Red Bull Thre3style Germany 2016

And The Winner Is …

In den frühsten Morgenstunden des Donnerstages wurde verkündet wer Deutschland beim Finale der Red Bull Thre3style Battle in Chile vertritt. Es ist PRO-ZEIKO. Ein Gedächtnisprotokoll. 

 

Mit der Jacke hatte ich an der Garderobe auch mein Notizbuch abgegeben. Dafür hatte ich eine Kamera dabei. Die machte aber keine schönen Bilder, was hauptsächlich am Licht lag. Soviel zu meinen Problemen. Im Laufe der Nacht sollte es an bedeutenderer Stelle mehr davon geben. Nicht bei mir, bei der Technik. Doch der Reihe nach.

Gegen elf lief ich mit meiner Begleitung im Dresdner Kleinvieh ein. Die Location ist noch relativ frisch, in der Bespielungsvariante mit großem Floor hatte ich sie noch nicht erlebt. Grundsolide Halle, ordentliche Bühne, ordentlicher Sound. Bei unserer Ankunft waren die Räumlichkeiten knapp zur Hälfte gefüllt. Dan Gerous, Vorjahressieger und Teil der diesjährigen Jury,  spielte das Warmup. Nach Mitternacht bewegte Moderator Bartek die Anwesenden – nicht ohne die ersten zweimal “wunderschön” auszurufen – sich der Bühne zu nähern. Das war weitsichtig, denn kurz darauf war die Arena ziemlich gefüllt und die Spiele begannen.

DJ REMAKE

Die Reihenfolge der Teilnehmer wurde vorab per Los ermittelt. DJ REMAKE startete als Erster und das zünftig,  was besonders den eingestreuten Anteil an Blasmusik betrifft. Das darf der Mann – er muss es sogar – ist er doch aus München. Den Weg von da hatten offensichtlich auch zahlreiche Fans gefunden, wie man Sprechchören und Beifallsbekundungen entnehmen konnte. Musikalisch ging es im Sekundentakt durch diverse Genres und Tempobereiche. So sollte Thre3style sein, aber irgendwie wurde ich – im Gegensatz zu den Pads vom Controller – erstmal nicht 100% angetriggert.  Eigentlich die bunteste Mischung des Abends. Aber für meinen Geschmack zuviel Hektik, zuwenig klare Linie, viele Breaks und nach Sekunden das nächste Ding (oft ohne für mich erkennbaren Zusammenhang).Technisch hohes Niveau und auf dem ziemlich sauber. Dazu muss man wissen, dass ich durchaus ein Herz für karibische Dancehall-Kultur habe und das mir als Mashup-DJ ähnliche Kritik (zuviel, zu schnell …) angetragen wird. Später bekam REMAKE allerdings die Kurve und in der stand ich. So Beach Boys und Chubby Checker einbauen ist das, was ich bei so einem Battle eher erwarte, als hochmeisterliches Scratchen. “Lets Twist Again” bietet Ausgangsmöglichkeiten .. REMAKE kam zu Martin Luther King und darüber zu “Black and White“.  Das zumindest konnte ich nachvollziehen. Insgesamt ein gutes Set, welches am Ende den dritten Platz einbrachte.

PRO-ZEIKO

Als nächstes ging PRO-ZEIKO an den Start. Aufgrund seiner Vergangenheit als ITF- und DMC-Champ galt der Berliner als Mitfavorit. Wie erwartet gab es gleich zum Einstieg Proben seiner meisterlichen Skills im Fingerdrumming. Auch im weiteren Verlauf technische Sonderklasse. Aber nicht in Sachen Technik an sich, denn mit der gab es scheinbar erste Probleme. Als hätte er es geahnt, hatte PRO-ZEIKO den Ausfall seines Traktor Z2-Mixers ins Set eingebaut. RAFIK wird später weniger darüber lachen. Bei PRO-ZEIKO ging es nach fünf geplanten Schrecksekunden munter weiter. Musikalisch ein absolut partytaugliches Set, gefühlte tausend Hits in fünfzehn Minuten. Technisch top. Zu Honey Bunnys Worten aus Pulp Fiction gab es einen Schuss aus der mitgebrachten Konfettikanone. PRO-ZEIKO fuhr letztlich den Sieg ein. Er wird also zu den World Finals nach Chile fahren. Technisch mache ich mir da wenig Sorgen, musikalisch fand ich sein Set so bunt (gut), wie vorhersehbar (weniger gut). Kurz: Für Chile könnte es nicht schaden mal eine Cumbia aufzubrezeln und mehr auf Überraschungsmomente zu setzen.

DJ BEKZ

Es folgte der Lokalmatador. Straight outta Ottendorf Okrilla: DJ BEKZ. Der setzte schon mit den Einführungsworten auf die deutsche Sprache. Und danach. Hafti hier, SSIO dort, dazwischen Dynamo Hip Hop. Es gab noch Pippi Langstrumpf zu hören, anschließend wurden wieder Affen aus dem Zoo gelassen. Alles in allem erstmal Respekt, sich so einem Wettbewerb zu stellen. BEKZ hatte Heimvorteil und eine massive Crowd als Rückhalt. Er ist unter Garantie auch eine Partygranate bei seiner Zielgruppe, das wurde deutlich. Musikalisch fand ich es allerdings zu eingleisig. Genau der Fall, wo ich (subjektiv) Probleme habe drei verschiedene Genres zu erkennen. Klar, schon deutscher und US-Hip Hop sind zwei Genres. Theoretisch. Vermutlich gibt es Leute, die selbst Deutschrap noch in fünfzig Schubladen aufteilen. Mir ist das zu wenig Abwechslung. Dass es nicht aufs Treppchen reichte, dürfte den ausbaufähigen technischen Skills geschuldet sein. Da lag die Latte im Vergleichsumfeld an diesem Abend aber auch verdammt hoch.

DAVID DELANE

Danach kam es zum ersten Totalausfall. Ausgerechnet beim Favoriten, RAFIK. Aber nicht RAFIK selbst, sondern sein(?) KONTROL Z2- Mixer stieg aus. Und dass, wo Traktor in diesen Kreisen Exotenstatus hat. Während ich mich noch wundere, wie so ein Unglück ausgerechnet zu dem Zeitpunkt passieren kann, wird DAVID DELANE vorgezogen. Der junge Mann hatte mich im vergangenen Jahr positiv überrascht. Nun also der zweite Anlauf mit Bombastintro, Handtuchgewedel und sofortigem Gitarrenbrett, welches in Shaggy vs Ravon “Big Up” aufging – bzw. nicht so richtig. Die Routine verschiedene Bläserthemen abzugrasen, um bei Katchs Überhit “The Horns” zu landen, meine ich schon mal irgendwo gehört zu haben. Der (Platten-Toneplay?) Übergang von “Ring, Ring, Ring” zu “The Horns” war aber genau das, was ich bei so einem Battle mit Freuden erwarte.  Trotz Pokemon-Battle-Lyrics: Entertainer ist David nicht, finde ich auch nicht schlimm. Die Jury sieht das eventuell mit anderen Augen. Technisch meine ich einige Unsauberkeiten vernommen zu haben. Auch da hat die Jury sicher genauer hingeschaut. Kurz: Thre3styles? Auch mit erwähntem Gitarrenbrett waren die (i.m.o.) kaum da. Letztes Jahr hatte mich DAVID DELANE mehr geflasht.

RAFIK

“Wunderschön” rief BARTEK fünfmal hintereinander und erläuterte die Fortschritte bei der Reparatur von RAFIKS Mixer. “Mit Ventilator trocken machen“. Die Frage “Dresden habt ihr noch Energie” wurde nicht mehr ganz so energisch, aber immerhin mit “Ja” beschieden. FLIPOUTs spontan zwischengeschobenes Set fand noch weniger Widerhall. Es folgte trotzdem. Old School Business, von 7″-Single. Zur Entspannung …

… denn dann kam doch noch RAFIK. Er wurde also nicht, wie es mancher im Netz glaubte, wegen technischer Probleme disqualifiziert. Als Intro lief “Die Sendung mit der Maus” und dann wurde Alarm geschlagen. In Sachen Technikskillz müssen wir hier über nichts reden. Weltklasse. In Sachen Technik gab es – trotz neuem (Grzly Adams?) Mixer – kleine Probleme. Da stand RAFIK diesmal aber drüber und feuerte ein solides Set ab. Man sollte nicht vergessen, womit der Mann seine Brötchen verdient: mit Showcases. Manche Transitions kannte man bereits, so das Ding von Jackson Five zu Tropkillaz. Auch RAFIK zog noch mal “The Twist” um danach seine volle Klasse auszuspielen. Fingerdruming-Drum`n Bass Pink Panther. Oder Pink … Panda? Das Set war aus einem Guss. Ein Zitatehörspiel musikalischer Art. Ohne technischen Ausfall hätten wir hier den 2016er Champion gesehen. “Du bist ein Opfa der Technik, Brudi” würde wohl Dingsbefehl sprechsingen. Platz 2 ging an RAFIK.

GRZLY ADAMS

Den Abschluss machte GRZLY ADAMS und das ordentlich. Musikalisch spezieller als die fünf Vorgänger, eher so “Sample-“, als “Genrelastig”. Ziemlich entspannter Ausklang, passte zum Zeitpunkt. Selbst der Z2-Mixer machte keine Probleme mehr.

Damit war die Party nicht vorbei. Die Jury zog sich zur Beratung zurück und DJ BYTE, der 2015er World-Champion, spielte ein Set. Dann die Siegerverkündung und bei “zweiter Platz: RAFIK” Überraschung sowie Unmut. Ich kann nachvollziehen, dass auch technische Ausfälle in die Wertung gehören. Außer: alle haben technische Ausfälle. Was nicht der Fall war. Nun ist es an PRO-ZEIKO in Chile die Krone zu holen … so wie es vor zwei Jahren ESKEI83 tat. Der legte ganz zum Schluss noch auf, ich war da bereits wieder an der Garderobe.

Fazit: Schönes Ding, mit Hängern. Wenn ich mal Kritik über darf: Vor allem die technische Übersteigerung tut dem Format nicht gut. Ich meine, wer soll nächstes Jahr kommen? Qbert, nach vorheriger Schnelleinbürgerung? Vielleicht wäre es mal eine Idee die Dominanz der Plattenspieler aufzubrechen. Inzwischen sind die doch eh nur noch für die Scratch-Routinen da. Die Musik selbst wird per Pad getriggert. Controller-Only ist vom Reglement nicht ausgeschlossen, macht nur keiner. Wobei KYPSKI in obigem Video schon auf dem besten Weg ist.

Auffällig war zudem, dass niemand einen Kopfhörer trug. Muss man auch nicht, bei Edits und mit Cue-Punkten sowie gespeicherten Loops. Damit kommen wir aber in die Bereiche, wo die Leute nicht checken, was da gerade abgeht. “Was macht der da? Ist das vorproduziert?” Ich hatte die Red Bull Thre3style gerade wegen des partytauglichen Genremix als erfrischend empfunden. Gern mit Toneplay und gelegentlichen Scratchexzessen. Alles was darüber hinausgeht, soll sich doch bei der DMC versuchen.  Die findet in Deutschland ja nach einer Auszeit wieder statt. Oder aber … mehr musikalische Überraschungen einbauen und musikalische Vielfalt zeigen. Bei drei Genres ist noch lange nicht Schluss .

Wie wäre es zum Beispiel wenn – nur mal so als Idee – die Jury spontan den Teilnehmer auffordert für zwei Minuten ein Genre “zu bedienen”. Sagen wir Reggae. Da könnte man sich herrlich austoben. Von Prodigy zu Max Romeo, von Major Lazer zu Nora Dean und von jedem Hip Hop Classic lässt sich eine Offbeatversion finden. Oder Original vs Sample. Ein DJ sollte die Grundsteine kennen. Es muss ja nicht völlig ausgefallen sein, aber etwas mehr musikalischer Umfang könnte nicht schaden. Vielleicht fühlt sich auch eine spezielle Gattung DJ von diesem Wettbewerb angesprochen? Wiegt der technische Aspekt mehr als eine breite Auswahl an Musik? Stehe ich mit meiner Meinung allein auf weiter Flur?

Dass sich die Diskussionen im Netz um technische Finessen spinnt, ist bezeichnend. Das ist ohne Frage das Salz in der Suppe. Und auch ein Koch braucht handwerkliches Geschick. Wenn im Suppentopf aber überall nur Möhren und drei gehackte Zwiebeln schwimmen, spielt es keine Rolle, wie schön der Koch den Löffel rührt. Ich fordere einen beherzten Griff ins Gewürzregal, sage “Danke” an Red Bull sowie “Viel Glück” in Richtung PRO-ZEIKO.

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