal von der Stange

Plattenregal von Glorious

Einige Hersteller von DJ-Equipment bieten thematisch passende Möbel an. So hat Glorious diverse Module aufgelegt, aus denen sich ein Plattenregal bauen lässt. Die “Record Box 230” entspricht beispielsweise der Hälfte des oben erwähnten Kallax-Moduls. Für 400 Platten benötige ich davon zwei Stück. Der Preis dafür liegt bei 124 Euro. In denen bekomme ich aber 460 Platten unter. Macht einen PPP von 0,27 Euro. Ein Vorteil zum Kallax liegt in den angebotenen Segmenten.

Glorious Plattenregal

Erhältlich sind etwa schmale Module für 55 Platten und der Typus “offener Plattenkoffer” (Bild oben).

Plattenregal von Zomo

Mit Zomo hat ein weiterer deutscher Hersteller diverse Plattenregale im Sortiment, welche jeweils bis zu 400 Schallplatten fassen.  Größte Variante ist die VS-Box 100/4 für 129 Euro (PPP 0,32 Euro).

Bewegten wir uns bis hier im preislich moderaten Rahmen, steigen beim Cubit-System die Investitionskosten. Dafür bekommt man eine bessere Material- und Verarbeitungsqualität sowie eine Vielzahl an Modulen und vor allem an Farben geboten.

Schallplattenregal mit System

Für die Ermittlung des PPP dient das LP-20 Modul als Basis. Die “20” bezieht sich auf die Außenbreite, in Platten wären das etwa 60 Stück. Um 400 Platten (genau werden es 420) unterzubringen benötige ich sieben Module. 7×48=336:420, macht einen PPP von 0,8 Euro. Zu beachten! Farbe treibt den Preis nach oben. Ein(!) LP20 in rot kostet z.B. schlappe 63 Euro (PPP 1,05).

Plattenregal von Stocubo

 

Stocubo betreiben scheinbar offensives Marketing. Zumindest werden mir deren Adds oft bei Facebook eingeblendet. Das Internet kennt meine geheimen Wünsche. Stocubo kommt ohne Werkzeug aus. Alle Module werden einzeln geliefert, das Regalsystem wird gestapelt und mit Klammern fixiert. Das Stocubo in der Materie steckt, machen nützliche Hinweise zum Thema “Lagerung von Vinyl” deutlich, die sich auf deren Webseite finden.

Im Konfigurator auf der Webseite baue ich ein Kallax nach. Vier quadratische LP-Module kosten 176 Euro. Somit liegt der PPP in dieser einfachen Variante bei 0,44 Euro. Sowohl Preis, als auch Ausstattung lassen sich steigern. Wie bei Cubit sind viele Zusatzoptionen – z.B. Türen oder eine Grundplatte – wählbar.

Bodenständiges Plattenregal

Verschiedene Varianten eines LP-Regals bietet Regaflex aus Hamburg an. Die Version für 450 LPs kostet 179 Euro (PPP 0,4). Eine farbige Lackierung verlängert die Fertigungszeit und erhöht den Preis. Beides erheblich!

Exklusive Plattenregale

Wenn sich Design zum Handwerk gesellt, findet das im Verkaufspreis Niederschlag. Und in der Schnappatmung derer, die alles ohnehin selbst und billiger hinbekommen. Nur die Ideen, an denen mangelt es. Falls die da sind, fehlt die Umsetzung.

Plattenregal b-seite

 

Der gelernte Tischler Jens Baumann hat es hingegen einfach mal gemacht: Plattenständer b-seite. So heißt sein Regal für 50 oder 110 Schallplatten. Minimalismus pur, Eichenholz geölt, preislich mit 139 bzw. 159 Euro ambitioniert. Der PPP liegt je nach Version bei 1,45 bzw. 2,78 Euro.

Hi-Phile Schallplattenregal

 

Gut gelungen ist die Umsetzung des Regalsystems Hi-Phile. Anstelle einzelner Module wird hier auf eine Gesamtkonstruktion gesetzt. Das Steckprinzip spart den Einsatz von Werkzeugen beim Zusammenbau. Vorher müsste man sich Hi-Phile aber aus den USA kommen lassen. Der theoretische PPP (Stauplatz für 495 LP / Preis 625 Dollar) läge zum Tageskurs bei 1,09 Euro. Die Shipping-Kosten und der Zoll dürften den Preis in die Höhe treiben.Filigranes Plattenregal
Holz, Aluminium und Glas sind die Komponenten des Schallplattenregals Quadra von Wood & More aus Berlin. Die filigran wirkende Konstruktion ist mit drei oder sechs Glasböden erhältlich. Zudem ist über die gleiche Quelle ein großes Multiplex-Regal für 1120 Platten zu beziehen. Das kleine Quadra-Regal fasst 256 Platten. Preis – je nach Holzart – ab 195 Euro (PPP 0,76). Die größere Version kann 640 Platten beherbergen. Kosten: ab 335 Euro / PPP 0,51.

Plattenregal Grown
Ein Projekt, welches über Crowdfunding nach Finanzierung suchte war Grow. Obwohl eigentlich ganz clever gedacht, kamen keine 10.000 Dollar zusammen. Auch dieses Konzept sollte einfach zusammengesteckt werden und mit der Plattensammlung wachsen. Grow, Baby. Bye Bye, Baby. Leider nichts geworden.

 

[vimeo width=”600″ height=”450″]https://vimeo.com/161170088[/vimeo]
Ein charmantes System scheint Deeper Crates. Erinnert nicht von ungefähr an Plattenkisten. Zwei Größenvarianten sind für 12″, gedacht eine für 7″-Singles.  Die einzelnen Teile lassen sich miteinander verbinden. So entsteht ein Plattenregal oder ein DJ-Pult. Das 12″ Crate Large für 110 Platten kostet beispielsweise 65 britische Pfund, macht 82 Euro. PPP = 0,75 Euro. Plus Versand aus UK.

Wax Rax Plattenwagen

Was auf den Namen Wax Rax getauft wurde, hat Ähnlichkeit mit dem Bücherwagen einer Bibliothek. Nur eben für Platten optimiert. Der alltäglichen Optik steht ein exklusiver Preis gegenüber. Gibt es allerdings nur in den USA. Mal spaßeshalber den PPP errechnet: 12,08 Euro (4200 Dollar / 300 Platten). Vor Shipping und Steuer!

Atocha Design

Wo wir schon bei Exoten sind: Der Record Stand von Atocha Design – Made in New York – könnte aus der Kulisse von “Zurück in die Zukunft” stammen. Harmoniert bestimmt super mit einem Nierentisch, sofern der zu Eurem Interieur gehört. PPP 4,67 Euro zuzüglich Steuer und Shipping.

Platten für die Wand

Als Jingle für diese Spezialform der Plattenaufbewahrung könnte ich mir in miesen Träumen eine Adaption von “Schatten an der Wand” vorstellen. Seinerzeit die deutsche Version eines Hits von Mike Oldfield.

Plattencover als Bild an die Wand

Frame Your Records aus Köln wurden an dieser Stelle bereits vorgestellt. Das Plattencover fungiert als Bild, dahinter finden zwei Dutzend weitere Platten Platz. Die Idee ist originell, allerdings nichts für große Sammlungen. Ein Frame kostet 89 Euro. Auch wenn er hier ziemlich sinnfrei ist, der PPP liegt bei etwa 3,50 Euro (geschätzte Kapazität: 25 Platten).

Cover Vinyl Bilderrahmen

Das gleiche Prinzip, in der Umsetzung schlichter, verfolgt Cover Vinyl. Auch dabei steht der Gedanke der Präsentation eines Plattencovers im Vordergrund. Ähnlichkeiten zu einem Postkartenständer sind erkennbar. Für 46 Euro erhältlich, zehn LPs passen in eine Halterung. PPP = 4,60 Euro.

Plattenragel mal anders

Ebenfalls kein wirkliches Regal, vielmehr ein Plattenhalter ist der Troxxy Cover Lover. Die Besonderheit ist das Material. Vinyl für Vinyl. Nach dem Bild würde ich die Kapazität auf zehn Platten schätzen. Bei einem Kaufpreis von 69 Euro beträgt der PPP 6,90 Euro.

D.I.Y- Plattenregal selber bauen

Im Grunde besteht ein Regal aus paar Brettern. Diese einigermaßen zweckdienlich zu verschrauben sollte kein Problem sein. Handwerkliche Geschick und passendes Werkzeug vorausgesetzt, gibt es bei der Umsetzung eigener Ideen kaum Schranken. Man sollte sich jedoch zuvor einen Plan zurechtlegen. Inspiration liefern die vorgestellten Plattenregale sowie diverse Seiten im Netz. Nur im Vergleich zu IKEAs Kallax kann man nichts sparen. Zeit nicht, Geld nicht. Dafür ist ein selbst entworfenes Regal immer um einiges schöner.

Wie bewahrt Ihr Eure Platten auf? Kennt Ihr noch andere Plattenregale oder habt Ihr sogar selbst eins gebaut? Lasst uns gern über die Kommentare an Euren Erfahrungen teilhaben.

 

* Zitat von der Rückseite einer Veröffentlichung des DDR-Labels Amiga

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