redbullthreestyle2016

Red Bull Thre3style Battle 2016 – Ein Rückblick aus der Ferne

Es gibt einen neuen Weltmeister. DJ-Weltmeister, um genau zu sein. Lasst uns mal darüber reden. Die Eckpunkte: Red Bull Thre3style, ein kaputtes Macbook und Definitionsprobleme. Musik? Auch!


Letzte Woche fand in Santiago de Chile das Finale des Red Bull Thre3sytel Battle statt. Ihr wisst schon, das Ding, wo DJs in fünfzehn Minuten Tracks aus mindestens drei Genres zusammenmixen müssen. Dazu ein Spagat zwischen Crowdrocken und technischen Skills, so will es das Reglement. Manche Freizeitjuroren in den Weiten des WWW scheinen das nicht so richtig mitbekommen zu haben, sie wähnten sich bei der DMC. Dort liegt der Focus auf dem Handgelenk, beim Thre3style auch auf dem Hüftgelenk. Um es mal auf Orthopädisch zu sagen.  Doch der Reihe nach.

Der neue King of Thre3sytle kommt aus der Karibik. DJ Puffy aus Barbados war neben JFB auch mein heimlicher Favorit. Vorher – mit seinem Bewerbungsset. Seine fünfzehn Minuten zum Finale hinterließen bei mir wechselhafte Eindrücke. Zu Beginn verwirrte mich eine seltsame Introcollage nebst euphorischer Guetta-Geste. Hands Up … so muss das wohl heutzutage. Es folgte wenig später der Soulklassiker “My Girl” auf der Nintendomelodie. Was irgendwie schräg klang. So im Sinne von unharmonisch. Dem schlossen sich einige nette Ideen an und mit Daddy Yankees “Gasolina” eine musik-geografische Verortung nach Lateinamerika.

Dann gab es ein Dubplate von Rupees “Tempted To Touch”. Ich muss gestehen, dass ich den Tune noch immer sehr groovy finde. Nice. Inzwischen hatte Puffy die Crowd – dem Video nach zu urteilen -ordentlich im Griff. Während ich noch gediegen mit dem Fuß wippe, hat der Siegertyp, der da noch keiner ist, das Tempo angezogen. Dazu ist er an den Bühnenrand geeilt, um das zu EDM-Beats ertönende “Hands up” als Gestendolmetscher an das Publikum zu transferieren. Wo er schon soweit ist, schiebt er das nach, was im Big Room wohl für exotisch steht: Don Omars “Danza Kuduro”. Nun ja.

Anschließend Elvis Crespos “Suavemente”, was ich manchmal im Kennedy Jones Salsa-Trap Edit durch die Boxen jage. Puffy nimmt Fahrt auf und lenkt Richtung karibischer Heimat: Soca. Ein Feuerwerk, welches mit Machel Montanos “Like a boss” kulminiert … nee, denkste. Statt kulminiert wird halbiert, und zwar das Tempo. Flux Pavilion oder sowas. Von Stockhausen gibt es den “Gesang der Jünglinge im Feuerofen“, Puffy intoniert die weibliche Entsprechung. #irgendsoeinvoicegepitche.

Kurz vorm Ende blitzt das auf, was ich mag. Dawn Penn setzt die Lyrics von Amy Winehouse fort, allerdings auf einem kruden Riddim. Johnny Osbournes “Buddy Bye” beendet schließlich den Reigen beziehungsweise Fat Joe mit einem treffenden “All the way up”. Das letzte Wort hat Justin Trudeau, da muss man auch erstmal drauf kommen. Nachdem ich das Set Püree massieren habe lassen ((C) Nachdenkliche Sprüche), entfleucht mir ein “Hmm”. Einfach nur “Hmm”.

Also, Puffys 5 Minuten Set fand ich dufte. Wie man an “dufte” ableiten kann, bin ich gut doppelt so alt wie der neue Markenbotschafter von Red Bull in der Karibik. Zu alt? Die fünfzehn Finalminuten fand ich erbaulich, aber weder technisch noch inhaltlich brilliant. Der Sieg sei dem super sympathisch Puffy von Herzen gegönnt. Andere Geister sehen das kritischer und hier schwenken wir mal von der Musik zur Technik.

Anfänglich waren die Thre3style ein offenes Format, bei dem das Lesen der Crowd und musikalische Originalität Gewicht hatten. Eigentlich genau das, was (für mich) einen DJ ausmacht. Wenn man dann noch zwei Tracks mixen, scratchen und Cue-Punkte triggern kann: umso besser. Mit diesem Jahr scheint der Focus verschoben. Es deucht mich, Red Bull hat bei der DMC-Klientel Flyer verteilt. Auch technische Skills gehören dazu – ohne Zweifel. Sie sind aber nicht alles, schon gar nicht, wenn der musikalische Horizont unterhalb sieben Zoll liegt. Vorm arroganten Höhenflug kommt die Prüfung in History of Music. Fliegen darf nur, wer außer Baby Scratch auch “Lagos Baby” an den Bläsern erkennt. Zur Startfreigabe wird das Jazzyunser gebetet: “I respect ALL DJs … turntablist, club, radio, mobile“. Dann kann es von mir aus losgehen.

Und dann war da noch der Promomove 2016. Getätigt von unserem deutschen Delegierten, Pro Zeiko. Der Unhold zerbrach im Vorfinale sein Macbook. Dazu eine Stimme aus dem Off, von wegen DJs pressen keine Buttons und so. Konsequenterweise – Laptop war ja kaputt – ging es mit Vinyl weiter. Eigentlich war das Set sehr überlegt strukturiert. Elemente. Feuer, Wasser … und Liebe. In Pro Zeikos Fall die Liebe zu Vinyl. Charmante Idee, interpretierbar umgesetzt. Merke: Liebe und zerstörende Gewalt sind kein schönes Paar!  Und dann war da noch ein weiteres “Element”, die Physik. In Form springender Nadeln, was dann ein vorzeitiges Aus zur Folge hatte. Aber … das Video wurde x-mal mehr geteilt, geliked und irgendwas, als Puffys Siegerset. Virtuelles Schulterklatschen. Ist ja auch einfach zu verstehen. Analog gut, digital doof. Aber hey … alles Show. Er hat schon wieder ein neues Laptop, das macht er auch nicht kaputt. Die Traktor-Machine rollt weiter.

eskei-vs-pro-zeiko

Ach ja, Show … Hoffentlich war auch das Geplänkel zwischen Eskei und Pro Zeiko ein frühes Werbeelement für eine “Battle of the giants”. Bitte, bitte, bitte. Auuufff der analogen Seite: Fraaaannzzz “Pro” Zeikooooo. Aaaauuufff der digitalen Seite: Eskei “The King” König. Jeder fünfzehn Minuten, mindestens 50% Frauen auf dem Floor, DJ-Fan-Holligans ausgeschlossen. Und dann schauen wir mal, wer hier den Längsten hat. Ich würde mich freuen.

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