gigmit review

GIGMIT – Ist das was für DJs?

Wie kommt ein DJ an Gigs? Zum Beispiel über die Online-Vermittlung GIGMIT. Oder doch nicht? Ein Erfahrungsbericht.

 

Vermutlich gibt es mehr Deejays als Auftrittsmöglichkeiten. Und falls es Zweifel aufkommen, grenzen wir ein: bezahlte Auftrittsmöglichkeiten. Normalerweise ist es hartes Stück Arbeit, um in eine Position zu gelangen, in der Anfragen von Veranstaltern von selbst eintrudeln. Man braucht Reputation. Hat man die und leistet noch härtere Arbeit, kümmert sich vielleicht mal eine Agentur ums DJ-Booking.

Die klären dann finanzielle und technische Belange. Außerdem kümmern die sich nicht nur um Cateringwünsche und Konfettikanonen, sondern auch um die Anzahl der Kopfkissen bei der Übernachtung. Dafür streichen sich die Bookingagenturen einen guten Teil (oft 20%) von der Gage ein. Das kann durchaus Sinn ergeben. Einerseits handeln die Profis oft mehr aus, als man selbst aufrufen würde. Anderseits müssen die Agenturen Bookings einfahren, sonst verdienen sie nichts. Vor allem haben gute Agenturen weitreichende Kontakte … das Gold der Branche. Es gibt nur eine Hürde: in den Artist Roster einer Agentur aufgenommen zu werden.

DJ-Booking für jederman

Unbekannte DJs will keiner buchen. Unbekannten Bands geht es noch schlechter. Also schickte man bisher Demos herum und mailte oder telefonierte dann nach. Sackgang in Hochpotenz. Wenn doch mal Interesse aufkommt, geht es anschließend ums Geld. Dazu tausend Detailfragen. Wäre schön, wenn es eine zeitgemäße Möglichkeit gäbe ein Booking zu realisieren. Moment – diese Plattform gibt es. GIGMIT, ein seit 2012 aktiver “Marktplatz für Musikbooking”.

Die Idee ist super. Bands erstellen ein Profil, Veranstalter suchen sich die passende Band. Oder sie erstellen ihrerseits eine Veranstaltung, auf die sich dann Bands bewerben können. Geht man nach der Aussage von GIGMIT, gibt es auch für DJs Blumentöpfe zu gewinnen. Und da mir eine FB-Add das “Plötzlich am Meer Festival” anzeigt, welches über GIGMIT DJs sucht, starte ich einen Testlauf. Immerhin habe ich ebendort schon mal aufgelegt, da darf ich mir wohl Chancen ausrechnen. Vorhang auf, die Show beginnt.

GIGMIT im Praxistest

Gigmit Testbericht

Die Anmeldung unter gigmit.com ist relativ simpel. Es beginnt mit dem Namen des Acts und der Klassifizierung als Band oder DJ. Dann folgt eine erfreulich detailierte Auswahl für die Genres, in denen man sich beheimatet sieht. Und schon ist man bei der Gage. GIGMIT bietet noch vor den Adressdaten die Möglichkeit seinen Wunschsold einzutragen. Nachdem die persönlichen und die Login-Daten festgelegt sind, befindet man sich schon im Basisprofil. Bis hierhin ist alles kostenlos und Gründer Marcus Rüssel meldet sich per automatisierter Grußnachricht. Der Hinweis “Marcus war vor über einer Woche das letzte Mal aktiv” entgeht mir nicht. Und der Pessimist in mir fragt sich, ob das ein gutes Zeichen ist.

Letztens habe ich gelesen, dass Kinder eher schönen Menschen vertrauen. Veranstalter wiederum vertrauen schönen Artistprofilen. Ein solches gilt es zu erstellen. GIGMIT bietet die Möglichkeit ein komplettes EPK (Electronic Press Kit) zu erstellen. Neben blumigen Worten zum eigenen Tun, Bildern, Tracks, Videos oder sonstigen Releases, können an dieser Stelle bereits detailierte Technik- und Cateringrider hinterlegt werden. Dazu gibt es ein “Fanradar”, welches auf einen Blick Auskunft über die eigene Beliebtheit in sozialen Netzwerken gibt. Hmm, vermutlich vertrauen Veranstalter besonders diesem Part.

Gigs finden und gefunden werden

Gigmit - DJ-Booking

Bis hierhin habe ich keine Einwände, nun geht es auf die Suche nach Gigs. Dabei stellt sich umgehend eine erste Enttäuschung ein. Die begrenzte Suche nach “DJ” ergibt insgesamt nur knapp fünfzig Einträge. Da ist die “Christmas Party” in der Schützenhalle Kampen, das Firmenfest in Bad Soden, ein Festival in Berlin, Clubabende in London sowie einige “Events ohne Namen” quer durchs Land. Alle suchen erstmal einen oder mehrere DJs. Manche zahlen Gage, Reiskosten und Übernachtung, andere (London natürlich) loben gar nichts aus. Und mitunter findet sich weder eine Angabe zur Location noch zum gesuchten Inhalt. In diesen Fällen könnte eine gewisse Vorkontrolle seitens GIGMIT nicht schaden.

Der positive Fall

Gigmit Erfahrung DJ-Booking

 

RABRYKA Görlitz zählt zu den “Top Promotern”. Laut Statistik wurden schon einige Gigs über GIGMIT gebucht. Die notwendigen Informationen zur Location und zu den gewünschten Musikstilen liegen vor. Nur die Gage steht nicht fest, die ist verhandelbar. Gesucht werden DJs aus den Bereichen Drum´n Bass, Hip Hop oder Electro. Ein breites Spektrum, in dem sich bereits 68 DJs zu einer Berwerbung eingeladen sahen. Ich erlaube mir einen schnellen Klick auf “Jetzt bewerben” und bin Nummer 69. Als Verhandlungsgrundlage für die Gage gebe ich 350 Euro an. Dazu brauche ich noch eine einfache Übernachtung. Ich bin wirklich pflegeleicht. Kurze Zeit darauf werde ich über die Absage informiert. Der Grund: musikalisch unpassend. Schade, aber damit kann ich leben.

Der negative Fall

Gigmit Angebot

dfdfdfdf in sdsdsd sucht DJs aller Genres und von überall. Weitere Angaben zu Details fehlen komplett. Immerhin werden Reisekosten übernommen und 900 Euro Gage in den Raum gestellt. Das erklärt, warum sich bereits 20 DJs beworben haben. Mir erscheint eine Bewerbung sinnlos. Vielleicht lege ich zuviel Wert auf eine gewisse Grundseriosität, welche in diesem Fall nicht gegeben scheint.

Einladungen und Mails

Gigmit

Direkt über das Dashboard von GIGMIT laufen auch Einladungen von Veranstaltern ein. Per Mail wird man zudem auf anstehende Highlights aufmerksam gemacht. Aber schauen wir mal genauer hin. Da sucht das Puppet Rock Festival aus dem tschechischen Pilsen DJs für den Fuse Club im belgischen Brüssel? Die Genres: Drum ’n Bass, House Minimal House, Tech, Trance, Acid, Progressive House. Ich nehme an, dass das von mir auch bediente (und ausgewählte) Genre Drum’n Bass zu einer Einladung an mich führte. Würden wenigstens zwei Genres mit meinen übereinstimmen, würde ich mich glatt mal bewerben. So lass ich es. Überhaupt – das nebenbei – beschränken sich die Gesuche in vielen Fällen auf “Techno, House, Electro”.

Nun aber zum “Plötzlich am Meer Festival”. Beziehungsweise nicht, denn das taucht auf bei GIGMIT gar nicht auf. Dafür ein “Sonne über Berlin Festival”. Ein Premiumgig, der 150 Euro Gage ausschreibt. Gesucht werden auch hier Minimal-, Techno- und House-DJs. Weltstadt Berlin – ich bin raus. Aber, was ist ein Premiumgig?

Die Sache mit dem Geld

Gigmit Erfahrungsbericht

Die Basismitgliedschaft bei GIGMIT ist kostenlos. Diese erlaubt die Erstellung von einem Presskit und eine Bewerbung auf einen Gig pro Woche. Darüber hinaus gibt es noch ein Premium-Basispaket für 9 Euro (netto) im Monat. Über das kann man sich unbegrenzt auf Gigs bewerben, aber nicht auf alle. Für die Premiumgigs braucht man nämlich ein Premium-Startkonto. Das kostet schon mal 29 Euro (netto) im Monat. Im Gegenzug erhält man zusätzlichen Zugriff auf eine Veranstalterdatenbank.

In der Gold-Edition versucht sich GIGMIT als persönliche Booking Agentur. Für 129 Euro im Monat gibt es “maßgeschneiderte Gig-Angebote, individuellen Booking-Service und persönliche Unterstützung“. Ein Gig im Monat wird garantiert. Ich wäre geneigt herauszufinden, wie das in meinem Fall aussehen würde. Ich mag aber keine 129 Euro investieren, um für 70 Euro in einer Berliner Bar die Hintergrundbeschallung zu machen. Diese Vermutung stellt sich zumindest eher ein, als die, dass ich der gutbezahlte Headliner eines Open Airs werde.  Warum bin ich so pessimistisch?

Gigmit Testbericht

Meine Vorsicht hat einen Grund. Ich verzeichne nämlich inzwischen eine Paypalabbuchung für das Premium-Basispaket. Anfänglich hatte ich vermutet, die kostenlose Variante wandelt sich nach 30 Tagen automatisch in eine bezahlpflichtige. Und ich habe die “fristgerechte Kündigung” verpeilt. Die Theorie der “Abo-Köder-Falle” wird durch eine Abbuchung im Vormonat über 0,00 Euro untermauert. Doch laut AGB muss ich aber höchstselbst mein Profil umgewandelt haben. Das ist mir absolut nicht erinnerlich. Lange Rede kurz: Aufpassen!

Das Fazit

Gigmit Erfahrungsbericht

Die Grundidee “Marktplatz für Musikbooking” ist super. Die technische Umsetzung würde ich als gelungen bezeichnen. Es wurde an vieles gedacht, was bis hin zu Vertragsabschlüssen mit Veranstaltern geht. Es sieht gut aus. Es erschließt sich intuitiv. Das Geschäftsmodel sehe ich jedoch ambivalent. Normalerweise zahlt der Veranstalter eine Gebühr an eine Bookingagentur. Oder die Agentur lebt von Anteilen an tatsächlich vermittelten Gigs. Aber, im Voraus eine Gebühr zahlen, um sich als einer von Siebzig auf einen Gig bewerben zu dürfen? Kann man machen, stinkt aber. Würde das Angebot – beziehungsweise die Gesuche – passen, könnte man sich überlegen, ob man investiert. So ist mein Urteil eindeutig: für DJs – die ja direkt umworben werden – weitgehend wertlos. Klingt hart, mag auch bei Bands anders sein. Dann ist noch die Sache mit der Abbuchung. Klar, meine Trottligkeit. Generell finde ich solche automatischen Umwandlungen nicht koscher. Man sollte sich bewußt entscheiden. Das mache ich jetzt auch. Ich werde nämlich schleunigst auf “Account löschen” klicken und hoffe, dass mein Konto danach unbelastet bleibt.

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