Technics SL 1210 GR

Technics SL 1210-GR – DJ-Plattenspieler (nun doch noch)

“Der Technics ist zurück” tönt es allerorten. Der 1210-GR ist da. Gefühle zwischen “Hurra” und “Leck mich am Arsch”. Eine Bestandsaufnahme mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Alternativen.

Als Technics den “Zwölfzehner” aus dem Programm nahm, rollte eine Welle der Empörung durch das Netz. Ähnliches geschah, als die Japaner die Rückkehr der Legende vermeldeten. Gern wurde dabei eine “Dankbarkeit an DJs” eingefordert. Das der Plattenspieler ursprünglich gar nicht an diese Zielgruppe adressiert war, geschenkt. Zu attestieren ist ihm nach gut vierzig Jahren jedoch eins: der “Zwölfzehner” gehört untrennbar zur DJ-Welt.

Unterschiede & Gemeinsamkeiten

Früher: Technics SL 1210 MK5

Früher: Technics SL 1210 MK5

Dröseln wir mal kurz die Geschichte auf. Was umgangssprachlich “Zwölfzehner” (1210) genannt wird, ist gern auch mal ein “Zwölfhunderter” (1200). Die Farbe macht den Unterschied. Der 1200 ist die silberne Variante, der 1210 ist schwarz. Bei den Versionen, die vor der Einstellung der Produktion gebaut wurden, sind der MK2 sowie der MK5 die populärsten Modelle. Der im Jahr 2002 eingeführte MK5 brachte einen Pitch-Reset mit. Weiterhin wurde auf eine Rastung beim Nullpunkt des Pitch verzichtet. Das Anti-Skating konnte nun bis 6 Gramm eingestellt werden und der Powerschalter erhielt einen Schutz gegen versehentliches Ausschalten.

High End: Technics SL 1200-GAE

High End: Technics SL 1200-GAE

Im letzten Jahr verkündete Panasonic, der Konzern zu dem Technics gehört, das Comback des 1200. Und zwar zuerst mal als 1200-GAE. Die anlässlich des Geburtstags der Marke (“50 Jahre Technics”) aufgelegte Edition war weltweit auf eintausendzweihundert Stück limitiert. Der Preis: 3500 Euro. Schneller Abverkauf.

Wenig später folgte der unlimitierte 1200-G. Außer einer Plakette und leichten Unterschieden bei den Absorber-Füßen sind beide Modelle wohl identisch. Das betrifft leider auch den Preis von 3500 Euro. Die Modelle GAE/G wurden komplett neu entwickelt. Neuer Motor, neuer Plattenteller, neuer Tonarm plus optimierte Entkopplung. Schon durch diesen Fakt läßt sich kein einfacher Preisvergleich mit den Vorläufern anstellen. Dazu kommen generell gestiegene Kosten sowie eine Handfertigung nebst Begrenzung der Tagesstückzahl.

Preiswerter und silbern: Technics SL 1200-GR

Preiswerter und silbern: Technics SL 1200-GR

Nach einigem Hickhack zwischen High-End, HiFi und DJ – oder auch “nicht für DJs” – folgte die Vorstellung einer preisgünstigeren Version. Deren Bezeichnung: 1200-GR. Und letztlich schob Technics vor wenigen Tagen einen 1210-GR nach, dazu die Worte “perfekt für den professionellen DJ-Einsatz”. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht der Preis. Um Adorno abzuwandeln: Es gibt kein Früher im Heute.

Alternativen zum Technics

Besser als Technics? Denon VL12

Besser als Technics? Denon VL12

Für weit weniger Geld bietet zum Beispiel Audio Technica den  LP-120 an. Optisch ein Clone des Technics, mehr Funktionen, im Inneren ein sogenanntes OEM-Gerät. Meint: viele Marken nutzen die gleiche Basis, die in einer chinesischen Fabrik mit Modifikationen zusammengeschraubt wird. Im Gegensatz zu Technics, der ist “Made in Japan”. Reloop brachte mit dem RP-8000 einen Plattenspieler mit MIDI-Pads. Stanton und Vestax (beides vom Aussterben bedrohte Marken) hatten  schon immer Turntables, die featureseitig Technics im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen ließen. In jüngerer Vergangenheit versuchte Pioneer mit dem PLX-1000 eine Lücke zu besetzten und nicht zuletzt schickt Denon gerade den VL-12 ins Gefecht. Kurz: Es gibt jede Menge Alternativen – aber nur ein Technics ist ein Technics.

Der Technics SL 1210-GR

Preiswerter und schwarz: Technics SL 1210-GR

Preiswerter und schwarz: Technics SL 1210-GR

Damit sind wir endlich beim “Nachfolger des legendären DJ-Plattenspielers”.
1210 = Schwarzes Modell. GR = nicht ganz so teuer. Es wird gemunkelt, dass er vorzugsweise über den HiFi-Handel und nicht über die DJ-Läden an den Kunden gebracht werden soll.

  • Typ: Direktantrieb-Plattenspieler (manuell)
  • Plattenteller-Drehzahlen: 33 1/3, 45, 78 U/min
  • Variabler Drehzahlbereich: ±8 %, ±16 %
  • Anlaufdrehmoment: 2,2 kg/cm
  • Anlaufzeit: 0,7 Sek. vom Stillstand auf 33 1/3 U/min
  • Gleichlaufschwankungen: 0,025 % W.R.M.S.
  • Rumpeln: 78 dB (IEC 98A gewichtet)
  • Plattenteller: Aluminiumdruckguss
  • Durchmesser:332 mm / Ca. 2,5 kg Gewicht (inkl. Gummiauflage)
  • Tonarmtyp: Universal, statisch ausbalanciert
  • Effektive Länge: 230 mm (9-1/16″)
  • Überhang: 15 mm (19/32″)
  • Kröpfungswinkel: 22°
  • Tonarmhöhen-Einstellbereich: 0 – 6 mm
  • Auflagedruck-Einstellbereich: 0 – 4 g (Direktmesswert)
  • Gewicht des Tonabnehmerkopfs: Ca. 7,6 g
  • Audioausgang: 1 x PHONO (Stecker), 1 x Erdungsanschluss
  •  Leistungsaufnahme: 11 W (ca. 0,2 W im Standby-Betrieb)
  • Abmessungen(BxHxT):453x173x372mm
  • Gewicht: Ca. 11,2 kg
Buchsen statt Kabel

Buchsen statt Kabel

Das Design des 1210-GR, wie überhaupt aller neuen Plattenspieler von Technics, orientiert sich an den Vorgängern. Anders als bei diesen, werden die Anschlüsse über Stecker, statt über feste Kabel bedient. Der Motor, die Elektronik der Motorsteuerung sowie der Tonarm des 1210-GR sind im Prinzip  mit dem höherpreislichen G-Model vergleichbar. Die Unterschiede liegen in den Feinheiten. Während der Tonarm des 1200-G aus Magnesium gefertigt ist, ist der des GR aus Alumium. Beim GR treibt ein Rotor den Motor, beim G ist es ein Zwillingsrotor, was sich im Torq niederschlägt.

Die Gleichlaufschwankung (0,025%) soll bei beiden Modellen gleich sein. Der (Start)Drehmoment des GR (2,2kg/cm) liegt unter dem des G (3,3kg/cm), aber über dem des MK5 (1,5kg/cm). Auch beim Plattenteller sowie beim Gehäuse gibt es Unterschiede zur G-Version. Beim Gesamtgewicht stehen 11 Kilo (GR) gegen 18 Kilo (G). Hier ist das GR-Model eher mit dem MK5 und Co vergleichbar. Irgendwo muss sich die Differenz im Preis erklären lassen. Der Technics SL 1210-GR ist ab Mai 2017 für einen UVP von 1499 Euro im Handel zu haben. Die spannende Frage ist jetzt, ob sich zu dem Preis noch Nachfrage bei der Zielgruppe generieren läßt. Das Angebot ist (wieder) da.

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Neueste Beiträge des Autors:

  • Neo1983m

    Der Plattenspieler ist Kult aber der “neue” GR und G erst recht sind für die DJ – Zielgruppe vieeeeeeeel zu teuer. Klar, bei Pioneer kostet ein 2000 Nexus auch 2k aber da sieht ja auch das Angebot völlig aders aus. Ich persönlich habe einen PLX-1000 und muss sagen das mir der Name “Technics” und “1210” auf keinen Fall 1000€ mehr wert sind. Nie im Leben!!! Ich wünsche niemanden wqs schlechtes aber ich hoffe das Technics/Panasonic mit der “Neuauflage” gehörig auf die Nase fällt und daran zu Grunde geht, denn genau das haben sie damit verdient. Es ist ein unding das man die DJ Gemeinschaft, den Technics ihren Erfolg zu verdanken hat” so dermaßen in die Eier tritt. Bitte bitte Panasonic, verreckt an eurer Geldgeilheit.

    • Rob Wyc

      Ich kann ja deine Enttäuschung verstehen, aber ich denke der Preis ist nicht durch eine reine Geldgeilheit entstanden, sondern durch das neu aufgesetzte Tooling, vielleicht einer geringeren Produktionsmenge und einer Zielgruppe, die im Hifi-Bereich liegt. Letztere sind allseits dafür bekannt, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um sich High-End Sachen zu zulegen. Bei einem Plattenspieler aus einem OEM-Werk hat man weniger Kosten, weil ein Großteil schon fertig eingekauft wird. Psychologisch gesehen wäre es wahrscheinlich auch ein Verfall einer Legende, wenn sie preislich auf dem gleichen Level wie alle anderen Plattenspieler wäre. Denn dann hätte man kein Prestigeobjekt mehr, sondern Massenware von der Stange. Wenn man insgeheim bei Technics aber auf die DJs als Käuferschaft setzt, dann wird der Preis irgendwann sowieso fallen. Aber dafür müssten die auch einen anderen Vertriebskanal wählen. Bis jetzt habe ich noch keinen Technics im Musikinstrumente/DJ-Fachhandel gesehen.